Fifa-Skandal

Platini zu Blatter: "Bitte verlasse die Fifa, lass es sein!"

Michael Platini bei seiner Ankunft in Zürich

Michael Platini bei seiner Ankunft in Zürich

Foto: dpa

Fifa-Boss lässt auch Forderung des Uefa-Präsidenten abprallen. Europäer verzichten auf Boykott. Interview mit Blatter im Video.

Zürich. Am Mittwoch hatten Ermittler sieben Fifa-Funktionäre auf Antrag der US-Justiz in Abschiebehaft genommen. Ihnen werden organisiertes Verbrechen und Korruption vorgeworfen. Als Höchststrafe drohen in den USA 20 Jahre Haft. Insgesamt ermittelt das US-Justizministerium, das die Schweizer Behörden um Amtshilfe ersucht hatte, gegen 14 Personen. Sie sollen seit Anfang der 90er Jahre Schmiergelder von mehr als 150 Millionen Dollar von Vermarktern für die Vergabe von Fußballturnieren erhalten haben. 110 Millionen Dollar sollen allein für Vermarktungsrechte für die Copa America 2016 in den USA geflossen sein. Bestechungsgelder sollen auch vor der WM-Vergabe an Südafrika 2010 gezahlt worden sein.

Das ist das internationale Medienecho

Unabhängig von den US-Ermittlungen stellten Schweizer Behörden in der Fifa-Zentrale elektronische Daten und Dokumente sicher. Die zuständige Bundesstaatsanwaltschaft eröffnete ein Strafverfahren im Zusammenhang mit den WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022. Nach Behördenangaben geht es um den Verdacht der Geldwäscherei.

Was an Tag eins nach dem Fifa-Skandal passiert, lesen Sie bei abendblatt.de im News-Ticker:

Ist die Fifa ein korrupter Haufen? Blatter bezieht im Interview Stellung

Vereinte Nationen überdenken Zusammenarbeit mit Fifa

20.39 Uhr: Vor dem Hintergrund des Fifa-Skandals überdenken die Vereinten Nationen ihre Zusammenarbeit mit dem Weltfußballverband. "Wir schauen uns die bestehenden Partnerschaften genau an und verfolgen, wie sich die Situation entwickelt", erklärte UN-Sprecher Stéphane Dujarric am Donnerstag. Die UNO und die Fifa arbeiten etwa bei Initiativen zur Gesundheitsförderung, Geschlechtergerechtigkeit und zum Schutz von Kindern zusammen. Weitere gemeinsame Initiativen sind auf die Armutsbekämpfung, die Förderung der Menschenrechte und den Umgang mit Umweltproblemen ausgerichtet.

Die Zusammenarbeit diene dazu, "dass die Botschaft des Friedens der Vereinten Nationen bei großen Sportereignissen gesehen und gehört wird", erklärte der Sprecher. Er wies zugleich darauf hin, dass die Ermittlungen gegen die Fifa noch am Anfang stünden.

Südafrika weist Vorwürfe um WM 2010 zurück

16.26 Uhr: Die südafrikanische Regierung hat die erhobenen Anschuldigungen rund um die Weltmeisterschaft 2010 zurückgewiesen. "Nach Abschluss der WM gab es einen sauberen Prüfungsbericht. Es gab niemals irgendwelche Hinweise, dass etwas dubioses in Südafrika passiert ist", sagte Kanzleramtsminister Jeff Radebe am Donnerstagmittag. Auch Sportminister Fikile Mbalula reagierte empört auf die Vorwürfe. "Wir haben mit Blick auf die WM 2010 nichts Illegales getan. Es wurden vonseiten der Regierung keine Zahlungen an irgendwelche Personen geleistet", sagte Mbalula in Johannesburg.

Platini erwägt sogar Rückzug aus Fifa-Wettbewerben

15.42 Uhr: Platini schließt für den Fall eines Wahlsiegs von Blatter einen Rückzug der europäischen Mannschaften aus allen Fifa-Wettbewerben nicht aus. Bei einer Sondersitzung rund um das Champions-League-Finale in Berlin werde man in der kommenden Woche „alle Möglichkeiten ins Auge fassen“, sagte der Franzose.

Auf eine entsprechende Nachfrage konkretisierte er, dass er einen WM-Boykott nicht ankündige, aber das es „demokratische Entscheidungen“ der Landesverbände geben werde.

Eine weitere Option ist laut Platini offenbar ein kollektiver Austritt der europäischen Mitglieder aus dem Fifa-Exekutivkomitee. „Wenn wir diese Abstimmung nicht gewinnen, dann treffen wir uns mit allen Generalsekretären und Präsidenten beim Champions-League-Finale in Berlin. Je nach Ausgang der Wahl werden wir sehen, ob wir dabei sind oder nicht im Exko.“

Mit diesen Worten bedrängte Platini Blatter

15.19 Uhr: Platini hat soeben noch einmal in eigenen Worten geschildert, wie er Blatter zum Rücktritt aufgefordert hat. „Ich habe ihm gesagt: 'Bitte verlasse die Fifa. Lass es sein'“, berichtete der Uefa-Präsident auf einer Pressekonferenz in Zürich und ergänzte: „Es wäre ein Zeichen von Größe gewesen. Fußball ist wichtiger als Personalien, aber er hat gesagt: 'Es ist zu spät. Ich kann nicht aufhören, nicht zu Beginn dieses Kongresses.'“ Platini gilt als großer Unterstützer von Blatter-Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein. Die Uefa werde zum „allergrößten Teil“ für den Jordanier stimmen, erklärte er.

