Premier League

Zu salopp? Klopp verärgert Schweizer auf Liverpool-PK

| Lesedauer: 14 Minuten

Der neue Trainer des FC Liverpool überzeugt bei seiner Vorstellung mit englischem Sprachwitz. Doch nicht alle können über Klopp lachen.

Liverpool. Vorhang auf zur großen „Jürgen-Klopp-Show“ an der Anfield Road: Am Freitag um elf Uhr begann beim traditionsreichen FC Liverpool die Ära mit dem früheren Dortmunder Meistertrainer. Zunächst kündigten die Reds nur eine „große Club-Mitteilung“ an, am späten Abend folgte dann die offizielle Bestätigung. Der 18-malige englische Meister hat sich mit dem 48-Jährigen auf einen Drei-Jahres-Vertrag geeinigt, der ihm geschätzte zehn Millionen Euro pro Jahr einbringen soll. Via Twitter verbreitete Liverpool das erste Foto der Vertragsunterzeichnung.

Klopp verpasst sich seinen neuen Spitznamen gleich selbst

Klopp tritt die Nachfolge des beurlaubten Brendan Rodgers an und soll den ins Mittelmaß abgestürzten Club zurück in die Spitzengruppe der Premier League führen. Am Donnerstag sind demnach letzte Details der Zusammenarbeit geklärt worden. Klopp war nicht nur Wunschtrainer der euphorischen Liverpool-Fans, sondern auch der amerikanischen Vereinsbesitzer (Fenway Sports Group), die sich einen ähnlichen Impuls erhoffen wie einst bei Klopps Dienstantritt in Dortmund.

Klopp will Liverpools Talente fördern

Der zweite Deutsche auf dem Trainerposten in der Premier League nach Felix Magath (stieg mit dem FC Fulham ab) soll das schaffen, woran Rodgers scheiterte: Talente fördern, anstatt gestandene Profis für viel Geld zu holen. Nach 18 Neuzugängen an der Anfield Road in den vergangenen zwölf Monaten, darunter auch der ehemalige Hoffenheimer Roberto Firmino (kam im Sommer für 41 Millionen Euro), will Klopp offensichtlich nur noch etwas nachjustieren. Nur wenige Schritte in der nächsten Transferperiode seien notwendig, soll er den amerikanischen Besitzern versichert haben.

Abendblatt.de hält Sie über Klopp in Liverpool auf dem Laufenden:

Klopp-Fanshirt "The Normal One" erhältlich

21.23 Uhr: Ob Jürgen Klopp mit dieser Aussage gewusst hat, was für einen Hype er damit auslösen wird? Bei seiner offiziellen Vorstellung beschrieb sich der Fußball-Lehrmeister als "The Normal One" in Anlehnung an José Mourinhos eigenwillige Selbstbezeichnung "The Special One". Nur wenige Stunden danach war im Online-Shop des FC Liverpool ein neues Fanshirt zu finden. Darauf zu sehen ist ein Basecap, darunter Klopps Brille gefolgt von einer riesigen Aufschrift "THE NORMAL ONE" (siehe Grafik zum Großklicken). Es ist für 15 Pfund erhältlich.

Ex-Liverpool-Stars huldigen Klopp

20.53 Uhr: Ganz Liverpool steht Kopf, seit die Verpflichtung von Jürgen Klopp bekanntgegeben wurde. Auch frühere Stars der Reds können das erste Spiel unter "The Normal One" kaum erwarten. „Ich habe niemals eine bessere Pressekonferenz eines neuen Trainers gesehen! Die Energie, wie er redet, alles! Gebt diesem Kerl Zeit! Was für ein Mann!“, twitterte der frühere LFC-Linksverteidiger John Arne Riise. Liverpools ehemaliger Spitzenverteidiger Jamie Carragher schloss sich dem nur an. "Ich habe die Pressekonferenz mit Klopp genossen. Er scheint so zu sein wie Didi Hamann!"

