Tour de France

Froome in Gelb in die Berge – Dämpfer für Nibali

Der Brite Christopher Froome hat von den Favoriten auf den Gesamtsieg bei der Tour de France bisher am meisten überzeugt. Der Lohn: das Gelbe Trikot

Der Brite Christopher Froome hat von den Favoriten auf den Gesamtsieg bei der Tour de France bisher am meisten überzeugt. Der Lohn: das Gelbe Trikot

Foto: Kim Ludbrook / dpa

Das Sky-Team des Briten belegte im Mannschaftszeitfahren Platz zwei. Froome baute seinen Vorsprung auf die Konkurrenz so weiter aus.

Frankreich. Chris Froome hat im Kampf um seinen zweiten Tour-Sieg das nächste Zeichen gesetzt, Titelverteidiger Vincenzo Nibali gerät dagegen immer mehr in die Defensive: Im Teamzeitfahren der 102. Frankreich-Rundfahrt belegte der Brite mit Sky hauchdünn hinter BMC Platz zwei und kann den Ruhetag in Gelb genießen. Der Italiener Nibali geht nach Platz fünf mit Astana mit über zwei Minuten Rückstand in die Pyrenäen, auch Giro-Sieger Alberto Contador (Spanien) kassierte durch Platz vier mit Tinkoff-Saxo einen Dämpfer.

„Mit einem Etappensieg in den Ruhetag zu gehen, wäre fantastisch gewesen. Aber das Wichtigste ist, dass wir das Gelbe Trikot erfolgreich verteidigt haben“, sagte Froome: „Wir haben auf viele Fahrer Zeit gewonnen, wir können zufrieden sein.“

Froomes Sky-Team war als letztes auf die anspruchsvollen 28 km gegangen und lag im Ziel die Winzigkeit von 62 Hundertsteln hinter der siegreichen US-Equipe BMC. Überraschend Dritter mit nur vier Sekunden Rückstand wurde Movistar, dessen kolumbianischer Bergfloh Nairo Quintana einer der größten Herausforderer von Froome ist.

In der Gesamtführung liegt Froome zwölf Sekunden vor Tejay van Garderen (USA/BMC). „Momentan ist Tejay van Garderen mein größter Gegner, er war schon in der Dauphiné sehr stark“, so Froome.

Contador verliert weitere 27 Sekunden

Der zweimalige Toursieger Contador rückte zwar auf Platz fünf vor, verlor aber weitere 27 Sekunden auf Froome und hat 1:03 Minuten Rückstand. Quintana, wohl stärkster Kletterer, liegt als Neunter (+1:59) in Lauerstellung und will ab Dienstag in den Pyrenäen zum Angriff blasen. Quintanas Vorteil: Bis Paris steht kein Einzelzeitfahren mehr an. „Ich hatte in den vorigen Etappen viel Zeit verloren, jetzt sieht es schon viel besser aus“, sagte Quintana.

Nibali, der bereits am Samstag beim Sieg des Franzosen Alexis Vuillermoz an der Mur-de-Bretagne zehn Sekunden Rückstand auf Froome kassiert hatte, geht mit 2:22 Minuten Rückstand ins Hochgebirge, die Chancen auf den erneuten Tour-Erfolg sind für den Astana-Kapitän deutlich gesunken. „Eigentlich lief es heute ganz gut, ich bin zufrieden“, sagte Nibali in der ARD: „Ich war in der vorigen Tagen irgendwie blockiert, aber bin noch voller Hoffnung.“

Vor Hunderttausenden Zuschauern, die vor allem den giftigen, 1,7 km langen Schlussanstieg an der Cote de Cadoudal bevölkerten, konnten sich die beiden deutschen Teams nicht im Vorderfeld platzieren, Zweitdivisionär Bora-Argon 18 landete aber immerhin auf einem 13. Rang (+1:31). „Das war nicht allzu schlecht“, meinte Boras Klassement-Fahrer Dominik Nerz: „Meine Beine waren aber heute nicht gut, ohne das Team hätte ich heute gar nichts gemacht.“

Enttäuschung bei den deutschen Fahrern

Giant-Alpecin mit Sprintstar John Degenkolb kam nicht über Platz 16 (+1:37) hinaus. „Wir wussten, dass wir nicht um den Sieg fahren“, sagte Degenkolbs Teamkollege Simon Geschke.

Für die deutschen Radprofis hatte das zweite Tour-Wochenende insgesamt wenig zu bieten. Tony Martin musste das Team-Zeitfahren nach seiner Schlüsselbein-OP vom Krankenbett aus verfolgen, ohne den dreimaligen Weltmeister belegte seine Quick-Step-Equipe nur Platz sieben.

An der Mûr-de-Bretagne hatte am Samstag André Greipel sein Grünes Trikot an den Slowaken Peter Sagan verloren. Die Aussichten, es im Laufe der Tour noch einmal zurückzuholen, sind nicht sonderlich gut - eine klassische Sprintankunft gibt es erst wieder am letzten Tour-Tag in Paris, im bergigen Terrain hat Sagan klare Vorteile.

Dafür fuhr sich Geschke am Samstag mit einem couragierten Auftritt kurzzeitig ins Rampenlicht. Die Ein-Kilometer-Marke passierte der Giant-Alpecin-Profi als Erster, im harten Finish wurde er aber noch auf Platz 40 durchgereicht. „Wenn man ganz vorn durch den roten Lappen fährt, denkt man immer daran. Aber nach den anderen Attacken haben meine Beine gesagt: vielleicht ein anderes Mal“, sagte der 29-Jährige. (sid)