Hamburg

Das größte deutsche Squash-Zentrum steht jetzt in Stellingen

Bart Wijnhoven (37) vor dem Glascourt
des Sportwerks.

Bart Wijnhoven (37) vor dem Glascourt des Sportwerks.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

An der Hagenbeckstraße werden 2019 vier nationale Titelkämpfe ausgetragen. Einrichtung wurde mit viel Eigeninitiative instand gesetzt.

Hamburg.  Wer in diesem Jahr deutscher Squashmeister werden will, sei es bei den Profis, Jugendlichen, Senioren oder in der Mannschaft, für den führt kein Weg am Sportwerk an der Hagenbeckstraße 124a vorbei. Gleich vier Titelkämpfe organisiert das Stellinger Center 2019, angefangen mit den deutschen Einzelmeisterschaften, für die von heute Abend an bis zum Sonntagmittag aufgeschlagen wird. Das hat drei Gründe: Mit 15 Squashcourts ist die Anlage die größte Deutschlands, die Investoren des Centers treten auch als Sponsoren auf, und Betriebsleiter Bart Wijnhoven führt ein Team an, das besonders zwei Eigenschaften auszeichnet: Leidenschaft und Menschlichkeit.

Der 37 Jahre alte Niederländer, seit sechs Jahren Verbandstrainer, hat dem schnellen Rückschlagspiel in Hamburg neues Lebens eingehaucht. Squash, der Fitnesssport der 1980er- und 1990er-Jahre, hatte die Trendwende verpasst, eine Generation an Spielern verloren und erlebt jetzt eine zarte Renaissance. In Hamburg gibt es wieder 400 Spieler in zwölf Vereinen, auch die Zahl der Betriebssportler und Hobbyspieler steigt.

Das Comeback hat viel mit der Sportwerk GmbH zu tun. Die in die Jahre gekommene Einrichtung wurde mit Geld und viel Eigeninitiative instand gesetzt, modernisiert, für 100.000 Euro zudem ein Glascourt gebaut, der einzige fest installierte bundesweit. Heute sind – wie vor 30 Jahren – in den Abendstunden Plätze nur nach vorhergehender Reservierung zu bekommen. „Das Center läuft wieder, die Investoren sind zufrieden, obwohl sie kein Geld verdienen. Das war aber auch nie ihre Absicht, sie sind ebenfalls leidenschaftliche Squashspieler“, sagt Wijnhoven, dessen Ehefrau Karine Muijlwijk (31), eine ehemalige Bundesliga-Volleyballerin, erfolgreich ein veganes Restaurant im Eingangsbereich betreibt. Pläne, die Anlage zu erweitern, existieren. Die Verhandlungen mit der Stadt laufen, um die Pacht, die in sieben Jahren ausläuft, zu akzeptablen Konditionen zu verlängern.

Nachwuchs fördern

Aushängeschild ist die Bundesligamannschaft, die zuletzt dreimal in Folge das Final4 erreichte, 2017 Vizemeister wurde und sich höchstwahrscheinlich auch für die Heim-Endrunde am 17./18. Mai qualifiziert. Die Sponsoren Ducat (Schiffsmakler) und die Sozietät Esche, Schümann, Commichau stellen den 40.000-Euro-Etat, in der zweiten Mannschaft, die 2017 in die Bundesliga Nord aufstieg, müssen sich die Spieler selbst um Geldgeber kümmern. „Das soll ihre Eigenverantwortung stärken“, sagt Wijn­hoven, der in diesem Team aufschlägt.

Um deutscher Meister zu werden, müsste die erste Mannschaft neben Weltklassespielern aus dem Ausland auch die besten deutschen Profis verpflichten. „Das entspricht nicht unserer Philosophie“, sagt Wijnhoven, „unser Ehrgeiz ist es, den eigenen Nachwuchs irgendwann auf das allerhöchste Niveau zu bringen.“ Zwei Talente, Julius Benthien und Julius Winkler, haben es bereits in die zweite Mannschaft geschafft. Und die Zahl der Jugendlichen im Verein wächst, derzeit sind es 40. „In ein paar Jahren wollen wir 100 haben“, sagt Wijnhoven. Schon jetzt spielen im Sportwerk mehr Kinder und Jugendliche als in jedem anderen deutschen Verein.

Titelverteidiger der deutschen Meisterschaften sind Franziska Hennes und Raphael Kandra (beide Paderborner SC). Hamburg stellt 15 Teilnehmer: Leonie Winkler (Sportwerk) bei den Frauen, 14 bei den Männern, darunter die Bundesligaspieler Rudi Rohrmüller, Felix Auer, Julius Benhtin, Christian Wucherer und Fynn Schuck. Die Meisterschaften beginnen heute um 17.30 Uhr mit der Qualifikation der Männer, von 19 Uhr an schlagen Männer und Frauen im Hauptfeld auf. Freitag und Sonnabend ist Spielbeginn um 11 Uhr, Sonntag um 10.15 Uhr, Endspiele um 12 Uhr. Eintrittspreise: 5 bis 17 Euro.