Klopps Schweiz-Witz sorgt für Wirbel

15.50 Uhr: Jürgen Klopp hat womöglich einige seiner Schweizer Fans verärgert. „Klopp verspottet uns in Liverpool“, berichtet die Boulevardzeitung „Blick“ online. Sie stößt sich an einer als Witz gemeinten Bemerkung bei Klopps Pressekonferenz: „Ich bin zuversichtlich, in den nächsten vier Jahren hier einen Titel zu holen. Wenn nicht, wird mein nächster Job vielleicht.... in der Schweiz sein.“ Die Reporter in Liverpool lachten darüber. Der „Blick“ bezeichnete die Bemerkung allerdings als „Tiefschlag gegen die Schweiz“.

Hitzfeld ist von Klopp "absolut begeistert"

13.36 Uhr: Für Ottmar Hitzfeld kommt Klopps Gang auf die Insel zum richtigen Zeitpunkt. „Ich bin absolut begeistert, dass Jürgen Klopp diese große Herausforderung annimmt. Er übernimmt Liverpool zu einem Zeitpunkt, in dem die Mannschaft nicht gut da steht, die Saison aber noch offen ist und man einiges gewinnen kann“, sagte Hitzfeld bei Sky Sport News HD. „Es wird für ihn sicher ein Langzeitprojekt. Von daher kann er einiges aufbauen und sehr viel gewinnen. Mit seiner emotionalen Art und Begeisterungsfähigkeit passt er zu 100 Prozent zu Liverpool.“

Hitzfeld rechnet fest damit, „dass Jürgen Klopp die Mannschaft voranbringen wird“. „Er wird sicher ein Mitspracherecht bei den Transfers bekommen. Man weiß ja, dass in der Premier League sehr viel Geld fließen wird - nicht nur in diesem Jahr, sondern vor allen Dingen ab nächstem Jahr. Von daher wird er die Mannschaft auch verstärken.“

Allerhand verrückte Klopp-Wettangebote

12.40 Uhr: Die Sportwettenanbieter stehen wegen Klopp kopf. Was trägt "Kloppo" bei der ersten Pressekonferenz? Wie feiert Jürgen Klopp das erste Tor von Liverpool nach seiner Amtsübernahme? Dies sind nur zwei von zahlreichen Wetten, die bwin am ersten Arbeitstag von Klopp bei den "Reds" anbietet.

Gewinnt Klopp in seiner ersten Saison an der Anfield Road einen oder mehrere Titel, zahlt bwin das 5,00-Fache des Einsatzes aus. Bleibt er mit dem FC in dieser Saison unbesiegt, gibt es das 21,00-Fache zurück. Wirft er mit dem aktuellen Tabellenzehnten der Premier League seinen Ex-Verein Borussia Dortmund aus der Europa League, dürfen sich Wettfans über die Quote 15,00 freuen. Auch pikant: Mit Quote 4,00 hält bwin es für nicht unwahrscheinlich, dass Klopp während der Transferperiode im Januar einen Spieler des BVB unter Vertrag nimmt.

Liverpool und BVB nähern sich via Twitter an

12.29 Uhr: Borussia Dortmund hat Jürgen Klopp via Twitter alles Gute beim FC Liverpool gewünscht. „All the best at The Kop, Jürgen Klopp! All the best @LFC!“ („Wir wünschen dir nur das Beste auf 'The Kop', Jürgen Klopp! Alles Gute, FC Liverpool!“) äußerte sich Klopps Ex-Verein.

Dem Text des Tweets geht eine Anspielung auf die Beatles voraus: „We heard the news today, oh boy!“ - eine Abwandlung der ersten Zeile des Liedes „A Day in The Life“ der aus Liverpool stammenden Band.

Verknüpft hat der BVB die Glückwünsche mit einer Fotomontage, in der Klopp in Anlehnung an das Cover des Beatles-Albums „Abbey Road“ über den berühmten Zebrastreifen der gleichnamigen Straße in London rennt.

