Ironman in Hamburg

150.000 Zuschauer erleben Drama um Vorjahressiegerin

Die Deutsche musste ihrem Körper Tribut zollen. Beim zweiten Ironman in Hamburg musste mehr als sonst gelaufen werden.

Hamburg.  „Es war ein großer Tag für die Beine“, sagte der Belgier Bart Aernouts, nachdem er den ersten halben Liter stilles Wasser durch seine Kehle hatte rinnen lassen und eine Dose Energiedrink hinterher. 7:05:26 Stunden hatte der 34-Jährige für den Auftaktlauf über sechs Kilometer, 180 Kilometer Radfahren und den abschließenden Marathon entlang der Alster gebraucht, eine sehr schnelle Zeit auf einem sehr schnellen, weil flachen Kurs. Wegen zu hoher Konzentration giftiger Blaualgen in der Alster musste das Schwimmen über 3,8 Kilometer aus dem Programm genommen werden, was Aernouts wohl entgegenkam.

„Auch wenn ich noch nie 50 Kilometer an einem Tag gerannt bin, war es ein perfekter Sonntag für mich. Aber so etwas sagen Sieger ja immer“, meinte er – und konnte nach zehn Minuten schon wieder herzlich lachen.

Profitiert von der geänderten Aufgabenstellung hatte Frauensiegerin Sarah Crowley (35), weltweit eine der stärksten Läuferinnen unter den Triathletinnen. Auf den finalen 42,195 Kilometern lief sie der Konkurrenz weg, siegte in 8:08:21 Stunden, distanzierte Katharina Grohmann (31/Bautzen) um 5:09 Minuten, der wiederum der Trost blieb, deutsche Meisterin geworden zu sein. Bei den Männer holte Franz Löschke (29) als Gesamtfünfter den Titel bei seinem ersten Ironman.

Drama um Vorjahressiegerin Sämmler

Regen am Vortag, der den Staub von den Straßen spülte, Temperaturen um 28 Grad hatten den zweiten Ironman Hamburg nicht zur befürchteten Hitzeschlacht werden lassen. Die Zahl der Sanitätereinsätze blieb überschaubar, es kam zu keinen dramatischen Zwischenfällen, auch wenn vielen Ironmännern hinter der Ziellinie das Lachen schnell verging, sie zusammensackten und Hilfe bei den nächsten Schritten in Anspruch nehmen mussten.

Ein Ironman, eine der größten sportlichen Herausforderungen, erzählt viele Geschichten. Zum Beispiel die von Daniela Sämmler (29), der Vorjahressiegerin. Vor vier Wochen hatte sie im fränkischen Roth mit 8:43:42 Stunden einen neue deutsche Bestzeit aufgestellt, so kurz danach in Hamburg wieder an den Start zu gehen, zeugte von Selbstbewusstsein und Mut. Der wurde nicht belohnt.

Mit 2:15 Minuten Vorsprung war Sämmler vom Rad gestiegen, als ihre Leidenszeit begann, Magenkrämpfe sie plagten, sie sich mehr gehend als laufend fortbewegen konnte, der Sieg, mit dem sie sich für die WM auf Hawaii (13. Oktober) hätten qualifizieren können, zur Fata Morgana wurde. Aufgeben ist für Ironmänner bekanntlich keine Option, also schleppte sie sich ins Ziel – auf den letzten Metern bejubelt von den 2000 Zuschauern auf den Tribünen vor dem Rathaus. Insgesamt schauten über den Tag geschätzte 150.000 Menschen an der Strecke zu.

Hamburger humpelt den Marathon

Auch Tim Don hielt durch. Der 40 Jahre alte Brite, der sich vor neun Monaten auf Hawaii das Genick brach, wurde bei seinem ersten Ironman nach seinem schweren Unfall von seiner Frau und seinen zwei Kindern als Neunter in die Arme genommen. Die Medaille, die jeder Finischer erhält, drehte und wendete er so lange, bis er schließlich befand: „Sie ist nicht aus Gold. Aber nach den vergangenen Monaten glänzt sie für mich wie Gold.“ Don hatte auch Pech, als auf dem Radkurs ein Fahrer vor ihm eine Panne hatte, er anhalten musste und aus dem Rhythmus kam. „Aber ich habe auch noch nicht die Konstitution für ein Spitzenergebnis“, gab er zu.

Das galt auch für den Hamburger Michael Raelert (37), zweimaliger Weltmeister auf der Ironman-Halbdistanz 70.3. Beim Radfahren brach eine alte Wadenverletzung auf, „den Marathon bin ich nur gehumpelt“, klagte er, ehe er frustriert ins Massagezelt schlurfte. Auch sein Traum von Hawaii platzte.

EM 2020 in Hamburg?

Allons-Y!“, „Vamos!“, „Auf geht’s!“ Die Anfeuerungsrufe für die 2150 gestarteten Athleten aus 69 Ländern, darunter 200 Hamburger, waren international. „Das Publikum hatte mit seiner überragenden Unterstützung dafür gesorgt, dass es fast jeder ins Ziel geschafft hat“, sagte Damensiegern Crowley. Die Letzten trafen gegen 23 Uhr ein. Die beiden Sieger, das ist eine schöne Tradition des Ironman, warteten auf sie – wie dann immer noch fast 2000 Zuschauer. „You Are An Ironman!“ hieß es für jeden, der innerhalb von 16 Stunden ankam.

„Auch, wenn ich mich jetzt grad so fühle, als ob ein Lastwagen mich überfahren ist, bin ich überglücklich, das Rennen geschafft zu haben. Der Schmerz vergeht, aber der Stolz bleibt!“, sagte Jedermann-Teilnehmer Till (43).

„Ich habe größten Respekt vor den Leistungen der Athleten, die großartig auf die kurzfristige Änderung auf den Duathlon reagiert haben. Für uns als Team ist es eine Ehre, solch ein Rennen in einer solchen Stadt ausrichten zu dürfen“, sagte Björn Steinmetz, Managing Director der Ironman Germany GmbH. Der Termin für die dritte Auflage steht bereits fest: 28. Juli 2019. Ein Jahr später könnte dann erstmals eine Europameisterschaft in Hamburg ausgetragen werden.