Neuer HSV-Präsident

HSV vor Richtungswahl: Das Duell Meier gegen Hoffmann

Bernd Hoffmann
(54) will gegen den
amtierenden HSV-Präsidenten
Jens
Meier (51, l.)
antreten

Bernd Hoffmann (54) will gegen den amtierenden HSV-Präsidenten Jens Meier (51, l.) antreten

Foto: Witters

Jens Meier und Bernd Hoffmann sind zwei Männer, die grundverschieden und gleichzeitig erstaunlich ähnlich sind. Ein Vergleich.

Hamburg. Als Jens Meier am Mittwochmorgen das Abendblatt in die Hand nahm, war der HSV-Präsident zunächst einmal baff. Titelseite, sein Foto rechts, Bernd Hoffmanns Foto links, dazwischen die Titelzeile: „Hoffmann gegen Meier – Kampf um den HSV“. Gerüchte über eine mögliche Kandidatur Hoffmanns als neuer Präsident habe es ja schon länger gegeben, aber von dessen Entscheidung wäre er dann doch überrascht worden, sagt Meier, der sich aber gelassen gibt. „Ich finde es immer gut, wenn sich Leute in unserem Verein ehrenamtlich engagieren wollen“, sagt der Hafenchef. „Eine demokratische Wahl ist doch immer gut.“

Die demokratische HSV-Wahl heißt also: Meier gegen Hoffmann. Der eine großer Anhänger des kleinen Sports, passionierter Tischtennisspieler, Spitzname Vereinsmeier. Der andere immer das große Ganze im Blick, Fußball-Maniac, Zahlenjongleur. Am 18. Februar stellen sich die beiden Macher den Mitgliedern zur Wahl. Es wird eine waschechte Richtungswahl, wie es sie beim HSV zuletzt 2014 im Zuge der Ausgliederung gegeben hat. Die beiden präsidialen Kandidaten sind so grundverschieden, dass sie sich in manchen Punkten schon wieder ähnlich sind.

Todt: „Das werden ja spannende Wochen“

„Das werden ja spannende Wochen“, sagt HSV-Sportchef Jens Todt, der über die beiden unterschiedlichen Kandidaten nicht allzu viel sagen möchte. Dabei gibt es interessanten Gesprächsstoff. Acht Jahre ist es her, dass Todt als Nachwuchschef des HSV hingeschmissen hatte, weil er und der damalige Vorstandschef Hoffmann nicht miteinander konnten. „Es gab keinen gemeinsamen Kurs“, hatte Todt seinerzeit gesagt. Und heute? „Das ist längst ausgeräumt und vergessen“, sagt Todt. „Ich habe mit Herrn Hoffmann und mit Herrn Meier ein gutes Verhältnis.“

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Ähnliches könnte auch Clubchef Heribert Bruchhagen sagen, dessen Vertrag am Mittwoch per Klausel um ein Jahr bis 2019 verlängert wurde. Macht Bruchhagen aber nicht. „Man lernt ja aus Fehlern“, sagt der Vorstandschef, der an die Wahl Ronny Wulffs zum HSV-Präsidenten vor knapp 25 Jahren erinnert. Seinerzeit hatte sich der damalige HSV-Manager öffentlich gegen Kandidat Wulff ausgesprochen – und wurde nach dessen Wahl als Tabellenvierter entlassen. „Sinngemäß habe ich gesagt, dass es ja nicht sein kann, dass Ronny Wulff als Fanclub-Vorsitzender von Bergedorf HSV-Präsident wird“, erinnert sich Bruchhagen schmunzelnd.

Hoffmann gilt als „echter HSVer“

Eine Wiederholung des damaligen Falls dürfte ausgeschlossen sein. Bernd Hoffmann ist zwar in Leverkusen geboren, gilt aber seit seiner Zeit als Clubchef (2003 bis 2011) als „echter HSVer“, wie sogar Konkurrent Meier einräumt. Der wiederum spielt beim TV Fischbek Tischtennis, ist aber seit 27 Jahren stolzer Dauerkartenbesitzer und hat seit 18 Jahren einen reservierten Tisch im VIP-Bereich des Volksparkstadions. Zwei echte HSVer also, die nun Präsident werden wollen. Also warum die ganze Aufregung, könnte man fragen.

