Tennis

Was alles neu ist am Hamburger Rothenbaum

Barbara Schett-Eagle (l.), hier mit Dominic-Thiem-Freundin Kristina Mladenovic beim WTA-Turnier in Linz, führt am Rothenbaum die Center-Court-Interviews.

Barbara Schett-Eagle (l.), hier mit Dominic-Thiem-Freundin Kristina Mladenovic beim WTA-Turnier in Linz, führt am Rothenbaum die Center-Court-Interviews.

Foto: Imago/GEPA pictures

Am Sonnabend startete das Herrentennisevent mit der Qualifikation. Nicht nur die Turnierdirektion hat sich verändert.

Hamburg.  Die positive Anspannung will Andy Grote gar nicht verheimlichen. „Wir sind alle aufgeregt, die Vorfreude ist riesig, immerhin erwartet uns ein kompletter Neustart“, sagt Hamburgs Sportsenator vor dem Auftakt der Hamburg European Open, die an diesem Sonnabend (11.30 Uhr) mit der Qualifikation für das Hauptfeld (Start Montag) begonnen haben. Der SPD-Politiker engagiert sich mit einer Verve für das erstmals 1892 ausgetragene und damit traditionsreichste deutsche Tennisturnier, die man sich auch in den vergangenen Jahren von der Stadt gewünscht hätte. Das jedoch ist bei Weitem nicht die einzige Neuerung, die die Zuschauer erwartet.

Zunächst einmal gibt es neue Gastgeber. Nachdem der Deutsche Tennis Bund (DTB) als Lizenzinhaber den Vertrag mit dem seit 2009 amtierenden Turnierdirektor Michael Stich (50) nicht verlängert hatte, sind nun Sandra Reichel (48) und ihr Vater Peter-Michael (66) in der Verantwortung. Die Österreicher sind bislang hauptsächlich durch die Ausrichtung von Damenturnieren in ihrer Heimat und in Nürnberg bekannt, genießen in der Damentennis-Organisation WTA einen hervorragenden Ruf.

Ein 500er-Herrenturnier ist für beide Neuland. Entsprechendes Lehrgeld zahlten sie im April, als die Herrentennis-Organisation ATP die bereits verkündete Einführung der Vergabe eines EM-Titels am Rothenbaum einkassierte, da die entsprechende Genehmigung angeblich nicht eingeholt worden war.

Buntes Showprogramm am Rothenbaum

Mittlerweile jedoch, da nach den Zusagen der Top-Ten-Spieler Dominic Thiem (24/Österreich/Nr. 4), Alexander Zverev (22/Hamburg/Nr. 5) und Fabio Fognini (32/Italien/Nr. 9) das beste Teilnehmerfeld seit Verlust des Mastersstatus im Jahr 2008 gemeldet ist, zahlt sich die beharrliche und engagierte Arbeit der Reichels aus. Insbesondere das Vorhaben, die Veranstaltung mit einer Reihe an zusätzlichen Events aufzuwerten, scheint gut angenommen zu werden.

So wird das traditionell zum Turnierauftakt am Sonntag ausgetragene Legendenmatch mit Stich durch ein buntes Showprogramm ersetzt. Um 19 Uhr startet die Spielerpräsentation, anschließend gibt es Konzerte mit Max Giesinger und den Hamburger Goldkehlchen (Infos siehe Textende). Davor treten um 17 Uhr die Hamburger Zverev-Brüder Alexander und Mischa (31/Nr. 209) zu einem gemischten Doppel mit der Kroatin Iva Majoli (41), 1997 Siegerin des bis 2002 ausgetragenen Hamburger Damenturniers, und Barbara Schett-Eagle (43) an. Die Österreicherin, die 1998 und 2002 am Rothenbaum die Doppelkonkurrenz gewann, bringt sich auch als Turnierbotschafterin und Interviewerin auf dem Center Court ein.

Schett-Eagle: „Eins meiner Lieblingsturniere“

Stadionsprecher bleibt Sat.1-Moderator Matthias Killing (39). „Ich freue mich riesig, hier eine Woche verbringen zu können, denn Hamburg war eins meiner Lieblingsturniere“, sagt Schett-Eagle, die mit Sohn Noah (10) und Ehemann Joshua Eagle (46) in dessen Heimat Australien lebt und Eurosport-Zuschauern als TV-Expertin bekannt ist. Der Spartenkanal Eurosport sendet aber nicht mehr vom Rothenbaum. Neuer Bewegtbildpartner ist der NDR, der von Mittwoch bis Sonnabend nachmittags jeweils zwei Matches im Live­stream auf ndr.de und sportschau.de überträgt. Das Endspiel am Sonntag (28. Juli) gibt es live im NDR Fernsehen.

Wer die Matches vor Ort erleben möchte, muss in diesem Jahr Eintritt bezahlen. Den freien Zugang zur Anlage und zu den Nebenplätzen strichen die Reichels, um das sportliche Geschehen werthaltiger wirken zu lassen. Groundtickets kosten zehn Euro; ein dazu ausgeteilter Gutschein kann an den Cateringständen eingelöst werden. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben an allen Tagen freien Eintritt; am Qualifikationswochenende und dem Finalsonntag, dann allerdings exklusive Center-Court-Zugang, gilt das für alle Besucher.

Frische Neuigkeiten gab es am Freitag auch. Die letzte Wildcard für das Hauptfeld, das am Sonnabend (13 Uhr) in der Kunsthalle am Glockengießerwall ausgelost wird, erhielt der Kempener Daniel Altmaier (20/Nr. 437 der Welt). Vor ihm hatten die Zverev-Brüder sowie der Berliner Rudi Molleker (18/Nr. 153) die weiteren drei Freitickets zugeteilt bekommen. In der Qualifikation sind Daniel Masur (24/Bückeburg/Nr. 253), Johannes Härteis (23/Nürnberg/Nr. 345) und Julian Lenz (26/Gießen/Nr. 372) mit Wildcards am Start. Der Hamburger Tobias Kamke (33/Nr. 224) schlägt in der ersten Runde um 13 Uhr gegen den Italiener Gianluca Mager (24/Nr. 135) auf.

Das Dach über dem Center Court, das als erste Maßnahme des bis Juni 2020 geplanten Umbaus der Anlage (Investitionsvolumen: zehn Millionen Euro) Anfang Juni ausgetauscht worden war, wird in der Turnierwoche übrigens voraussichtlich nicht gebraucht. Sonne satt und Temperaturen bis 31 Grad sind angesagt. Etwas Neues ist das im Hamburger Sommer allerdings nicht mehr.

Tennis meets Music an diesem Sonntag, 21. Juli, mit Eröffnungsfeier, Mixed-Showdoppel und Konzerten von Max Giesinger und den Hamburger Goldkehlchen. Tickets (20 bis 30 Euro) unter hamburg-open.com/tickets, in der Abendblatt-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18–32, oder über die Ticket-Hotline 040/30 30 98 98.