Turnier in Griechenland

Tah war eine der größten Enttäuschungen bei der EM

Machte bei der EM in Griechenland nicht die glücklichste Figur: Das abwanderungswillige HSV-Talent Jonathan Tah

Machte bei der EM in Griechenland nicht die glücklichste Figur: Das abwanderungswillige HSV-Talent Jonathan Tah

Foto: Milos Bicanski / Bongarts/Getty Images

DFB-Kapitän agierte beim Aus der U19 äußerst unglücklich. Leverkusen stockt Angebot für den HSV-Innenverteidiger dennoch auf.

Katerini/Griechenland. Die Durststrecke des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ohne Titel im männlichen Nachwuchsbereich seit dem WM-Triumph der Nationalelf setzt sich fort. Als viertes Juniorenteam des DFB im laufenden Kalenderjahr scheiterte die U19 um Kapitän Jonathan Tah vom HSV in Griechenland bei einer EM durch ein 2:2 (1:2) im entscheidenden Gruppenspiel gegen Russland vorzeitig.

Die DFB-Auswahl musste mit nur vier Punkten als Gruppenletzter schon nach der Vorrunde ihre Hoffnungen auf eine Titelverteidigung begraben. Die Russen spielen nun am Donnerstag im Halbfinale gegen Frankreich. Im zweiten Halbfinale trifft Spanien nach dem 1:1 im Parallelspiel gegen die Niederlande auf Gastgeber Griechenland.

Vor der U19 hatten bereits die U17 (1:4 im EM-Finale gegen Frankreich), die U20 (Viertelfinal-Aus bei der WM) und die U21 (Halbfinal-Aus bei der EM) bei diesjährigen Turnieren Titelchancen ungenutzt gelassen. Die vierte ungenutzte Titelchance des Jahres bezeichnete der Verband im offiziellen Twitter-Account "DFB-Junioren" unpassenderweise als "#Grexit".

Vor dem Turnier hatte der Hashtag noch "#TitelReloaded" gelautet. Bei den Buchmachern galt das Team des künftigen U21-Trainers Marcus Sorg, der den Vorgänger-Jahrgang um Joshua Kimmich (Bayern München), Davie Selke (RB Leipzig) und Julian Brandt (Bayer Leverkusen) noch zum Titel geführt hatte, als zweitgrößter Favorit nach Spanien.

Tah und Sané die großen Enttäuschungen

Am Ende fehlte angesichts von nur einem Tor zwar das Glück, realistisch betrachtet aber auch die Qualität. Zu den Enttäuschungen zählten nämlich ausgerechnet diejenigen, von denen man sich am meisten erwartet hatte. Jonathan Tah, den Bayer Leverkusen wohl für einen hohen einstelligen Millionen-Betrag vom Hamburger SV verpflichten wird, wirkte als Abwehrchef hölzern. Und der ebenfalls 19-jährige Schalker Leroy Sané, von der Spielergewerkschaft VDV zum besten Newcomer der Saison gewählt, spielte eher für die Galerie als für die Mannschaft.

"Wenn man mit allen Mannschaften punktgleich ist und trotzdem ausscheidet, ist das natürlich sehr bitter", meinte Trainer Sorg: "Die Enttäuschung ist entsprechend groß." Der frühere Freiburger Bundesliga-Coach lobte seine Spieler aber für "eine gute Mentalität in allen Spielen". Sie hätten "unbezahlbare Erfahrungen gemacht. Es wir‎d sie in ihrer Entwicklung weiterbringen, das ist im Moment ein kleiner Trost."

Tah agiert äußerst unglücklich

Vor 4000 Zuschauern im Stadion Katerini hatte Thilo Kehrer die deutsche Elf gegen Russland schon nach zwölf Minuten in Führung gebracht, ehe der Schalker 20 Minuten später per kuriosem Eigentor den Vorteil seines Teams wieder zunichte machte.

Nachdem die Russen in der Nachspielzeit der ersten Hälfte nach einer unfreiwilligen Vorlage von Tah sogar in Führung gegangen waren, weckte der Ausgleich für Sorgs Elf durch den Stuttgarter Timo Werner (65.) noch einmal Hoffnungen. Doch in den letzten 25 Minuten konnten die DFB-Talente nicht mehr für den notwendigen Sieg sorgen.

Der von Leverkusen umworbene Innenverteidiger Tah machte in der vogelwilden deutschen Abwehr ein unauffälliges Spiel und außer vor den beiden Gegentoren auch in einigen anderen Situationen eine eher unglückliche Figur. In der 57. Minute sah Tah Gelb, somit wäre er in einem möglichen Halbfinale gesperrt gewesen.

Völler bessert im Tah-Poker noch einmal nach

Ungeachtet der eher dürftigen Darbietungen in Griechenland hat Leverkusens Sportchef Rudi Völler das Angebot für den 19-Jährigen noch einmal erhöht. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung soll Bayer nun bereit sein, für Tah sieben Millionen Euro hinzublättern. Der HSV hatte für sein Talent bislang acht Millionen Euro aufgerufen.

Durch das vorzeitige EM-Aus könnte es im Wechsel-Poker so oder so ganz schnell gehen. Am Dienstag kommen die HSV-Verantwortlichen, die wegen Tah längst Gesprächsbereitschaft signalisiert hatten, zur Vorstandssitzung in der Arena zusammen - die ab sofort übrigens den ersten Schriftzug "Volksparkstadion" enthält.

(HA/sid/dpa)