Bundesliga

Revolution steht bevor: Wird der FC Bayern aufgelöst?

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Jurist stellt entsprechenden Antrag. Seine Erfolgsaussichten werden hoch eingeschätzt. Auch der HSV bangt vor der Entscheidung.

München. Was wie Satire klingt, ist tatsächlich bitterer Ernst: Lars Leuschner, Professor für Recht an der Universität Osnabrück, will vor Gericht durchsetzen, dass der FC Bayern München wegen einer „Rechtsformverfehlung“ aus dem Vereinsregister gelöscht wird. Der Jurist hat beim Amtsgericht München einen entsprechenden Antrag gestellt, berichtet die „Zeit“.

Experten räumen Leuschner durchaus gute Chancen ein. Der Fachmann für Vereinsrecht beruft sich nach Informationen der Wochenzeitung auf Paragraf 21 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Demnach muss ein Verein stets einen ideellen Zweck verfolgen und darf Umsätze nicht als Haupttätigkeit erwirtschaften.

Im Geschäftsjahr 2015 setzte die ausgegliederte Aktiengesellschaft des FC Bayern, an der der eingetragene Verein einen Anteil von 75,01 Prozent hält, fast eine halbe Milliarde Euro um. Dieser Umsatz geht zweifellos über die gesetzlich erlaubte Nebentätigkeit hinaus. Leuschner beklagt die enge Verbundenheit der AG mit dem e.V. und will mit seinem Antrag Klarheit schaffen.

Wird der FC Bayern zum Präzedenzfall?

1982 entschied der Bundesgerichtshof, dass Muttergesellschaft und Tochtergesellschaft jeweils eigenständig sind. Das habe der FC Bayern bei seiner Ausgliederung beachtet, teilte der Club mit, der bis 20. September eine ausführliche Stellungnahme beim Amtsgericht angekündigt hat.

Sollte Leuschner mit seinem Antrag Erfolg haben, könnte die Angelegenheit zum Präzedenzfall werden. Und darauf setzt auch der Professor, der im übrigen Bayern-Fan sein soll. Zahlreiche Bundesliga-Topclubs wären davon betroffen. Vereine wie der FC Schalke 04 und der 1. FSV Mainz 05 haben beispielsweise nicht mal mehr ihre Aktiengesellschaft ausgegliedert. Auch der HSV müsste sich dann umstrukturieren, denn die Hanseaten nahmen bei der Ausgliederungen im Jahr 2014 das Modell der Bayern als Vorbild.

Jurist sieht Parallelel zum ADAC-Fall

Hoffnung macht dem Juristen die 2014 veranlasste Strukturreform des ADAC, nachdem bekannt wurde, dass der Automobilclub seine Preisverleihungen manipuliert hatte. Der Gelbe Engel hatte viel zu hohe Umsätze getätigt, um noch dem ideellen Zweck zu entsprechen. Leuschner sieht darin einige Parallelen zum FC Bayern.

Sicher ist allerdings: egal, ob der FC Bayern aus dem Vereinsregister gelöscht wird oder nicht, die Münchner werden den Spielbetrieb nicht einstellen müssen. Allerdings wird der Rekordmeister wohl seine Vereinsstruktur überarbeiten müssen.

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( wal )