Der FC Liverpool bedankte sich musikalisch bei der Borussia. „Danke, @BVB! You'll Never Walk Alone.“

Pressekonferenz ist beendet

11.28 Uhr: Nach 26 Minuten und erneutem Verweis auf seine völlig normale Herkunft aus dem Schwarzwald ist die Pressekonferenz beendet. Fazit: Klopp hat mit seinem Englischkenntnissen durchaus beeindruckt und die ersten Lacher bereits auf seiner Seite gehabt. Dennoch hatten seine Ausführungen den nötigen Mix aus Ernst und lockeren Sprüchen, der auch die englischen Medienvertreter überzeugt haben dürfte.

Klopp teilt gegen Journalisten aus

11.23 Uhr: Klopp teilt direkt gegen die Medienvertreter aus. "Wegen euch ist das doch gar nicht möglich, mit normalen Leuten in Kontakt zu kommen", entgegnet Klopp auf die Anekdote eines deutschen Journalisten von einem Taxifahrer, der bereits in höchsten Tönen vom neuen Liverpooler Trainer schwärmte. Immer wieder appelliert Klopp schon jetzt an die Medienvertreter, ihn in Ruhe arbeiten zu lassen.

Klopp wirbt für Geduld und bittet um Ruhe

11.20 Uhr: Klopp schwebt mit Liverpool ein schnelleres Umschaltspiel vor. "Das geht aber nicht von heute auf morgen", bittet der neue Liverpool-Trainer für Verständnis. Lassen Sie mich erstmal eine Woche arbeiten, dann reden wir weiter. Außerdem bittet Klopp darum, sich in Ruhe einleben und auch im Hotel in Frieden zu lassen.

"Ich bin ein Durchschnittstyp"

11.17 Uhr: "Es geht nicht nur um Ballbesitz, es geht um Erfolge", predigt Klopp schon jetzt. "Lasst mich einfach arbeiten, ich bin ein Durchschnittstyp", erzählt Klopp. "Ich bin ein ganz normaler Trainer in einem vielleicht nicht ganz normalen Verein." In Anlehnung an José Mourinhos eigenwillige Selbstbezeichnung als „The Special One“ sagt Klopp: „I am the Normal One.“ Mit seinen Ausführungen sorgt Klopp für einige erste Lacher im Auditorium.

"Vergangene Titel sind ein Rucksack"

11.14 Uhr: "Race" scheint bereits eine der englischen Lieblingsvokabeln Klopps zu sein. "Wir müssen unser eigenes Rennen fahren", sagt Klopp im Hinblick auf die große Historie der "Reds" mit etlichen Titeln aus der Vergangenheit, die teilweise allerdings "wie ein Rucksack" mitgetragen würden.

"Ich bin ins absoluter Topform"

11.12 Uhr: "Liverpool steht für den Begriff 'Fußball-Romantik' wie kein anderer Verein dieser Welt", sagt Klopp. Er freue sich nun sehr auf sein erstes Spiel. "Ich bin in absoluter Topform", sagt Klopp im Hinblick auf seine viermonatiger Erholungsphase.

"Ich bin nicht der beste Trainer der Welt"

11.09 Uhr: Das kennt man schon aus Dortmunder Zeiten. "Die Fans wollen Kampfgeist sehen", sagt Klopp, der sich in seinem neuen Umfeld auch Hilfestellung erhofft: "Ich bin kein Genie, ich bin nicht der beste Trainer der Welt."

"Können unser Spiel aufziehen"

11.04 Uhr: "Wir sind am Anfang eines Entwicklungsschrittes", sagt Klopp. "Wir können keine Erfolge garantieren, aber wir können unser Spiel aufziehen."

Klopp entschuldigt sich für sein Englisch

11.02 Uhr: Die Präsentation beginnt. Als erstes entschuldigt sich Klopp direkt einmal für sein Englisch. "Ich bin zurück im Rennen", sagt er dann aber in feinstem Slang.

Liverpool-Boss: "Jürgen bei Ehrgeiz ganz oben"

10.50 Uhr: Liverpools Geschäftsführer Ian Ayre (siehe auch Meldung von 10.38 Uhr) hat Klopp als Idealbesetzung für die "Reds" beschrieben. In einem Interview auf der Club-Homepage sagte er: „Sein Charakter passt sehr gut zu diesem Club, zu dieser Stadt und den Fans.“ Als man sich nach einem neuen Trainer umgeschaut habe, habe auch Ehrgeiz ganz oben gestanden auf der Anforderungsliste. Auch da "steht Jürgen ganz oben“, meinte Ayre.

