TV-Hammer

ARD und ZDF verlieren Übertragungs-Rechte an Olympia

Sollte Usain Bolt auf den Kurzdistanzen im Sprint bei Olympia 2020 erneut dominieren, können es die öffentlich rechtlichen Sender erst verspätet in einer Zusammenfassung zeigen

Sollte Usain Bolt auf den Kurzdistanzen im Sprint bei Olympia 2020 erneut dominieren, können es die öffentlich rechtlichen Sender erst verspätet in einer Zusammenfassung zeigen

Foto: Matthias Hangst / Witters

IOC-Präsident Bach nennt es „einen wichtigen Vertrag“, der die beiden öffentlich-rechtlichen Sender in die Röhre gucken lässt.

ARD und ZDF droht das Olympia-Aus: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat sämtliche TV- und Multiplattform-Übertragungsrechte für die vier Olympischen Spiele von 2018 bis 2024, für dessen Austragung sich Hamburg bewerben will , an Discovery Communications, der Muttergesellschaft des Spartensenders Eurosport, vergeben. Dies teilte das IOC am Montag mit.

Für das Gesamtpaket zahlt Discovery 1,3 Milliarden Euro an die Herren der Ringe. IOC-Präsident Thomas Bach sagte zu dem Deal: „Zwischen Discovery und dem IOC wurde ein wichtiger Vertrag geschlossen, und wir freuen uns, dass Eurosport der neue Partner des olympischen Sports ist.“

Die Vereinbarung umfasst die Winterspiele 2018 in Pyeongchang/Südkorea, die Sommerspiele 2020 in Tokio sowie Spiele 2022 und 2024, deren Austragungsorte noch nicht feststehen. ARD und ZDF könnten somit erstmals nicht exklusiv von Olympia berichten. Die beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten hatten zuletzt die Rechte für Sotschi 2014 und Rio 2016 direkt vom IOC erworben, nachdem sie bislang Gegenstand von Verträgen zwischen der European Broadcasting Union (EBU) und dem IOC waren.

In Übereinstimmung mit den Anforderungen des IOC und der lokalen Märkte hat sich Discovery verpflichtet, die Olympischen Sommerspiele mindestens 200 Stunden und die Olympischen Winterspiele mindestens 100 Stunden lang während des Zeitraums der jeweiligen Spiele im frei empfangbaren Fernsehen zu übertragen. Darüber hinaus wird Discovery einen Teil der Rechte in vielen europäischen Märkten sublizenzieren.

Entsetzen bei ARD und ZDF

Dem ersten Schreck folgte bei ARD und ZDF das große Rätselraten. Die beiden öffentlich-rechtlichen TV-Sender sind vom Verkauf der Medien-Rechte am Montag unangenehm überrascht worden. Ob sie nach dem Milliarden-Geschäft noch eine Chance haben, von den Spielen 2018 bis 2024 zu berichten, wissen die deutschen Sender derzeit nicht.

„Aus der Pressemitteilung des IOC geht nicht hervor, was die Rechtevergabe an die beiden internationalen, auch in Deutschland verbreiteten Sender für den deutschen Fernsehmarkt bedeutet“, schreiben ARD und ZDF: „Hieraus ergeben sich Fragen an das IOC und den DOSB.“ Antworten darauf konnten sie selber zunächst nicht geben.

IOC-Präsident Thomas Bach versuchte zu beruhigen. Er machte ARD und ZDF trotz der Vergabe der gesamten TV-Rechte für Europa an einen US-Konzern Hoffnungen. „Die Rechte sind im Moment exklusiv in den Händen von Discovery Communications und Eurosport. Aber sie sind bereit, Verhandlungen aufzunehmen über Abkommen mit anderen Übertragungsanstalten“, sagte Bach am Montag.

Der überraschende Mega-Deal mit Discovery und Eurosport bedeute nicht, „dass jetzt irgendjemand aus dem Rennen ist. Wer im Rennen sein möchte, kann sich jederzeit an Discovery wenden“, erklärte der deutsche IOC-Chef. „Sie haben gehört, wie offen Discovery ist, da in Diskussionen oder Verhandlungen einzutreten.“ Es dürfte eine Frage des Preises sein, ob das Erste und das Zweite noch zum Zuge kommen.

Discovery schließt Sublizenzen nicht aus

Das US-Unternehmen Discovery hat derweil Sublizenzen für ARD und ZDF nicht ausgeschlossen. „Wir haben noch keine konkreten Pläne, aber werden in allen Märkten die Möglichkeiten prüfen, die Berichterstattung auszuweiten“, teilte der Mutterkonzern des TV-Senders Eurosport am Montag mit.

(sid/dpa//HA)