Hamburger Schwimmer

Dopingverdächtiger Russe schnappt Deibler Weltrekord weg

Im Dezember 2014 war Markus Deibler nach seinem Weltrekord in Hamburg begeistert empfangen worden

Im Dezember 2014 war Markus Deibler nach seinem Weltrekord in Hamburg begeistert empfangen worden

Foto: Witters

2014 hatte Markus Deibler eine Bestmarke über 100 m Lagen aufgestellt. Jetzt schwamm Olympiastarter Wladimir Moscow schneller.

Paris/Hamburg. Der russische Schwimmer und Olympiateilnehmer Wladimir Morosow hat am Freitag beim Weltcup in Chartres bei Paris den Kurzbahn-Weltrekord über 100 m Lagen gebrochen. Der vor Olympia unter Dopingverdacht geratene Athlet bewältigte die Strecke in 50,60 Sekunden und war somit sechs Hundertstel schneller als der Hamburger Markus Deibler bei dessen Bestmarke im Jahre 2014.

Der Weltverband FINA hatte Morosow und andere russische Schwimmer vor den Sommerspielen gesperrt, da sie im McLaren-Report der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zum Staatsdoping in Russland namentlich erwähnt wurden. Morosow hatte jedoch wie mehrere weitere russische Olympia-Kandidaten vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS erfolgreich gegen ihre Ausschlüsse von den Wettkämpfen in Rio de Janeiro geklagt.

Deibler hinterfragt Doping-Kontrollen

Deibler hatte 2014 mit Weltrekord-Zeit den WM-Titel geholt und kurz darauf mit seinem Rücktritt vom Leistungsschwimmen überrascht. In seiner zweiten Karriere hat der 26 Jahre alte gebürtige Schwabe in Hamburg zwei Eisdielen eröffnet. Zuletzt hatte sich der jüngere Bruder von Olympiateilnehmer Steffen Deibler im Rahmen der Spiele von Rio kritisch über die Bedingungen für deutsche Spitzensportler geäußert.

Deutschland habe "eine schlechte Förderung und sehr gute Dopingkontrollen. Damit können wir nicht mit Ländern konkurrieren, die sehr viel fördern und beim Thema Doping nicht so genau hinsehen oder es sogar betreiben", schrieb Deibler bei Facebook, betonte dabei aber auch: "Ich sage nicht, dass hier die Kontrollen eingestellt werden sollen."

Zwei deutsche Sieger, Koch verzichtet

Beim Weltcup in Chartres sorgte neben Morosow nun außerdem die Jamaikanerin Alia Atkinson für Aufsehen. Sie stellte in 1:02,36 Minuten den Kurzbahn-Rekord der Litauerin Ruta Meilutyte über 100 m Brust aus dem Jahr 2013 ein.

Die bei Olympia medaillenlosen deutschen Schwimmer feierten am Freitag zwei Siege: Franziska Hentke (Magdeburg) siegte über 800 Meter Freistil, Philip Heintz (Heidelberg) war über 400 Meter Lagen nicht zu schlagen. Weltmeister Marco Koch (Darmstadt) trat nach Rang zwei in seinem Vorlauf über seine Paradestrecke 200 m Brust nicht mehr zum Endlauf an, auch über 400 m Lagen verzichtete der 26-Jährige.