Bei dem Treffen mit den Eigentümern zur Trainersuche habe man sich über die geforderten Attribute des neuen Coaches und den Zielen, die man mit dem Verein erreichen will, unterhalten. Klopps Philosophie würde den FC Liverpool widerspiegeln. "Ich denke, das spricht für eine großartige Heirat in vielerlei Hinsicht."

Es sei auch offensichtlich, dass Klopp dieses Gefühl, die Liebe und die Verbindung zu Liverpool habe. „Es hätte keinen anderen Job gegeben, der ihn aus seinem Sabbatjahr hätte holen können“, meinte Ayre.

Klopp: "Es ist wie im Traum"

10.45 Uhr: Weitere Auszüge aus Klopp erstem Interview auf der Liverpool-Homepage (siehe auch Meldung von 10.17 Uhr): „Es ist derzeit vielleicht die größte Herausforderung im Weltfußball“, sagte der 48-Jährige. Es sei aber auch die „interessanteste“ Aufgabe und eine „große Ehre“, betonte Klopp. „Es ist einer der besten Momente meines Lebens, muss ich sagen.“

Die Situation des Vereins sei mit zwölf Punkten aus acht Spielen gar nicht schlecht. „Aber niemand ist zufrieden, das ist interessant“, sagte Klopp, der vor vier Monaten bei Borussia Dortmund aufgehört hatte.

Sein angekündigtes Sabbatjahr abzukürzen, sei „nicht die schwerste Entscheidung“ gewesen. Seine Faszination für den Kult-Club Liverpool erklärte Klopp so: „Ich liebe Fußball. Die Intensität des Fußballs in Liverpool ist, was gut für mich ist.“ Sein erstes Spiel mit Liverpool hat Klopp am 17. Oktober bei Tottenham Hotspur. „Es ist wie im Traum“, meinte er.

Presseraum füllt sich allmählich

10.38 Uhr: Um 11 Uhr wird der neue Liverpool-Messias erwartet. Und schon jetzt füllt sich der Presseraum des englischen Traditionsvereins. Liverpools Boss Ian Ayre hat übrigens schon einmal verraten, was ihm an Klopp während der Vertragsgespräche mit am meisten imponiert hat. "Er hat gesagt, dass dies der einzige Job wäre, der ihn aus seinem Sabbatjahr holen könnte", sagte Ayre. „Wir haben also zur richtigen Zeit angerufen und das richtige Ergebnis erzielt.“

Klopp richtet erste Worte an die Liverpool-Fans

10.17 Uhr: Vollgas-Fußball auch in Liverpool: Jürgen Klopp tritt seinen neuen Trainerposten mit großem Enthusiasmus an. "Ich glaube an eine Spielphilosophie, die sehr emotional, schnell und körperlich ist", sagte Klopp bereits vor seiner offiziellen Vorstellung auf der Clubhomepage: "Meine Mannschaften müssen in jedem Spiel Vollgas geben und an das Limit gehen."

"Gewinnen ist wichtig, aber auch die Art und Weise, wie wir spielen und gewinnen, ist wichtig", sagte der 48-Jährige weiter: "Man muss eine Spielphilosophie haben, die deine eigene Mentalität und die des Klubs widerspiegelt." Es sei wichtig, "eine klare Richtung vorzugeben. Taktisch natürlich. Aber taktisch mit großem Herzen".

"Ich möchte eine Beziehung zu den außergewöhnlichen Fans aufbauen und ihnen tolle Erlebnisse bescheren. Ich hoffe, wir können uns gegenseitig stärken und diese Reise zusammen angehen", sagte Klopp.

Auch im Bewegtbild gibt es ein erste Leckerli für die Anhänger der "Reds" - dabei fordert er sein Gefolge auf, sich von "Zweiflern in Glaubende" zu wandeln. Hier ist der Englisch sprechende Klopp:

( HA/sid/dpa )

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