Hamburger Amateurfussball

Rassismus? Spieler und Schiri streiten vor Gericht weiter

HFV bestraft Wortführer des Bezirksligisten MSV, der sein Team nach Vorwürfen gegen den Unparteiischen vorzeitig vom Platz zitierte.

Hamburg. Das Sportgericht des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) hat nach knapp zweistündiger Verhandlung sein Urteil zum Abbruch des Bezirksligaspiels zwischen dem MSV Hamburg und dem TSV Glinde gesprochen. MSV-Spieler Björn Feuerlein wird wegen Bedrohung des Schiedsrichters Tobias Tewes (Germania Schnelsen) und wegen schuldhaft verursachtem Spielabbruch für acht Wochen gesperrt. Zudem muss der MSV Hamburg 200 Euro wegen mangelndem Ordnungsdienst zahlen. Das Spiel wird mit 3:0 für Glinde gewertet.

In der Partie des zweiten Spieltags am 5. August an der Kandinskyallee hatte Feuerlein ebenso wie sein Mitspieler Burhan Sahin kurz vor dem Wiederanpfiff für Glinde beim Stand von 3:0 für die Gäste die Rote Karte gesehen. Feuerlein hatte dem Unparteiischen Tewes eine rassistische Äußerung gegenüber MSV-Spieler Amado Nana vorgeworfen – und daraufhin seine Mannschaft animiert, den Platz zu verlassen. Einige Spieler folgten, Tewes beendete die Partie.

"Ich habe den Spieler nicht nachgeäfft"

In der Verhandlung wiederholte Feuerlein den Vorwurf. Tewes habe auf die schlechte Aussprache des aus Burkina Faso stammenden Nana dessen französischen Akzent nachgeahmt. Nana habe in schlechtem Deutsch bezüglich des Elfmeters zum 3:0 für Glinde gefragt, was da los war. Tewes habe dessen Sprachbild mit den Worten „Ein Foul war das“ imitiert. Tewes` Version der Geschehnisse war eine völlig andere. „Ich habe den Spieler nicht nachgeäfft“, sagte der Schiedsrichter. Ferner gab er in seinem Spielbericht an, von Feuerlein durch dessen Aufbauen vor ihm bedroht und beleidigt worden zu sein. Unter anderem seien die Worte „Du dreckiges Nazischwein. Du bist ein Rassist.“ gefallen. Dies wiederum bestritt Feuerlein. Er habe sich vor dem Schiedsrichter aufgebaut, ihn aber nicht persönlich beleidigt. Bei beiden Versionen stand Aussage gegen Aussage. Keine konnte bewiesen werden.

MSV-Trainer zeigt Video nicht

Die besonders MSV-Trainer Ulf Dassow wichtige Frage, ob der Spielabbruch zu früh erfolgte, konnte nicht per Video geklärt werden. Dassow wies in der Verhandlung darauf hin, er habe das Video dabei. Er stellte allerdings keinen Antrag, es zu zeigen. Das Sportgericht vertrat grundsätzlich die Ansicht, es käme für die Rechtmäßigkeit des Spielabbruchs nicht darauf an, ob alle Spieler bereits den Platz verlassen hatten, als der Abpfiff erfolgte. Der zum Ausdruck gebrachte Wille sei entscheidend gewesen. So fällte das HFV-Sportgericht letztlich ein unspektakuläres Urteil, welches der schwer entwirrbaren juristischen Lage „Aussage gegen Aussage“ Rechnung trug.

MSV will Urteil überprüfen lassen

Der MSV Hamburg war dennoch unzufrieden. Vor allem der im Spielbericht von Tewes falsch benannte Spieler (Tewes hatte einen Dialog mit Emmanuel Asante und nicht mit Amado Nana als Auslöser angegeben) sorgte für die Kritik von Björn Feuerlein: „Der erste Satz im Spielbericht des Schiedsrichters war schon falsch. Dann muss der ganze Bericht kritischer betrachtet werden. Ich finde, das Urteil ist ein Unding.“ Einen Bestrafungsantrag gegen den Schiedsrichter Tobias Tewes hatte der MSV im Vorfeld nicht gestellt. So wurde auch nicht gegen ihn verhandelt. Ob der Verein nun in Revision gehen will, ist noch offen. „Wir finden acht Wochen Strafe für Björn Feuerlein hart und werden das prüfen“, sagte MSV-Trainer Ulf Dassow.