Hockey

Großflottbek und die Euphorie nach dem Aufstieg

Alexander Otte (37) ist Cheftrainer bei
Großflottbeks Damen.

Alexander Otte (37) ist Cheftrainer bei Großflottbeks Damen.

Foto: Andreas Laible

Damen und Herren des Hamburger Traditionsclubs unterstreichen zum Saisonstart, dass sie bundesligareif sind.

Hamburg. Man könnte einen Saisonstart mit einem Punkt aus zwei Spielen fraglos als misslungen betrachten. Aber da es immer auf die Perspektive ankommt, war es kaum überraschend, dass Wolfram von Nordeck die Rückkehr der von ihm trainierten Hockeyherren des Großflottbeker THGC in die Feldbundesliga nach zwölf Jahren Abstinenz als „sehr guten Auftakt“ einschätzte. Tatsächlich waren der Punktgewinn beim 1:1 in Nürnberg am Sonnabend und die achtbare 1:3-Niederlage beim Starensemble von Rot-Weiß Köln einen Tag später deutlich mehr, als viele Experten den Flottbekern zugetraut hätten.

„Als Aufsteiger geht man immer als Außenseiter in die Saison, dafür ist das Leistungsgefälle zwischen Bundesliga und Zweiter Liga zu groß. Aber wir haben an diesem Wochenende bewiesen, dass wir mitspielen können“, sagte von Nor­deck. Neun Eigengewächse hat der Coach in die Mannschaft eingebaut, die mit einer Mischung aus Talent, Erfahrung und Erfolgsbesessenheit den Klassenerhalt schaffen soll.

Erstes Stadtderby der Bundesligageschichte

Im Blickpunkt stand allerdings schon am Sonntag der Saisonhöhepunkt, der am kommenden Sonnabend (11.30 Uhr) den Hamburger Polo Club an die Otto-Ernst-Straße führt. Das erste Stadtderby der Bundesligageschichte im Hamburger Westen soll mindestens 1000 Besucher anziehen. „Es ist für uns schon deshalb ein spezielles Spiel, weil es unser erstes Heimspiel ist. Aber natürlich ist es auch besonders, auf einen Rivalen zu treffen, mit dem man sich den Trainingsplatz teilt. Wir freuen uns riesig darauf“, sagte von Nordeck. Die Favoritenrolle liegt dabei klar bei den Gästen, die zum Auftakt als einziges von fünf Hamburger Herrenteams beide Partien gewinnen konnten. Am Sonnabend gelang gegen den aktuellen Meister Uhlenhorst Mülheim nach 0:2-Rückstand ein 3:2, tags darauf ein 4:2 gegen Krefeld.

Die Aufbruchstimmung im GTHGC war im Sommer besonders daran gewachsen, dass auch die Damen nach nur einem Jahr Abstinenz die Rückkehr in die Eliteklasse geschafft hatten. Dass sie gewillt ist, dort Fuß zu fassen, wies die Auswahl von Cheftrainer Alexander Otte am Sonnabend nach. Zwar ging das Premierenspiel der Feldsaison 2019/20 mit 1:4 verloren, zu Gast war mit dem Club an der Alster allerdings auch der amtierende deutsche Meister. „Das ist das beste Team der Liga, deshalb war uns klar, dass wir am Ende mit leeren Händen dastehen würden. Aber mein Team hat sich an den Matchplan gehalten und bis zum Schluss hart gekämpft, deshalb bin ich mit diesem Auftakt sehr zufrieden“, lobte Otte, dessen Team dank eines Eckentores von Anna-Lena Hartwig bis zur 40. Minute sogar geführt hatte.

Starke Torhüterleistung

Der ehemalige Hallennationalspieler konnte sich besonders über die starke Torhüterleistung von Marta Kucharska freuen, hob aber auch die Leistung der beiden Spielführerinnen Kaja Hansen und Charlotte Breucker hervor. „Wir haben zwar einen massiven Umbruch hinter uns, aber ich glaube, dass wir vor den Teams aus dem Tabellenmittelfeld keine Angst haben müssen, wenn wir so kompakt spielen wie heute“, sagte er.

Alster-Coach Jens George, für dessen Auswahl Anne Schröder, Hannah Valentin, Benedetta Wenzel und Carlotta Sippel trafen, bestätigte Ottes Einschätzung. „Am Ende war unser Druck zu hoch, aber Flottbek hat griffig gespielt und uns das Leben schwer gemacht. Das wird für viele Teams nicht einfach, hier zu gewinnen.“ Während die GTHGC-Damen am Sonntag spielfrei waren, schaffte Meister Alster mit einem 2:1 über den zweiten Aufsteiger Rüsselsheimer RK zumindest von der Punktausbeute gesehen den perfekten Saisonstart.