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Squash-Ass aus Simbabwe spielt für Bargteheide

Die eine kommt, der andere geht: Noch genießen Kate Sielmann und Fynn Schuck gemeinsame Trainingseinheiten

Die eine kommt, der andere geht: Noch genießen Kate Sielmann und Fynn Schuck gemeinsame Trainingseinheiten

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Kate Sielmann zog Anfang des Jahres von London nach Bad Oldesloe. Fynn Schuck wechselt zum Bundesligisten Sportwerk Hamburg.

Bargteheide.  Den einen oder anderen bewundernden Blick ihrer Vereinskameraden scheint Kate Sielmann nicht wahrzunehmen. Beim Squash-Training gilt die Konzentration der 28 Jahre alten Simbabwerin einzig und allein dem kleinen schwarzen Gummiball. Dass Sielmann das schnelle Rückschlagspiel hervorragend beherrscht, würden ihre Trainingspartner vom Bargteheider Squash Clubs (BSC) sicherlich ohne Umschweife bestätigen. Denn gegen die ehemalige Juniorennationalspielerin des kleinen afrikanischen Binnenstaats haben sie – sobald es um Punkte ging – meist den Kürzeren gezogen.

Sielmann ist die neue Hoffnungsträgerin des Bargteheider Squash Clubs. Die 28-Jährige könnte in der kommenden Oberligaspielzeit eine wichtige Rolle spielen – sofern den Stormarner der Sprung in die dritthöchste Spielklasse gelingt. „In punkto Aufstieg haben wir noch alle Trümpfe in der Hand“, sagt Pressewart Frank Lehmann. In der Tabelle der Verbandsliga belegen die Bargteheider zwei Spieltage vor dem Saisonende den zweiten Rang. Dieser würde zum Aufstieg reichen.

Barteheides Top-Spieler wechselt nach Hamburg

Fest steht aber auch, dass Fynn Schuck den Club zum Saisonende verlässt. Bargteheides Top-Spieler wechselt zum Sportwerk Hamburg. Dort wird der 17-Jährige voraussichtlich in der Bundesliga auf Punktejagd gehen. „Sportlich und auch menschlich ist Fynns Wechsel ein großer Verlust für uns“, sagt Lehmann. „Dennoch überwiegt der Stolz, dass er als ein in Bargteheide ausgebildetes Talent diese große Chance bekommt.“

Der Hamburger Verein bietet Fynn, nachdem dieser im Sommer auf dem Bargteheider Kopernikus-Gymnasium sein Fachabitur abgelegt hat, auch beruflich eine Perspektive, „Beim Sportwerk werde ich eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement beginnen, dadurch kann ich Sport und Beruf hervorragend vereinbaren“, sagt der Teenager.

Im Spielbetrieb wird Sielmann meist gegen Männer spielen

Der 17-Jährige besitzt jede Menge Qualitäten, die einen Squashspieler von nationaler Klasse auszeichnen. Lehmann traut ihm eine große sportliche Zukunft zu. „Ich habe selten einen jungen Menschen mit soviel positivem Ehrgeiz erlebt“, sagt der Pressewart. „Fynn ist äußerst zielstrebig, behält selbst in kritischen Spielsituationen den Überblick und bewahrt die Ruhe.“

Lehmann ist sich aber auch bewusst, dass die Lücke, die Fynn hinterlässt, nur zum Teil von Sielmann geschlossen werden kann. „Da im Spielbetrieb das Geschlecht keine Rolle spielt, wird Kate in der Oberliga meist einen Mann zum Gegner haben“, sagt der 54-Jährige. „Männer spielen aggressiver, Kate kann dies allerdings durch ihre Technik wettmachen.“

Sielmann machte sich in London selbstständig

Kate Sielmann ist glücklich, im Freizeitzentrum Lohe – dort trainiert der BSC und trägt seine Punktspiele aus – eine neue sportliche Heimat gefunden zu haben. Ehrgeizig ist sie allemal: „Als Zwölfjährige verlor ich bei meinem ersten Turnier gegen ein Mädchen namens Bianca. Den Namen habe ich bis heute nicht vergessen“, sagt die sympathische Sportlerin. „Ich heulte wie ein Schlosshund, bis mein Vater mir tröstend folgenden Rat gab: ,Trainiere fleißig und du wirst nächstes Mal die Siegerin sein’. Ein Jahr später traf seine Prophezeiung ein.“ Übrigens: Squash ist in Simbabwe gerade bei Jugendlichen beliebt. Fast jede Schule besitzt mehrere Courts.

Sielmann, deren Eltern britischer Abstammung sind, verließ im Alter von 18 Jahren Gweru, einen kleinen Ort in der geographischen Mitte von Simbabwe, um in Pretoria (Südafrika) Sportwissenschaften zu studieren. Drei Jahre später zog sie nach London. Dort machte sie sich als Personaltrainerin und Ernährungsberaterin selbstständig. In der englischen Hauptstadt lernte sie auch ihren späteren Ehemann Christopher kennen.

„Christopher und ich wollten einfach etwas anderes sehen“

Dass Sielmann seit Januar in Stormarn lebt, hatte sie sich sicher nicht vorgestellt, als sie eines Morgens im Bett ihres Appartements in Londons Stadtteil Kensington mit ihrem Mann die Zukunft plante. „Christopher und ich wollten einfach noch einmal etwas anderes sehen“, erzählt sie und lacht. „Kanada und Neuseeland waren die ersten Optionen, herausgekommen ist am Ende Bad Oldesloe.“

In der Kreisstadt lebt die Familie von Christopher. Kate arbeitet in der Praxis von Schwiegervater Dieter Sielmann, der sich als Allgemeinmediziner in der Kreisstadt auf spezielle Schmerzbehandlungen spezialisiert hat.

Kates weitere große Leidenschaft ist das Bergsteigen. In den peruanischen Anden erreichte sie Höhen von mehr als 5500 Meter, bezwang in Afrika den Kilimandscharo (5980 Meter) sowie den Mount Elbrus (6500 Meter) im russischen Kaukasus. Ziel von Kate und Christopher in diesem Jahr ist der Gipfel des knapp 7000 Meter hohen Aconcagua in Südamerika.