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Die Antwort ist simpel: Meier und Hoffmann haben komplett unterschiedliche Ansätze, wie sie den HSV als neuer Präsident führen wollen würden. Der eine sieht sich vor allem als erster Interessenvertreter des e. V., der Breitensportler, der Beachvolleyballer, der Dart- und der Skat-Abteilung. Gerade einmal eine Woche ist es her, dass Meier auf einer Pressekonferenz verkünden konnte, dass sein e. V. das Geschäftsjahr 2016/17 mit einem operativen Gewinn in Höhe von 166.000 Euro abgeschlossen habe. Und die ausgegliederte Fußball-AG? 105 Millionen Euro Verbindlichkeiten, ein Minus von 13,4 Millionen Euro und im vergangenen Frühjahr noch gerade so eben an der Insolvenz vorbeigeschrammt. Hier sei er ja nur einer von sechs Aufsichtsräten, sagt Meier. Nicht mehr, nicht weniger.

Aufsichtsrat wird Anfang Februar gewählt

Genau an dieser Stelle kommt der andere ins Spiel: Offiziell würde es Hoffmann zwar nie zugeben, aber sein Herzblut hängt nicht an Cricket, Disc Golf und dem neuen Umkleidehaus in Ochsenzoll. Hoffmann will beim Fußball mitreden. Nicht beim Oberligateam von HSV III. Sondern bei den Bundesligakickern, die in seiner Ägide als Vorstandschef in Europa von Platz 83 auf Rang 18 kletterten. Ähnlich wie Uli Hoeneß in München würde Hoffmann als gewählter Präsident für sich auch den Posten als Aufsichtsratschef beanspruchen und damit die Möglichkeit, durch die Hintertür in die HSV Fußball AG einzutreten und aufzuräumen.

Beim HSV e. V. hat Meier, Schuhgröße 45, große Fußstapfen hinterlassen. Bei der HSV AG dürfte Hoffmann, Schuhgröße 44, die Argumente auf seiner Seite haben. Entscheidend dürfte sein, ob Hoffmann genügend unzufriedene Fans für die Mitgliederversammlung mobilisieren kann, denen die Vereinsmeierei egal ist, die sich aber eine Kurskorrektur bei den Profis wünschen. Die wahrscheinliche Formel: Je mehr Mitglieder am 18. Februar ab 11 Uhr in die sogenannte Kuppel in der Luruper Hauptstraße 30 kommen, desto größer sind Hoffmanns Comeback-Chancen.

Noch eine Hürde aus dem Weg schaffen

Bevor es aber zum Showdown kommt, muss Hoffmann noch eine echte Hürde aus dem Weg schaffen: Im mächtigen Beirat, der formell der Kandidatur Hoffmanns zustimmen muss, formiert sich bereits Widerstand. Mit dem Vorsitzenden Jan Wendt und dessen Stellvertreter Patrick Ehlers sollen zwei von fünf Mitgliedern gegen eine Kandidatur des polarisierenden Hoffmanns sein. Auch interessant: Die Hauptversammlung, auf der der neue AG-Aufsichtsrat verabschiedet werden soll, wurde nach Hoffmanns feststehender Kandidatur eilig auf Anfang Februar – und damit vor der Mitgliederversammlung – terminiert. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Dabei ist das Kuriose an der Richtungswahl zwischen Meier und Hoffmann, dass sich die beiden Rotarier bei allen Unterschieden überraschend stark ähneln. Hier der Familienvater vom Hafen, studiert an der Manager-Universität in St. Gallen, dessen neudeutsches Motto „Hope is not a strategy“ (Hoffnung ist keine Strategie) lautet. Dort der doppelte Zwillingsvater, studiert in Köln und Pennsylvania, der offen zugibt: „Geht mir etwas nicht zügig genug, kann es passieren, dass ich es selbst umsetze.“ Doch weil Geduld eine Tugend ist, müssen sich die beiden Ehrgeizlinge gleichermaßen zügeln. Bis zum 18. Fe­bruar, wenn es frei nach Highlander heißt: Es kann nur einen geben.

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