Beachvolleyball

Am Hamburger Rothenbaum werden neue Sieger gesucht

Das Podium 2017 (v. l.): Agatha Bednarczuk/Eduarda „Duda“ Santos Lisboa verloren das Finale gegen Kira Walkenhorst/Laura Ludwig. Dritte wurden Larissa Franca/Talita Da Rocha Antunes

Das Podium 2017 (v. l.): Agatha Bednarczuk/Eduarda „Duda“ Santos Lisboa verloren das Finale gegen Kira Walkenhorst/Laura Ludwig. Dritte wurden Larissa Franca/Talita Da Rocha Antunes

Foto: picture alliance

Das Finale der Beachvolleyball-Weltserie ist der Test für die WM 2019. Hamburg zeigt Interesse an den European Championships 2022.

Hamburg.  Das Tennisstadion am Hamburger Rothenbaum hat sich für die nächsten fünf Tage fein gemacht, sich mit viel blauem Tuch in die Red Bull Beach Arena verwandelt, und spätestens wenn am heutigen Mittwochabend um 20 Uhr das HSV-Duo Victoria Bieneck/Isabel Schneider zu seinem Auftaktmatch beim Major-Finale gegen die Brasilianerinnen­ Agatha Bednarczuk/Eduarda „Duda“ Santos Lisboa aufschlägt, werden sich die 11.000 Sitzplätze wohl wieder weitgehend füllen. „Wir hoffen auch ohne unsere pausierenden Olympiasiegerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst auf einen ähnlichen Ansturm wie im vergangenen Jahr“, sagt Ausrichter Frank Mackerodt. Damals mussten Tausende Zuschauer, zwar nicht in der Vorrunde, aber am Finaltag, die Spiele auf den Videowänden vor dem Stadion verfolgen.

Das mit 800.000 US-Dollar (rund 705.000 Euro) am höchsten dotierte Turnier der Beachvolleyball-Weltserie ist zugleich die Generalprobe für die Weltmeisterschaften Ende Juni/Anfang Juli nächsten Jahres, in genau 317 Tagen, wenn dann jeweils 48 Teams bei Männern und Frauen wieder am Rothenbaum um dann eine Million Dollar Preisgeld schmettern und baggern. Diesmal sind es nur 20 Paare, dafür aber die besten der Welt,

20 Uhr Bieneck/Schneider

Zu den gehören mit Bieneck/Schneider und Chantal Laboureur/Julia Sude, die sich beide über die Weltrangliste qualifizierten, sowie den Hamburgern Julius Thole/Clemens Wickler, die mit einer Wildcard ans Netz gehen, auch drei deutsche Duos. Während bei der Leistungsdichte der Frauen für die beiden deutschen Paare vieles möglich scheint, die Vorjahresfinalistinnen Agatha/Duda aber sicherlich zu den Top­favoriten zählen, ist das Turnier für Thole/Wickler eine wichtige Standortbestimmung im Kreis der Weltelite.

In ihrem ersten Gruppenspiel treffen sie am Mittwochabend gegen 21 Uhr unter Flutlicht auf die Russen Igor Velichko/Oleg Stoyanovskiy. „Bisher haben wir gegen alle unsere Gruppengegner verloren, nur gegen die Italiener haben wir noch nicht gespielt“, sagt Wickler. Zur Verzagtheit besteht allerdings kein Anlass. Die Führenden der Weltrangliste, die Norweger Anders Berntsen Mol/Christian Sandlie Sörum und die Niederländer Alexander Brouwer/Robert Meeuwsen, die in der anderen Gruppe antreten, haben beide in diesem Jahr bereits geschlagen. Mol/Sörum brachten sie in Espinho (Portugal) die bisher letzte Niederlage bei. Danach gewannen diese drei Turniere in Folge.

Hartes Turnier

„Es wird ein hartes Turnier für Julius und Clemens, aber genau diese Herausforderungen brauchen sie für ihre Entwicklung. Sie haben in dieser Saison schon weit mehr geleistet, als wir von ihnen erwarten durften“, sagt der Hamburger Niclas Hildebrand, der neue Sportdirektor Beachvolleyball des Deutschen Volleyballverbands (DVV).

Nach dem medialen Erfolg der European Championships in Glasgow und Berlin, Europameisterschaften zeitgleich in sieben Sportarten, will Beachvolleyball bei einer wahrscheinlichen Neuauflage in vier Jahren auch mitspielen. „Wir kämpfen darum, dass wir als Ballsportart da reinkommen“, sagt der Österreicher Hannes Jagerhofer, Chef der Major-Serie und Veranstalter des Hamburger Turniers. Entsprechende Verbindungen seien bereits geknüpft. Die EBU (European Broadcasting Union), Organisator der teilnehmenden TV-Anstalten, hatte sich nach der Erstauflage für die Aufnahme einer Teamsportart ausgesprochen. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky hält Beachvolleyball ebenfalls für „sehr geeignet“.

Grote: „Faszinierende Veranstaltung“

Auch für Hamburgs Innen- und Sportsenator Andy Grote sind die European Championships eine „faszinierende Veranstaltung“. Sportarten, die sonst nur bei Olympischen Spielen im Blickpunkt stünden, würden damit in den Fokus rücken. Grote jedenfalls will sich mit einer Bewerbung Hamburgs für die Neuauflage beschäftigen: „Wir tun gut daran, uns mit dem Format auseinanderzusetzen.“ Weil Hamburg aber ein Leichtathletikstadion fehlt und die nächsten Championships möglichst an einem Ort stattfinden sollen, hätte die Stadt gegen Konkurrenten wie Berlin oder Rom wohl keine Chance.

Die Gruppen: Frauen: Pool A: Chantal Laboureur/Julia Sude (Stuttgart/Friedrichshafen), Maria Antonelli/Carolina „Carol“ Solberg Salgado (Brasilien), Heather Bansley/Brandie Wilkerson (Kanada), Sanne Keizer/Madelein Meppelink (Niederlande), Summer Ross/Sara Hughes (USA). Pool B: Barbora Hermannová/Marketa Sluková (Tschechien), Agatha Bednarczuk/Eduarda „Duda“ Santos Lisboa (Brasilien), Melissa Humana-Paredes/Sarah Pavan (Kanada), Mariafe Artacho del Solar/Taliqua Clancy (Australien), Victoria Bieneck/Isabel Schneider (Hamburger SV).


Männer: Pool A: Julius Thole/Clemens Wickler (Eimsbütteler TV), Piotr Kantor/Bartosz Losiak (Polen), Aleksandrs Samoilovs/Janis Smedins (Lettland), Daniele Lupo/Paolo Nicolai (Italien), Igor Velichko/Oleg Stoyanovskiy (Russland). Pool B: Anders Mol/Christian Sörum (Norwegen), Alexander Brouwer/Robert Meeuwsen (Niederlande), Pablo Herrera Allepuz/Adrián Gavira Collado (Spanien), Martin Plavins/Edgars Tocs (Lettland), Michal Bryl/Grzegorz Fijalek (Polen). Am heutigen Mittwoch wird von 10 bis 16 Uhr auf dem Außencourt 2 und von 16 bis 22 Uhr auf dem Centre-Court gespielt. Eintritt frei.