Judo-Meisterschaft

Die Hamburger Judokas sind der Konkurrenz meilenweit voraus

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Björn Jensen
Orkhan Safarov (Hamburg, weiss) kämpft gegen Manuel Muehlegger (TSV, blau).

Orkhan Safarov (Hamburg, weiss) kämpft gegen Manuel Muehlegger (TSV, blau).

Foto: Witters/TayDucLam

Das Hamburger Judo-Team feiert in Wandsbek den dritten deutschen Mannschaftsmeistertitel in Serie. Was das Team so besonders macht.

Hamburg.  „We Are the Champ­ions“ wurde gespielt und „Ein Hoch auf uns“, die gesamte Palette der Feiermusik rieselte auf die 2000 Zuschauer nieder, die in der Sporthalle Wandsbek dem Hamburger Judo-Team (HJT) huldigten. Und doch fehlte das, was vor zwei Jahren, als die Auswahl von Cheftrainer Slavko Tekic (48) an selber Stelle zum ersten Mal den deutschen Mannschaftsmeistertitel gewonnen hatte, noch alle mitgerissen hatte: Ausgelassenheit. Der Grund dafür war offensichtlich. Während der Titelgewinn 2016 die Erfüllung eines lange gehegten Traumes darstellte, ist das Siegen für die Hamburger mit dem dritten Triumph in Serie mittlerweile ein Stück weit zur Gewohnheit geworden.

Wie weit der in dieser Saison unbesiegte Champion der Konkurrenz enteilt ist, zeigt der Blick auf die Statistik. Elf von 14 Kämpfen gewannen Tekics Asse sowohl im Halbfinale gegen den TSV Großhadern als auch im Finale gegen Rekordmeister TSV Abensberg (Halbfinale 9:5 gegen Holle). Als Nemanja Majdov im Finale in der Klasse bis 90 Kilogramm durch Ippon gegen Markus Tuscher den entscheidenden achten Punkt einfuhr, wurde am Rande der Matte verhalten gejubelt. Die vier noch folgenden Kämpfe waren bedeutungslos geworden. Dass die Hamburger drei davon gewannen, unterstreicht ihren Charakter, den auch der Chefcoach später lobte. „Wir sind auch deshalb so stark, weil wir niemals einen Gegner unterschätzen und keinen Kampf herschenken. Die Jungs wollen immer gewinnen. Diese Mentalität hat uns nach vorn gebracht.“

Besonderer Teamgeist

An der Einstellung dieses Teams kann es in der Tat keinerlei Zweifel geben. Der Zusammenhalt ist das, was es auszeichnet. Der starke Hamburger Kern – elf der 24 für die Endrunde nominierten Kämpfer stammen aus der Stadt –, der in der Hauptrunde dafür gesorgt hatte, dass das HJT ungeschlagen Nordmeister wurde, nahm es klaglos hin, dass im Final-Four-Turnier die nationalen und internationalen Topkämpfer den Vorzug erhielten. „Wir bekommen trotzdem den Eindruck vermittelt, dass wir einen wichtigen Teil zum Titelgewinn beigetragen haben“, sagte Max Münsterberg (Klasse bis 81 kg), der in der Hauptrunde unbesiegt geblieben war, am Sonnabend jedoch nur zuschauen durfte.

Besonders glücklich war Igor Wandtke. An seinem 28. Geburtstag konnte der Lübecker im 73-kg-Limit seine vier Kämpfe allesamt gewinnen, was außer ihm nur Dominic Ressel in der 81-kg-Klasse gelang. „Es bedeutet mir sehr viel, dass die Arbeit der vergangenen drei Jahre so viel Ertrag gebracht hat“, sagte Wandtke, der nicht befürchtet, dass die eigene Überlegenheit in der kommenden Saison in Überheblichkeit umschlagen könnte. „Nach oben ist immer noch Luft, wir haben ja nicht 14:0 gewonnen“, sagte er. Ressel sagte: „Wir brauchen keine besondere Motivation, sondern Gegner. Wir haben eindrucksvoll bewiesen, wer im Moment der Chef ist.“

Neues Leistungszentrum in Dulsberg

Damit das so bleibt, wollen sie beim HJT vor allem in die Strukturen investieren. Das Team werde beisammenbleiben und lediglich mit Eigengewächsen verstärkt, sagte Tekic. Im Frühsommer 2019 soll das neue Leistungszentrum am Olympiastützpunkt in Dulsberg bezugsfertig sein. „Das Ziel bleibt, unser Traumprojekt, Bundesstützpunkt zu werden, zu realisieren“, sagte HJT-Präsident Rainer Ganschow. Peter Frese, Präsident des Deutschen Judo-Bundes, lobte immerhin schon einmal die Entwicklung Hamburgs. „Die Ausrichtung der Endrunde war großartig. Mit dem neuen Leistungszentrum wird ein wichtiger Schritt gemacht“, sagte er.

Wie viel Arbeit noch zu tun ist, verdeutlicht indes der Fakt, dass der deutsche Meister in diesem Jahr nicht am Golden-League-Finale in Rumäniens Hauptstadt Bukarest (8. Dezember) teilnehmen kann, weil die Reisekosten von 20.000 Euro nicht gestemmt werden können. Ein letztes Gespräch mit Sponsoren brachte selbst unter dem Eindruck des Titelgewinns in der Nacht zum Sonntag, die das Team zunächst auf der „Cap San Diego“ und später in der Mandalay Bar am Neuen Pferdemarkt zum Tag machte, keine Lösung.

Sportsenator Andy Grote, der die Endrunde besucht hatte, ist darüber sehr traurig. „Judo hat sich zum sportlichen Aushängeschild unserer Stadt entwickelt. Ich kann nur an die Unternehmen appellieren, diesen Sport mehr zu unterstützen“, sagte er. Die Stadt hatte die Ausrichtung der Endrunde finanziell gefördert.

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