St. Pauli

2200 Dresden-Fans kommen ins Millerntor-Stadion

Blick auf das Millerntorstadion vom Fußballverein FC St. Pauli

Blick auf das Millerntorstadion vom Fußballverein FC St. Pauli

Foto: dpa

Bisher gewann St. Pauli fast nur gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte. Problem mit den Top Ten.

Hamburg. Seine Improvisationskünste wird Markus Kauczinski beweisen müssen, wenn er die Startaufstellung für das Heimspiel gegen Dynamo Dresden an diesem Sonnabend (13 Uhr/Sky und Liveticker bei abendblatt.de) zusammenbastelt. Bereits seit Tagen weiß der Cheftrainer des FC St. Pauli, dass ihm die Leistungsträger Johannes Flum (grippaler Infekt), Christopher Buchtmann (Muskelfaserriss) und Richard Neudecker (Außenbandriss) nicht zur Verfügung stehen. Dazu war der Einsatz von Marvin Knoll, der zuletzt unter Oberschenkelproblemen litt, fraglich. Am Freitag nahm er am Abschlusstraining aber wieder teil.

Kein Personalmangel

Nun herrscht trotz der Ausfälle kein wirklicher Personalmangel im 30 Mann großen Kader des FC St. Pauli. Vielmehr bietet die Situation für einige gesunde Spieler, die zuletzt außen vor waren, die Chance, einmal wieder ins 18er-Aufgebot für ein Punktspiel zu rücken. Eine interessante Aufgabe ist die Zusammenstellung der Startelf aber auch deshalb, weil gleich mehrere Stammspieler auf verschiedenen Positionen eingesetzt werden können. An erster Stelle ist hier Jeremy Dudziak zu nennen, der in den vergangenen Wochen regelmäßig als rechter Außenverteidiger aufgeboten wurde. „Wir wissen aber auch, dass das nicht seine beste Position ist“, hat Trainer Kauczinski unlängst festgestellt. Die Aufgabe war dennoch für ihn sinnvoll, weil im zen­tralen defensiven Mittelfeld Johannes Flum und Marvin Knoll gesetzt waren und sich bewährt haben. Gleiches gilt für den zuletzt überzeugenden Daniel Buballa als Linksverteidiger.

Nun aber, angesichts von Flums und Buchtmanns Ausfällen und der noch leichten Unsicherheit, ob Knoll 90 Minuten spielen kann, könnte Du­dziak als „Sechser“ oder „Achter“ gegen Dresden agieren. Dies ist auch deshalb eine realistische Option, weil der zuvor lange verletzte, gelernte Rechtsverteidiger Luca Zander wieder fit ist und zuletzt schon beim 1:1 in Regensburg als Einwechselspieler sein Comeback gegeben hatte.

Jetzt Feuertaufe?

Ansonsten stehen als Alternativen für Flum und Knoll der talentierte Ersin Zehir (20) und natürlich der gewählte Kapitän Bernd Nehrig (32), der den Verein im Winter verlassen möchte, zur Verfügung. Kauczinski hatte in den vergangenen Wochen und Monaten regelmäßig das St.- Pauli-Eigengewächs Zehir eingewechselt, wenn Flum die Kräfte ausgingen, während Nehrig meist draußen blieb. In der Startelf in einem Zweitligaspiel stand Zehir dagegen noch nicht. Bekommt er jetzt seine Feuertaufe? „Wenn zwei Spieler gleichauf sind, kann es eine Rolle spielen, ob einer noch länger bleiben möchte“, sagte Kauczinski jetzt. Der wechselwillige Nehrig habe ihm allerdings auch versichert, dass er sich nicht hängen lassen werde.

Für die offensive Außenbahn steht Waldemar Sobota nach überwundener Adduktorenverletzung bereit, um Neudecker zu ersetzen. „Waldi ist immer fit, er ist naturfit“, sagte Kauczinski auf die Frage, ob Sobota auch schon eine Option für die Startelf sei.

Trotz der notwendigen Umbaumaßnahmen in seiner Startformation strebt Kauczinski gegen Dresden einen Sieg an, nachdem die beiden jüngsten Heimspiele gegen Kiel (0:1) und Heidenheim (1:1) trotz ansprechender Vorstellungen nicht gewonnen werden konnten. „Dresden ist jetzt die dritte Mannschaft hintereinander, die uns in der Tabelle mit einem Sieg überholen kann“, hat Kauczinski treffend bemerkt. Zuletzt konnte St. Pauli Heidenheim und Regensburg mit einem Unentschieden auf Distanz halten, diese aber nicht vergrößern.

Überhaupt hat die Mannschaft vom Millerntor in ihren bisherigen 14 Punktspielen erst einen Konkurrenten, der aktuell ebenfalls einen der ersten zehn Tabellenplätze belegt, bezwingen können. Dieses recht glückliche 2:1 gegen den SC Paderborn ist aber auch schon wieder mehr als zwei Monate her. Ansonsten gab es gegen die Top Ten bislang nur zwei Unentschieden und drei Niederlagen. Die Spiele gegen Dresden, Bochum und Fürth stehen noch aus. Es besteht also jetzt die Chance, diese Bilanz aufzubessern.

Einzige Ausnahme

Warum aber steht St. Pauli mit 24 Punkten und dem vierten Platz nach 14 Spieltagen dennoch vergleichsweise komfortabel da? Einfache Antwort: Weil das Team in einer bemerkenswerten Konsequenz gegen nahezu alle Teams, die auf den Plätzen zwölf bis 18 stehen, gewonnen hat. Dies war in den vergangenen Jahren in dieser Ausprägung nie der Fall. Das 1:3 bei Erzgebirge Aue ist in dieser Serie die einzige Ausnahme.

Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass Markus Kau­czinski kürzlich das Prädikat „Spitzenteam“ für seine Mannschaft ablehnte. „Für mich sind nur der HSV und Köln an der Spitze, dahinter kommt ein breites oberes Mittelfeld“, stellte er klar. Die These wird auch dadurch gestützt, dass St. Pauli an diesem Spieltag vom vierten auf den zehnten Platz zurückfallen könnte.

Um dies zu verhindern, werde sein Team jetzt eine bessere Leistung als zuletzt in Regensburg zeigen müssen, ahnt Kauczinski. „Dresden ist eine sehr kombinationsstarke Mannschaft, die mit Moussa Koné einen der besten Stürmer der Liga hat“, charakterisierte er den Gegner.

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