Hamburg Towers

„Cheerleading ist kein erotischer Pausenfüller“

Das Hamburg Towers Danceteams bei einem Auftritt.

Das Hamburg Towers Danceteams bei einem Auftritt.

Foto: WITTERS

Towers-Danceteam-Trainerin Katja Baumgärtner kritisiert den Rauswurf der Alba-Cheerleader. Gespräche auch in Hamburg.

Hamburg.  Vergangenen Freitag war Katja Baumgärtner fast das Herz in die Hose gerutscht. Der Cheftrainerin des Hamburg Towers Danceteams war gerade mitgeteilt worden, dass die Cheerleader des Basketballclubs künftig ohne ihren Probenraum in der edel-optics.de Arena auskommen müssen, weil der zu einem zusätzlich VIP-Raum umgebaut werde.

„Wir dachten, dass es uns ergeht wie unseren Kolleginnen in Berlin“, sagt die 28-Jährige. Ligakonkurrent Alba Berlin hatte sich am selben Tag nach 25 Jahren von seinem beliebten Tanzteam getrennt. „Das Auftreten junger Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sportevents passt nicht mehr in unsere Zeit“, sagte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi.

"Zum Schutz der Frauen? Scheinheilig."

„Cheerleading ist harter Sport, kein erotischer Pausenfüller. Wer das glaubt, darf gern mal eine Einheit bei uns mitmachen“, ärgert sich Baumgärtner, die den „Alba Dancers“ volle Solidarität zusagte. „Jede Tänzerin macht das freiwillig und aus Leidenschaft. Jetzt wird gesagt, dass es zum Schutz der Frauen kein Cheerleading mehr gibt? Das ist scheinheilig.“

Die gebürtige Budapesterin suchte das Gespräch mit den Towers-Geschäftsführern Jan Fischer und Marvin Willough­by, die ihr versicherten, dass der Club auch in dieser Saison auf sein Danceteam setzt, wenn die Tänzerinnen dies ebenfalls wollen. „Das ist Leistungssport, keine Peepshow. Ich war selbst ein paarmal beim Training, da geht es knallhart zur Sache“, sagt Willoughby.

Diskussion über Geschlechterrollen im Sport

Christiane Blömeke, sportpolitische Sprecherin der Grünen-Bürgerschaftsfraktion, freut sich über die Diskussion: „Ich begrüße es, wenn sich Sportvereine mit Geschlechterrollen im Sport auseinandersetzen! Dabei kann es ein Ergebnis sein, das Cheerleading am Spielfeldrand von Männersport abzuschaffen. Es kann aber auch dazu führen, dass man die Cheerleader-Showeinlage sportlich weiterentwickelt und in ihrer Eigenständigkeit stärkt. Wenn Vereine über diese Möglichkeiten diskutieren und daraus Schlüsse ziehen, finde ich das positiv.“

Im Sommer hat das Cheerleader-Team eine neue Choreografie einstudiert, die heute gegen den MBC zur Uraufführung kommt. „Wir sind aufgeregt, in der Bundesliga auftreten zu dürfen“, gesteht Baumgärtner. Wo das Towers-Dance­team künftig proben darf, soll zeitnah geklärt werden. Nach dem Aus der „Alba Dancers“ sind die Hamburger Tänzerinnen aber froh, weiter ihrer Leidenschaft nachgehen zu können.