Rassismus-Eklat

Bundestrainer soll Hamburger Judotalent angegriffen haben

Losseni Koné gilt als eins der größten Hamburger Judotalente.

Losseni Koné gilt als eins der größten Hamburger Judotalente.

Foto: Roland Magunia / HA

Hamburger Talent Koné berichtet von rassistischen und körperlichen Attacken. Dafür gibt es auch Zeugen.

Hamburg. Am Freitag, als der Hamburger Judo-Verband die Einweihung seines neuen Leistungszentrums am Eulenkamp mit einem großen Lehrgang feierte, warf eine sehr unschöne Geschichte, die in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erschien, einen Schatten über den Kampfsport, der sich aus dem Japanischen als „der sanfte Weg“ übersetzen lässt. Hamburgs Toptalent Losseni Koné spielt in dieser Geschichte ungewollt eine Hauptrolle.

Der 18 Jahre alte Superschwergewichtler vom SC Alstertal-Langenhorn ist nach eigenen Angaben Anfang Oktober im Leistungszentrum Kienbaum nahe Berlin, wo sich die deutsche U-21-Nationalmannschaft auf die WM in Marrakesch (Marokko) vorbereitete, Opfer einer verbalen und körperlichen Attacke eines Trainers geworden.

Rassismus-Eklat gegen Judotalent beim Grillen

Der beim Landesverband Berlin angestellte Coach, der für den Deutschen Judo-Bund (DJB) als Honorartrainer arbeitet und mit Olympiabronze, EM-Gold und drei WM-Medaillen einer der erfolgreichsten deutschen Judoka ist, soll Koné nach einem gemeinsamen Grillabend dazu aufgefordert haben, für die gesamte Mannschaft aufzuräumen.

Lesen Sie auch:

Als sich der junge Hamburger, dessen Eltern von der Elfenbeinküste stammen, weigerte und nur für sein eigenes Geschirr verantwortlich erklärte, soll ihn der Trainer zunächst verbal attackiert und auch rassistisch („Schnauze, Bimbo“) beleidigt haben. Anschließend habe er den Athleten mit körperlicher Gewalt aus dem Zimmer gezerrt und mehrfach mit dem Handballen geschlagen. Dafür gebe es mit U-21-Bundestrainer Pedro Guedes sogar einen Augenzeugen.

Koné wehrt sich gegen Attacken des Trainers

Der „FAZ“ sagte Koné: „Ich kann Sprüche vertragen, das ist nicht schlimm. Witze machen ist okay, aber beleidigen, und das als Trainer, das kann man einfach nicht machen!“ Am Freitag war der als schüchtern und zurückhaltend bekannte Athlet, der im Februar in Düsseldorf sein Grand-Prix-Debüt gefeiert hatte und in dieser Saison für das Hamburger Judo-Team in der Bundesliga auf die Matte gegangen war, für eine weitere Stellungnahme nicht bereit.

„Der Vorfall ist für Losseni eine schwierige Situation. Bis er abgeschlossen ist, wird er sich nicht weiter dazu äußern“, hieß es aus dem Hamburger Verband. Zwar hat Koné auf eine Strafanzeige gegen den Trainer verzichtet („Ist passiert, ich bin ja nicht verletzt“) und ist der Überzeugung, seinen Peiniger nicht pauschal als Rassisten verurteilen zu können. „Ich kann nicht pauschal sagen, er hasst Schwarze, er hat etwas gegen Schwarze. Aber ich kann sagen, dass er etwas gegen mich hat“, sagte er. Den Vorfall hat er über Rainer Ganschow, den Präsidenten des Hamburger Verbands, beim DJB zu Protokoll gegeben.

Koné und Trainer zur Anhörung geladen

„Ich habe beim Verband Beschwerde eingelegt und darum gebeten, dass der Vorfall aufgeklärt wird“, sagte Ganschow dem Abendblatt. Am kommenden Freitag (8. November) wird es am Verbandssitz in Potsdam eine Anhörung geben, zu der neben Ganschow und Koné auch der beschuldigte Trainer geladen ist.

„Dann werden wir sehen, wie der Verband die Sache bewertet und welche Konsequenzen gezogen werden“, sagte Ganschow. Als erste Reaktion hatte der DJB den für die U-21-WM in Marokko eingeplanten Coach von der Reiseliste gestrichen. „Es ist meine Verantwortung, Sportler zu schützen“, wurde Bundestrainer Guedes in der „FAZ“ zitiert.

Eine Entschuldigung an Koné hat es bislang noch nicht gegeben. Verändern würde eine solche die Ausgangslage nicht. Koné: „Ich an seiner Stelle würde es machen, aber es ist mir eigentlich gleichgültig. Ich kann auf jeden Fall nicht mehr mit ihm arbeiten. Ich kann ihm nicht mehr in die Augen sehen.“