Harburg
Kampfsport

Kickboxer kämpfen bis zur Erschöpfung

Dima Weimer aus Wilhelmsburg und Sascha Alexander aus Harburg begeistern ihre Fans bei der Hamburger Fight Night in der CU-Arena. Beide Lokalmatadoren gewinnen ihre Kämpfe.

Neugraben. Unten, auf den Prominentenplätzen rund um den Ring, im Zentrum der CU-Arena, saß die Prominenz, die inzwischen zu so einem Box- und Kickbox-Event gehört. Ganz oben, auf dem Zugang zu den Sitzreihen, schiebt ein Mann einen Kinderwagen hin und her. Und das immer wieder, über Stunden. Es war kurz vor Mitternacht, als der Mann, den Kinderwagen neben sich, endlich in der obersten Reihe Platz nahm und heftig applaudierte.

„Unser Lokalmatador, der mehrfacher Kick-Box-Weltmeister Dima Weimer gegen seinen Herausforderer Marco Henschke aus Mannheim“, ertönte die Stimme des Moderator aus den Lautsprechern. Es war nach sechs Stunden Box- und Kickbox-Kämpfen der Abschluss eines langen Abends. Viele der 1500 Besucher in der CU-Arena Neugraben hatten da längst den Heimweg angetreten. Ausgeharrt hatten vor allem die Freunde und Bekannten von Dima Weimer und eine starke Abordnung seiner großen Familie. Auch der fürsorgliche Vater mit dem Kinderwagen gehörte dazu. Die 300 Zuschauer aber sorgten noch einmal für Kampfstimmung um Mitternacht. Und Dimitri Weimer, der als Polizeibeamter in Wilhelmsburg im Einsatz ist, und sein Gegner aus Mannheim sorgten für einen mitreißenden und begeisternden Abschluss dieser sich so unendlich hinziehenden Sportveranstaltung. Ihr Kampf mit Fäusten und Füßen und auch mit den Knien (die K1-Disziplin ist die verschärfte Form beim Kickboxen) in der Gewichtsklasse bis 72,6 Kilogramm brachte die Arena zum Toben.

Die ersten Aktionen, harte Tritte gegen die Oberschenkel des Gegners. Der Mann mit dem tätowierten Stern über den ganzen Rücken erwischt das Bein mit der Faust. Dima liegt das erste Mal auf dem Boden. Zu Beginn der zweiten Runde wird Dima sogar angezählt. Das wirkt. Kein Abtasten mehr, kein vorsichtiges Taktieren. Nur noch Angriff und Power. Die Dima-Dima-Rufe übertönen alles andere in der Halle. Es ist die Schnelligkeit, die Härte, das Belauern, die blitzschnellen Attacken mit Fäusten, Knien und Füßen fast pausenlos, die auch den mitreißen, der von den speziellen Techniken dieses Sports wenig versteht. Und jeder spürt und sieht, wie diese Männer im Ring alles geben – bis zur Erschöpfung. Und dann, nach drei mal drei Minuten wird das Unentschieden bekannt gegeben. Dima Weimer und Marco Henschke, die sich scheinbar kaum noch auf den Beinen halten können, nicken kurz, heben die Fäuste und treten zur Entscheidung in Runde vier an. Es ist unglaublich, was beide noch einmal aus ihren brennenden Lungen und übersäuerten Muskeln herauspressen. Es gibt Sekunden, da ist es still auf den Rängen und man hört nur das Keuchen der Kämpfer und das Klatschen der Treffer. Am Ende, die knappste Entscheidung mit 2:1-Richterstimmen für Dima Weimer.

Es war noch ein weiterer Kämpfer aus Harburg im Ring, der bei dieser gemeinsamen Box- und Kickboxveranstaltung die Zuschauer von den Sitzen gerissen hatte. Sascha Alexander, 20-jähriger Schüler und Amateur-Weltmeister in der Gewichtsklasse bis 79,4 Kilo, setzte sich mit Ali Schams, einem Kämpfer aus Barmbeck, auseinander. Jeder der beiden hat seine Fans in der Halle. Sascha-Sascha-Rufe ertönen, als der Harburger mit einem Kniestoß für Sekunden seinen Gegner erschüttert. Und Ali-Ali kommt es zurück, als die Faust des Barmbeker Kickboxers den Jungen aus Eißendorf trifft. Am Ende wird es ein eindeutiger Sieg für Sascha Alexander, der erst seinen Schulabschluss und danach als Kickboxer seinen Weg als Profi machen will.

Das Finale des Turnieres mit vier Kämpfen um den WM-Titel konnte nicht ausgetragen werden. Der Berliner Max Baumert hatte sich verletzt. Der Grieche Levan Guruli bekam kampflos den WM-Gürtel und die 4000 Euro Siegprämie. Im Hauptkampf der Hamburger Fight Night in Neugraben besiegte der Hamburger Halbschwergewichtler Ismail Özen den Serben Haris Calakovic, für den in Runde fünf das Handtuch in den Ring geworfen wurde.

Für Dima Weimer, den eigentlichen Star des Kampfabends, hatte der Sieg das übliche Nachspiel. Der Mann mit den fünf WM-Titeln, der auf dem Lessing-Gymnasium sein Abitur machte, erklärt, dass er ein paar Tage brauche, ehe er sich erholt habe. Als Kickboxer hat Dimitri Weimer im Frühjahr vor 10.000 Zuschauern in China gekämpft. Als Polizeibeamter ist er inzwischen in Wilhelmsburg im Einsatz. „Viele der Jungen dort kennen mich“, erzählt der Profikämpfer, der im September seine Ekaterina geheiratet hat. „In der Kickbox-Szene habe ich einen Name. In Uniform musste ich noch nie meine Fäuste einsetzen.“ Heiligabend wird die Familie mit 15 Personen zusammen feiern. Wenn die Schwiegermutter ihr Saziwi, das Spezialgericht mit zerhackten Wallnüssen und Hühnerfleisch serviert, sind die vier harten Runden in der CU-Arena endgültig vergessen.