Kickboxen

Meryem Uslu: Die Frau, die keine Schmerzen spürt

Kickboxerin Meryem Uslu aus Jenfeld
kämpft am Sonnabend im Mehr!Theater

Kickboxerin Meryem Uslu aus Jenfeld kämpft am Sonnabend im Mehr!Theater

Foto: Roland Magunia / HA

Die Hamburgerin Meryem Uslu ist eine der weltbesten Kickboxerinnen – Sonnabend kämpft sie im Mehr! Theater.

Trittau.  Man muss Lutz Burmester verstehen, dass er jedes Mal seinen Kopf ruckartig zurückzieht, wenn er den Fuß heranschnellen sieht. Auch wenn eine lederbezogene Schaumstoffpratze sein Gesicht schützt, ist die Intensität der Tritte, die er mit der Hand blockt, beim Aufeinanderprallen von Haut und Leder an einem satten Klatschen abzuhören. „Ich will die Dinger echt nicht abkriegen“, sagt Burmester, ehe er sich für eine neue Trittserie bereitmacht.

An diesem Sonnabend (20 Uhr) hat Laura Torre (26) keine schützende Pratze zur Verfügung, wenn sie sich auf der Kickboxgala „Get in the Ring“ im Mehr! Theater am Großmarkt Füßen und Fäusten derjenigen entgegenstellt, die im Training im X’ite-Gym in Trittau ihren Trainer Burmester ins Schwitzen gebracht hat. Meryem Uslu ist die deutsche Nummer eins in der Gewichtsklasse bis 55 Kilogramm, und die 30-Jährige will in ihrer Heimatstadt alles dafür tun, gegen ihre Landsfrau vom Bodensee ihren Status zu wahren. Allerdings muss sie dafür wieder einmal ihre Nerven in den Griff bekommen, die vor Heimkämpfen regelmäßig verrückt spielen. „Wenn ich in Hamburg kämpfe, bin ich total aufgeregt, weil ich besonders glänzen will“, sagt sie. In der Kabine wird dann geheult und geschimpft, der Trainer hat keine Chance, die Sportlerin zu beruhigen.

Mit Kampfsport fing sie als Zehnjährige an

Auswärts dagegen, da schläft Meryem Uslu bis kurz vor dem Kampf, während der Coach ihr die Bandagen wickelt. Vielleicht lässt sie sich deshalb auch so gern für Kämpfe in aller Welt buchen. Rund 80-mal stand die Tochter türkischer Eltern, die in Jenfeld lebt, zu Wettkämpfen im Ring, seit sie 2005 vom Karate zum Vollkontaktkampf wechselte, 64 davon hat sie gewonnen. Sie hat in Las Vegas gekämpft und in China, sie hat in Sydney einen WM-Titel geholt, und in Thailand, im Mutterland des Thaiboxens, das sie ebenfalls liebt, ihre einzige K.-o.-Niederlage erlitten. Da war sie als eine der 16 besten Frauen der Welt in ihrer Gewichtsklasse Teilnehmerin einer Reality-TV-Serie.

Mit Kampfsport fing sie als Zehnjährige an, weil der Vater als begeisterter Kung-Fu-Fan seinen vier Kindern erklärte, Selbstbewusstsein und Durchsetzungsstärke am besten im Ring lernen zu können. Uslu hat sich eine große Fan­gemeinde besonders in der Türkei und unter türkischstämmigen Deutschen erarbeitet: „Über die sozialen Netzwerke erfahre ich große Unterstützung.“

„100 Kämpfe will ich machen“

Dabei ist es die Härte zu sich selbst, mit der sie ihre Fans begeistert. Dass Frauen enorme Schmerzen aushalten können, weiß jeder, der eine natürliche Geburt miterleben durfte. Burmester ist dennoch stets überrascht, wie schmerzresistent seine Kämpferin ist. „Sie trainiert jeden Tag zweimal, und immer mit einem Lächeln im Gesicht.“, sagt er. Meryem Uslu sagt, dass sie auch schwere Treffer nicht spüre. „Ich habe es immer schon geliebt, mich abzuhärten. Wir türkischen Kinder raufen einfach gern.“

Die Beharrlichkeit, sich für einen Sport aufzuopfern, der ihr bis auf kleine Siegprämien keine monetäre Belohnung einbringt, will Meryem Uslu, die an kampffreien Wochenenden 20 Stunden als Verkäuferin in einer Bäckerei jobbt, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, noch zwei bis drei Jahre aufbringen. „100 Kämpfe will ich machen“, sagt sie. Anschließend will sie als Trainerin arbeiten und Kampfsportseminare anbieten, was sie auch jetzt schon punktuell tut.