Schach

Fieberalarm drohte Schach-Großmeister matt zu setzen

Maxime Vachier-Lagrave (l.) und Fabiano Caruana spielten remis.

Maxime Vachier-Lagrave (l.) und Fabiano Caruana spielten remis.

Foto: Alexei Kolchin via www.imago-images.de / imago images/ITAR-TASS

Mitten in der Corona-Krise wird in Jekaterinburg (Russland) der Herausforderer des Weltmeisters Magnus Carlsen ermittelt.

Jekaterinburg/Hamburg.  Am Mittwoch drohten Fabiano Caruanas Träume, Schachweltmeister zu werden, frühzeitig zu platzen. 37,1 Grad Celsius zeigte das Fieberthermometer bei der täglichen Messung an. Die Ärzte schlugen Alarm. Einer der Doktoren habe dann irgendwelche Politiker angerufen, um zu klären, wie er mit diesem Ergebnis umgehen soll, berichtete der Italoamerikaner von seinen Erlebnissen vor der zweiten Runde des WM-Kandidatenturniers in Jekaterinburg: „Meine Temperatur wurde dann noch mal überprüft, wieder waren es 37,1 Grad. Eigentlich ein ganz normaler Wert.“ In Russland gelten 37,2 Grad als Fieber.

Während überall auf der Welt, seit vergangenem Montag auch in Russland, der Sport- und Spielbetrieb zum Erliegen kommt, ermitteln im Hotel Hyatt Regency gerade acht der weltbesten Schachprofis unter „surrealen Umständen“ (Caruana) den Herausforderer des norwegischen Weltmeisters Magnus Carlsen (29). Der Titelkampf ist für Ende dieses Jahres angesetzt. Und der Weltschachbund Fide scheint gewillt, diesen Zeitplan einzuhalten, alle Restriktionen der Coronavirus-Krise matt zu setzen.

„Wir haben alle Gesundheitsfragen mit den zuständigen Behörden geklärt. Wir haben viele Vorsichtsmaßnahmen getroffen, sind den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO und des IOC gefolgt“, sagt der russische Fide-Präsident Arkadi Dworkowitsch. Zuschauer und Medienvertreter dürfen den Spielsaal nicht betreten, ohnehin finden Schachturniere ihr Publikum im Internet. Mehr als zehn Millionen Klicks registrierten die Organisatoren nach den ersten drei Spielrunden weltweit.

Chinese Ding musste 14 Tage in Corona-Quarantäne

Die acht Großmeister, die bis zum 4. April in 14 Runden ihren Turniersieger und 500.000 Euro Preisgeld ausspielen, hatten schon Schwierigkeiten, die 1,4-Millionen-Einwohnerstadt am Uralgebirge zu erreichen. Der chinesische Weltranglistendritte Ding Liren (27) musste sich mit seinen Sekundanten 14 Tage lang in Moskau in Quarantäne begeben, ehe er weiterfliegen durfte. Sein Landsmann Wang Hao (30), der Geheimfavorit, konnte sich diese Prozedur ersparen, weil er mit seinem Stab aus Japan kam. Der Weltranglistenzweite Caruana (27), der 2018 Carlsen im WM-Kampf nach zwölf Remisen erst im Tiebreak unterlag, musste seine Flüge aus den USA viermal umbuchen, um ohne Kasernierungen verspätet zum Spielort zu gelangen.

Der Turnierbeginn wurde schließlich um vier Tage verschoben; eine Absage, wie sie der für das Event qualifizierte Aseri Teimur Radjabow (33) forderte, versuchte die Fide mit allen Mitteln zu verhindern. Radjabow zog daraus seine Konsequenzen, sagte seine Teilnahme wegen gesundheitlicher Bedenken ab. Für ihn sitzt jetzt der starke Franzose Maxime Vachier-Lagrave (29) am Brett.

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Caruana bewies nach seiner Beinahe-Disqualifikation gute Nerven, bezwang anschließend den Russen Kirill Alexejenko (22) in 34 Zügen. Am Tag darauf lief der Vizeweltmeister in Runde drei aber zu heiß, riskierte gegen den bis dahin punktlosen Ding Liren zu viel – und verlor das Duell der Topfavoriten.

Stand nach 3 von 14 Runden: 1. Nepomnjaschtschi (Russland), Vachier-Lagrave (Frankreich), Wang Hao (China) alle 2,0 Punkte; 4. Caruana (USA), Grischuk (Russland) beide 1,5; 6. Ding Liren (China), Giri (Niederlande), Alexejenko (Russland) alle 1,0. Chess24.com und Chessbase.de übertragen alle Partien im Internet.