Beachvolleyball

Mit verhasstem Ausdauertraining zurück zum Rothenbaum

Kira Walkenhorst (l.) und Laura Ludwig mit dem WM-Pokal, den sie 2019 am Rothenbaum verteidigen wollen.

Kira Walkenhorst (l.) und Laura Ludwig mit dem WM-Pokal, den sie 2019 am Rothenbaum verteidigen wollen.

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Beachvolleyballduo Ludwig/Walkenhorst ist wieder vereint. Motiviert wie nie, wenn auch unter anderen Umständen.

Hamburg.  Laura Ludwig erklimmt im Stadion am Rotenbaum die Treppen hinauf zum Oberrang. Die Beachvolleyball-Olympiasiegerin und Weltmeisterin gerät nach mehr als einem Jahr Wettkampfpause aus der Puste, atmet schnell, als sie 252 Tage vor Beginn der Heim-WM an Ort und Stelle die Werbetrommel rührt. Gemeinsam mit ihrer Erfolgspartnerin Kira Walkenhorst (27) und Senator Andy Grote (50) posiert die 32-Jährige mit dem Goldpokal, den das Duo 2017 in Wien gewann.

„Unsere Teampsychologin Anett Szigeti hatte die Idee. Später werden wir hier gemeinsam essen, uns schon einmal auf den Ort vorbereiten, wo wir unser nächstes Erfolgskapitel schreiben wollen“, erklärt Ludwig, die nach der Geburt ihres Sohnes Teo Johnston an diesem Abend Wickel gegen Handtasche tauschte. Wenn am 28. Juni 2019 die WM am Rothenbaum eröffnet wird, feiert der kleine Teo seinen ersten Geburtstag. Und Ludwig/Walkenhorst möglicherweise das Comeback des Jahres. Die WM ist das Nahziel, Olympia 2020 in Tokio das Traumziel.

Ludwig seit vier Wochen im Training

„Das komplette Team hat sich Ende August am Timmendorfer Strand zusammengesetzt und besprochen. Alle sind weiterhin dabei, topmotiviert, stehen voll hinter uns“, sagt Walkenhorst. Seit Montag stehen die beiden HSVerinnen wieder gemeinsam im Sand, trainieren am Bundesstützpunkt am Alten Teichweg. Am Rothenbaum versprühen sie trotz der Pause, anderer Umstände und allerhand Fragen Optimismus. „Das, was wir erreicht haben, das wollen wir nicht einfach so wegschmeißen“, sagt Ludwig. Die Auszeit habe vom Kopf her gut getan, doch „das ist unser Beruf, unsere Leidenschaft. Es zwingt uns ja keiner dazu.“

Die Jungmutter ist seit vier, fünf Wochen wieder im Training, nun auch mit Ball. „Den Balltouch hat Laura jedenfalls nicht verloren. Das sieht man sofort“, sagt Walkenhorst. Nur die Arme werden beim Baggern und Schmettern noch rot, scherzt Ludwig. Nicht nur die Abwehrspezialistin wagt als Mutter die Rückkehr auf die Welttour, auch Walkenhorsts Ehefrau Maria Kleefisch (34) erwartet Nachwuchs. „Es könnte jetzt jederzeit so weit sein“, erzählt sie. Die Aufregung steige, das Kinderzimmer sei nach Umzug in ein neues Haus eingerichtet.

Unterwegs mit Kind und Kegel

Es wird diese Geschichte sein, die das Duo künftig auf allen sportlichen Wegen begleiten wird. Ihr privates Familienglück rückt in den öffentlichen Fokus. Kann das funktionieren – unterwegs mit Kind und Kegel, bis zu 200 Tage in aller Welt? „Zweifel?“, fragt Ludwig, „die haben wir auch! Wir wissen nicht, wie es sein wird. Es wird eine Mammutaufgabe, das ist uns bewusst.“ Die gebürtige Berlinerin erhält Hilfe von ihren Eltern, dazu kommt die Schwiegermutter. Ludwig ist mit Imornefe Bowes (42) liiert, dem Frauenbundestrainer am Stützpunkt.

„Wenn wir beide unterwegs sind, kommt Teo mit uns, gewöhnt sich an unser Leben.“ Am Anfang sei ihr die Trennung schwerer gefallen. Mittlerweile freue sie sich jedoch auch, das Haus zu verlassen, „wieder eine normale Athletin sein zu können, meine Energie in meinem Sport zu versprühen“. Der vier Monate alte Nachwuchs mache ihr keine Sorgen. „Er freut sich über jedes Gesicht, das mit ihm zu tun hat.“ Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, sagt auch Walkenhorst: „Wenn Beachvolleyball angesagt ist, werde ich mich voll darauf konzentrieren können und weiß, zu Hause ist alles in Ordnung“, sagt sie.

Ausdauertraining hasst sie

„Auch die letzten sechs Jahre waren für uns kein leichter Weg“, sagt die Angriffsspielerin – und meint ihre eigene Kranken- und Verletztengeschichte mit mittlerweile neun OPs. Zuletzt bereitete die rechte Schulter Sorgen. Die Sommersaison spielte Walkenhorst mit Interimspartnerin Leonie Körtzinger (21/HSV) nur in der Abwehr, schlug schulterschonend von unten auf. „Es ist in den letzten Wochen wieder deutlich besser geworden“, sagt die gebürtige Essenerin. Sie vertraue ihrem Trainer-, Physiotherapeuten- und Ärzteteam und „verschwende keinen Gedanken daran, dass die Schulter irgendwelche Schwierigkeiten“ machen könnte. Auch sie steigere nun ihr Pensum.

„Diese erste Trainingswoche hat mir gezeigt, dass es geht“, sagt Ludwig. „Jede von uns hat noch ihre Baustellen. Mir hat der Trainer vier, fünf Wochen Ausdauertraining verordnet. Ich werde es hassen.“ Im Januar könnte es erstmals ins Trainingslager gehen, dann kommen Gegnerinnen dazu. „Fort Lauderdale in den USA im Februar könnte unser erstes Turnier werden. Es gibt mit Blick auf die Olympia-Quali schließlich nicht so viele Fünf-Sterne-Turniere“, sagt Walkenhorst. „Wenn wir spielen, dann wollen wir unser bestes Spiel abrufen“, ergänzt Ludwig.

Als das Essen nach 20 Uhr im Logenbereich des Rothenbaum serviert wird, ist Ludwig trotz Schlafentzugs nicht müde. „Ein Zurück gibt es nicht. Jetzt geht’s los“, sagt sie.