Hockey

So fördert der Club an der Alster seine Hockeytalente

Jugendkoordinator Berti Rauth mit
Eva Grigoleit (l., Vorstand Club an der
Alster) und Anne Schröder

Jugendkoordinator Berti Rauth mit Eva Grigoleit (l., Vorstand Club an der Alster) und Anne Schröder

Foto: Klaus Bodig / HA

Der Traditionsclub will sein Image ablegen und in Hamburg zum Marktführer bei der Ausbildung von Jugendlichen aufsteigen.

Hamburg.  Kreativen Wahnsinn zuzulassen, das sei letztlich das, worum es ihm gehe, sagt Berti Rauth. Es braucht nur ein kurzes Gespräch mit dem Jugendkoordinator und Techniktrainer des Clubs an der Alster, um zu verstehen, dass seine Kreativität nicht bei der wilden, silbergrauen Lockenpracht auf seinem Kopf haltmacht. Der 58-Jährige lebt Hockey mit jeder Faser seines Körpers, und weil er Albert Einsteins Credo, dass Wissen begrenzt sei, die Fantasie jedoch unendlich, als Leitmotiv seines Schaffens betrachtet, ist er für seinen Arbeitgeber die Schlüsselfigur in der ehrgeizigen Ausrichtung, in Hamburg Marktführer in der Ausbildung von jugendlichen Hockeytalenten zu sein.

Das überrascht, weil das Image des 1919 gegründeten Traditionsclubs von der Hallerstraße ein anderes ist. Als klassischer Ausbildungsverein gilt der Uhlenhorster HC, der immer wieder reihenweise Nachwuchsspieler in die Bundesligateams durchbringt. Alster, das war lange Zeit der Verein, der sich dank seines mondänen Rufs und der monetären Potenz seiner Mitglieder mit Topspielern aus dem In- und Ausland verstärkte, Talente jedoch vernachlässigte.

Rückschläge vor zwei Jahren

Das stimmt zwar nicht wirklich, was ein Blick auf die Erfolge im Jugendhockey beweist. Dennoch gibt es Rückschläge wie vor zwei Jahren, als die Bundesligaherren mit einem halben Dutzend zusammengekaufter Topspieler verstärkt wurden, die aber als Mannschaft nie funktionierten. Und alle dachten wieder: typisch Alster.

Um dieses Image abzustreifen, das wie Kaugummi an einer Schuhsohle am Club haftet, war vor neun Jahren Rauth verpflichtet worden. Der ehemalige Damen-Bundestrainer hatte bei seinem Stammverein Rüsselsheimer RK als Trainer 33 Titel errungen, vor allem aber galt – und gilt – er als Visionär, der Dinge sieht, von deren Existenz andere nicht einmal wissen. „Wer einmal ein Hockeyspiel an der Seite von Berti erlebt hat, der bekommt einen ganz anderen Einblick in den Sport“, sagt Eva Grigoleit (50), seit Oktober Vorstand Jugendhockey beim Club an der Alster, der 500 jugendliche Hockeyspieler hat.

Einheitliche Struktur in der Ausbildung

Berti Rauths vorrangiges Ziel war es, eine einheitliche Struktur in der Ausbildung aufzubauen, die sich wie ein roter Faden durch alle Phasen des Aufwachsens der Athleten zieht. „Die Grundlagen legt man im Alter von acht bis zehn Jahren. Dabei geht es nicht um Spezialisierung, sondern um technische Fertigkeiten“, sagt er. Genau diese Basisübungen bietet Rauth als Techniktrainer auf allen Ebenen des Vereins an: „Ich bin bei den Bundesligateams genauso dabei wie bei den dritten und vierten C-Mädchen-Teams, um den Kontakt zur Basis nicht zu verlieren.“

Welchen Effekt seine Arbeit hat, kann Anne Schröder besonders gut beurteilen. Die 22 Jahre alte Nationalspielerin, die seit 2013 für Alster spielt, war acht Jahre alt, als sie in Rüsselsheim erstmals bei Rauth trainierte. „Ich habe damals oftmals damit gehadert, dass ich ständig verschiedene Technikreihen mit Vorhand- und Rückhandzieher wiederholen musste. Aber irgendwann konnte ich das im Schlaf, und heute weiß ich, wie sehr mir das geholfen hat.“ Das, was manche ihrer Nationalteamkolleginnen im Teenageralter mühsam nachholen mussten, hatte sie längst verinnerlicht.

Einfluss von Berti Rauth deutlich zu erkennen

Der Einfluss von Berti Rauth sei im Verein seit einigen Jahren deutlich zu erkennen. „Eins haben alle Talente, die aus der eigenen Jugend in die Bundes­ligakader aufrücken, gemeinsam: eine starke Technik“, sagt Schröder. Eva Grigoleit führt das auch darauf zurück, dass alle Trainer die Philosophie teilen und gemeinsam daran arbeiten, sie stets zu verbessern. „Es ist eine echte Gemeinschaft entstanden, in der keiner für sich arbeitet, sondern alle für die Sache“, sagt sie. Acht hauptamtliche und 16 ehrenamtliche Übungsleiter, darunter diverse Bundesligaspielerinnen und -spieler, beschäftigt der Club derzeit.

Grigoleit legt Wert darauf zu betonen, dass Alster sich längst nicht mehr nur auf die Elite fixiert. „Wir wollen auch denen, die eher zum Spaß Hockey spielen wollen, eine Heimat bieten“, sagt sie, „es geht darum, die Jugendlichen ganzheitlich zu versorgen und sie individuell zu fördern.“ Deshalb gebe es Athletiktraining nicht nur für die Leistungsteams, und auch eine Betreuung durch Physiotherapeuten sei gewährleistet. „Wer Talente richtig fördern will, der muss auch dafür sorgen, dass körperliche Dysbalancen ausgemerzt werden“, sagt Berti Rauth. Seine Expertise will der Club an der Alster nicht für sich allein horten. Er lädt Trainer aus anderen Clubs zu Fortbildungen ein.