FC Bayern

Hoeneß nimmt Kovac bei „Trauerfeier“ schon in die Pflicht

Aufsichtsratschef Uli Hoeneß will mit dem vorhandenen Personal noch erfolgreicher werden

Aufsichtsratschef Uli Hoeneß will mit dem vorhandenen Personal noch erfolgreicher werden

Foto: Alexander Hassenstein / Bongarts/Getty Images

Heynckes geht als Verlierer – und hinterlässt Nachfolger Kovac ein schweres Erbe. Hoeneß widerspricht derweil Rummenigge.

Berlin/München. Jupp Heynckes hätte sich die „Trauerfeier“ am Münchner Marienplatz gerne erspart. Doch bei „Wish you were here“ seiner Lieblingsband Pink Floyd wurde es dann doch noch ein versöhnlicher Renteneintritt. „Ich habe das, was ich hier vorfinde, nicht erwartet“, rief Heynckes den mehreren tausend Fans unter dem Rathausbalkon zu, „dass so viele hier sind, die uns feiern, das ist ja Wahnsinn!“ Wahnsinn mag zutreffen unter den gegebenen Umständen. Für das kommende Jahr freilich gilt: Der FC Bayern hat viel Luft nach oben. In jeder Hinsicht.

„Nächstes Jahr, das versprechen wir euch, stehen wir hier mit mehr als einem Titel“, rief Arjen Robben den treuen Anhängern zu. Dies zu garantieren hat dann jener Mann, der aus dem erhofften, in Wahrheit wohl erwarteten Double-Abschied für Heynckes eine lästige Pflichtfeier machte: Niko Kovac. Was vom neuen Trainer erwartet, gefordert wird, versteckte Präsident Uli Hoeneß bereits in einer Analyse der abgelaufenen Saison: Der FC Bayern müsse seine Mannschaft „dazu bringen, besser zu spielen“ als etwa beim 1:3 (0:1) im Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt.

Hoeneß widerspricht Rummenigge bei Transfers

Während Heynckes und die Spieler sich am Sonntag dann doch noch noch redlich mühten, aus der vermiesten Saisonabschlussfeier das Beste zu machen, nahm Hoeneß bereits Trainer und Mannschaft für die kommende Saison in die Pflicht: „Wir brauchen den einen oder anderen Spieler, der in den wichtigen Spielen Höchstleistungen bringt – und nicht, wenn wir gegen die schwachen Gegner spielen, daran müssen wir arbeiten.“

Für Hoeneß heißt das: keine Neuen kaufen, auch nicht für 100 Millionen, sondern die Vorhandenen dazu bringen, sich irgendwie neu zu erfinden. „Einen 100-Millionen-Transfer werden wir dieses Jahr sicher nicht machen“, sagte der mächtige Aufsichtsratschef.

Die Aussagen von Hoeneß stehen im Widerspruch zur Meinung des Vorstandschefs Karl-Heinz Rummenigge. Dieser hatte vor dem Pokalfinale in einem Interview erklärt, es gebe für den FC Bayern „kein Limit. Wenn wir einen Spieler haben wollen und der 80, 90 Millionen kostet, dann werden wir irgendwann springen müssen. Ob das dieses oder nächstes Jahr ist, weiß ich nicht.“

Müller: „Riesen-Riesen-Mist“

Heynckes gelang dies im Pokalfinale nicht mehr, stolz war er am Ende dennoch. „Wir haben über weite Strecken überragenden Fußball gespielt, den man auch im verwöhnten München lange nicht mehr gesehen hat“, sagte er unter „Juppjuppjupp“-Rufen. Hoeneß betonte voller Trotz: „Wenn man so klar deutscher Meister wird, wenn man um ein paar Zentimeter im Champions-League-Finale ist und im DFB-Pokal-Finale ist, dann lasse ich mir aus dieser überragenden Saison nichts Schlechtes machen.“

Und dennoch war es am Sonntag ein „bitterer Gang“ zu den Fans mit dem „Trostpreis“ Meisterschale, wie Thomas Müller nach der „Riesen-Riesen-Niederlage“ gegen Frankfurt sagte. Halbfinal-Aus in der Champions League, die unerwartete Cup-Pleite – für den Kapitän war das alles ein „Riesen-Riesen-Mist“, denn: „Es hätte was Großes werden können dieses Jahr, jetzt stehen wir da mit gefühlt leeren Händen, und jeder ist extrem unzufrieden.“ Das unglückliche Aus in der Königsklasse gegen Real Madrid habe „uns den Stecker gezogen“, sagte Müller.

Es verhinderte einen vollends grandiosen Abgang von Heynckes – der Triple-Sieger von 2013 zeigte dafür ein letztes Mal Größe. Groll etwa wegen des nicht gegebenen Elfmeters in der Nachspielzeit hegte er nicht. „Da sollten wir nicht mit unserer Kritik ansetzen“, sagte Heynckes, Frankfurt sei ein würdiger Sieger. Klar, der bittere Abschied mit seiner dritten Niederlage in einem Pokalfinale nach 1984 und 2012 „tut weh, aber das Leben geht weiter“. Ab sofort wieder in Schwalmtal.

Wagner hatte eine „scheiß Woche“

Die Bayern, versprach Heynckes, werden unter seinem Nachfolger „wieder angreifen“. Hoeneß betonte: „Wir werden mit diesem Kader in die neue Saison gehen und dann schauen, was Niko Kovac draus macht.“ Der neue Mann wird am Champions-League-Titel gemessen, orientieren soll er sich am alten Trainer. „Wir haben Niko ausgesucht, weil er wie Jupp das Familiäre und Menschliche hat“, sagte Hoeneß, „das ist wichtiger, als wenn uns einer erklären kann, was eine falsche Neun oder flache Raute ist.“

Ob es gut geht? Schlusswort Sandro Wagner, der den Fans nach einer „scheiß Woche“ mit WM-Aus, Rücktrittsknatsch, Finalniederlage und Ärger um seine weggeworfene Medaille zurief: „Was die anderen uns dieses Jahr weggenommen haben, holen wir uns nächstes Jahr wieder!“