Fanartikel

HSV gegen FC St. Pauli: Das Weihnachtsderby im Fanshop

An Weihnachten brummt das Geschäft mit Fanartikeln (Symbolbild)

An Weihnachten brummt das Geschäft mit Fanartikeln (Symbolbild)

Foto: Witters/HA

Hamburgs Proficlubs setzen im Feiertagsgeschäft Millionen um. Welche Produkte bei den Fans besonders gut ankommen.

Hamburg.  Wischi Waschi ist aus. Jedenfalls in den Fanshops des FC St. Pauli auf der Reeperbahn und im Millerntor-Stadion. Die gemeinsam mit der Drogeriekette Budnikowski herausgebrachte „vegane 3 in 1 Pflege für Haut, Haar und Körper“ ist einer der Bestseller im Festtagsgeschäft des Fußball-Zweitligisten. Das Duschgel wird bei Fans und Touristen unter zahlreichen Weihnachtsbäumen liegen, eine braun-rot-schwarze Tube, 2,50 Euro. Aber wie gesagt, beim FC St. Pauli nicht mehr zu haben.

Weihnachten, das ist natürlich für die beiden Hamburger Bundesligisten ein großes Thema. In der Jahreszeit, in der sich die Herzen und die Portemonnaies öffnen, klingeln eben nicht nur lieblich die Glocken, sondern eben auch die Kassen. „Zwischen Mitte November und Heiligabend erzielen wir ein Viertel des Gesamtumsatzes“, sagt Sascha Steinbrück, der Leiter Merchandising beim HSV. 8,8 Millionen Euro hat der Club im Geschäftsjahr 2016/17 mit diversen Artikeln umgesetzt, auf denen die Raute prangt oder der Vereinsname gedruckt ist. Kaum weniger Umsatz macht der eigentlich doch deutlich kleinere Zweitligist vom Millerntor, der mit Totenkopf und Anders-Image allerdings ein Marketinggigant ist: 8,71 Millionen Euro im Jahr.

Spezielle Christbaumkugel

Die schwarze Christbaumkugel mit aufgedrucktem Totenkopf ist natürlich schon speziell, man muss das mögen. Die blaue Kugel mit der HSV-Raute ist da sicherlich etwas feiertagskompatibler, wenngleich auch nicht jedermanns Sache. Schoko-Weihnachtsmänner dagegen gehen immer. Allerdings gilt für die schwarzen St.-Pauli-Santas das gleiche wie für Wischi Waschi: ausverkauft. Im HSV-Shop in der Innenstadt dagegen stehen noch diverse Schokomänner herum und erleben ähnlich wie einige der kickenden Profis einen Wertverfall bei der Ablösesumme. Statt 2,99 Euro kosten sie nur noch 50 Cent.

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Der HSV bietet die Weihnachtsartikel unter dem Motto „Vergnögde Wiehnachten“ an. Klickt man im Internet die entsprechende Seite an, dann empfängt einen André Hahn im sehr gefragten HSV-Weihnachtspullover (reduziert 20 Euro) und in HSV-Hüttenschuhen (14,95 Euro) mit HSV-Becher (9,95 Euro) in der Hand neben einem mit blauen und weißen Kugeln (vier Stück 12,95 Euro) geschmückten Tannenbaum in einer Stadionloge mit Blick in den Innenraum. Pakete in HSV-Geschenkpapier (3,95 Euro) liegen dort, eine Plüschfigur von Dino Hermann (24,95 Euro) grinst im Hintergrund. Ja gut, festlich stellt man sich anders vor, aber eine friedlich-entspannte Grundstimmung zu erzeugen, ist gerade nicht wirklich die Kernkompetenz dieses Vereins.

Der Laden brummt

Die Kollegen vom Kiez wollen das erst gar nicht. Julia Witte vom Fanshop 2 auf der Reeperbahn hat sich selbst den coolen Santa mit Sonnenbrille (9,95 Euro) und braunem T-Shirt (19,95 Euro) ins Fenster gestellt. Das ist schrill, wild, passt. Der Laden brummt. Neben Wischi Waschi gibt es auch die Christbaumkugeln (vier Stück 12,95 Euro) schon lange nicht mehr, auch das Schoko-Weihnachtsskelett (70 Cent) ist vergriffen. Bei den Sekt- und Weingläsern (sechs Stück 29,95 Euro) mit der Aufschrift „Kein Sekt/Wein den Faschisten“ wird es knapp, auch die gehören zu den gefragtesten Saisonartikeln.

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Insbesondere die Shirts aus einer Kollektion um die US-Band „Rise against“ gehen gut weg in diesem Weihnachtsjahr und waren auch am Donnerstagabend gefragt, als der Reeperbahnladen bei Livemusik Late Night Shopping bot. Party und auf alles 20 Prozent. „Wir wollen hier mehr als nur ein Geschäft sein“, sagt Julia, „St. Pauli hat auch mit Lebensgefühl zu tun.“

Wertige Lederhalsbänder

Golfbälle und ähnliches gibt es beim Kiezclub deshalb nicht im Angebot, das Image ist wohl zu unpassend. Wohl aber eine Plüschzecke (24,95 Euro), quasi das ungezogene Gegenstück zum süßen Hermann. Und der Beweis, dass die Realität auch bei St. Pauli die Satire manchmal einholt. Am 1. April 2016 scherzte der Verein noch mit der Einführung des Maskottchens „Zecki“. Jetzt ist es da, irgendwie.

Auf dem laut Werbung „geilstem Weihnachtsmarkt“ Santa Pauli auf dem nahen Spielbudenplatz betreibt der Club eine Verkaufsbude. Die volle Kollektion Schals und Caps und Shirts und Jacken hängt hier aus. Zwischen Flammlachs, Glühwein und dem verschämt-neugierigen Blick auf die Edelholzdildos gegenüber bleibt hier so manch ein Hamburg-Besucher hängen und kauft. Auch die sehr wertigen Lederhalsbänder samt Leine (59,95 Euro), die in dieser frivolen Umgebung diverse Ideen aufkommen lassen – aber natürlich nur für den Hund gedacht sind. „You’ll never walk alone“. Genial.

Dass Wischi Waschi jetzt tatsächlich nicht mehr zu erhalten ist, wird der echte St.-Pauli-Anhänger übrigens leicht verschmerzen. Wie heißt es in den Fangesängen im Stadion doch: „Wir waschen uns nie – St. Pauli!“

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