Fifa feuert Marketingmanager

15.03 Uhr: Die Fifa-Ethikkommission hat Marketingmanager Aaron Davidson für alle nationalen und internationalen Tätigkeiten im Fußball suspendiert. Der Amerikaner ist Präsident der US-Marketingfirma Traffic Sports und gehört zu den 14 Verdächtigen, gegen die vonseiten der US-Staatsanwaltschaft ermittelt wird.

Niersbach lässt persönlichen Boykott offen

15 Uhr: Niersbach selbst lässt sich indes eine Übernahme des Sitzes im Fifa-Exekutivkomitee bei einer Wiederwahl Blatters offen. „Das ist ein Abwägen: Boykottiert man etwas oder geht man ins Exko rein und hat die Chance auch wirklich etwas zu verändern“, sagte der DFB-Boss in Zürich. Der Engländer David Gill erklärte, auf sein Fifa-Amt zu verzichten, sollte Blatter am Freitag für eine fünfte Amtszeit gewählt werden. „Stand jetzt sage ich: Wem ist damit gewonnen, wenn ich heute schon sage, ich nehme die Wahl nicht an, ich trete das Mandat nicht an“, betonte Niersbach.

Blatter lehnt Platinis Rücktrittsempfehlung ab

14.57 Uhr: Blatter wird trotz der erneuten Aufforderung aus Europa nicht als Fifa-Präsident zurücktreten. Das sagte DFB-Chef Wolfgang Niersbach nach einem Strategietreffen der Uefa.

"Michel Platini hat heute morgen noch einmal ein persönliches Treffen mit Sepp Blatter gehabt und ihm empfohlen, zurückzutreten", sagte Niersbach: "Das hat aber Sepp Blatter abgelehnt."

Platini wurde auch offiziell eindeutig: "Genug ist genug: Wir wollen diesen Fifa-Präsidenten nicht mehr haben", sagte der Franzose.

De Maizière: "Da fällt mir nichts mehr ein"

14.53 Uhr: Bundesinnenminister Thomas de Maizière fordert die schnellstmögliche Aufklärung der Korruptionsaffäre. „Die Glaubwürdigkeit der Fifa wurde ja schon seit einiger Zeit stark kritisiert. Was wir da jetzt erleben, macht einen ja schier fassungslos. Ich setze auf die Kraft der schweizer und amerikanischen Behörden, das aufzuklären, das braucht auch die Bereitschaft der Fifa, dort mitzuwirken“, sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtensender N24.

Er sei beeindruckt, wie der DFB mit der Sache umgehe, „auch hart und kritisch“, betonte de Maizière. „Aber Aufklärung ist jetzt das Gebot der Stunde, und so kann es nicht weitergehen, wie es jetzt ist.“ Zur Person Blatter befragt, sagte der Minister: „Naja, da fällt mir nichts mehr ein.“

Uefa verzichtet auf Boykott des Fifa-Kongresses

14.36 Uhr: Die Uefa wird entgegen ursprünglichen Überlegungen den Fifa-Kongress nicht boykottieren und will bei der Präsidentschaftswahl am Freitag zu großen Teilen für Prinz Ali bin al-Hussein votieren. Das teilten der ehemalige Präsidentschaftskandidat Michael van Praag aus den Niederlanden und mehrere weitere Uefa-Mitglieder soeben mit.

Die Uefa lehnt jedoch angesichts des neuerlichen Skandals jegliche Unterstützung für Amtsinhaber Joseph S. Blatter ab, der in seine fünfte Amtszeit gewählt werden will. Insgesamt stimmen am Freitag 209 Fifa-Mitglieder ab, der Sieger braucht ab dem zweiten Wahlgang die einfache Mehrheit.

Auch Cameron fordert Blatters Rücktritt

13.58 Uhr: Der britische Regierung des Premierministers David Cameron hat sich den vielen Forderungen nach einem Rücktritt Blatters angeschlossen. Cameron teile die Kritik von John Whittingdale, dem Staatsekretär für Kultur, Medien und Sport, sagte ein Sprecher. Whittingdale hatte eine umgehende Reform der Fifa gefordert - "inklusive eines Führungswechsels".

Die Regierung hoffe auf einen Sieg des jordanischen Herausforderers Prinz Ali bin Al Hussein bei der Präsidentschaftswahl am Freitag. "Wir und der englische Fußballverband stehen an seiner Seite", sagte Camerons Sprecher.

Afrikaner wollen Wahl durchziehen

13.32 Uhr: Die afrikanische Fußball-Konföderation CAF hat sich gegen eine Verlegung der Präsidentschaftswahl ausgesprochen und wird weiterhin den Amtsinhaber Blatter unterstützen. Dies gab die CAF auf ihrer Internetseite bekannt.

"Die CAF ist gegen eine Verlegung des Kongresses und der Wahl am 29. Mai. Bei einem Treffen am Mittwoch hat die CAF Sepp Blatter erneut ihre Unterstützung versichert", hieß es in der Mitteilung. Die Konföderation werde in vollem Umfang bei der Aufklärung der Korruptionsvorwürfe kooperieren.

Die CAF vereint bei der Präsidentschaftswahl allein 54 der 209 Stimmen. Zuvor hatte bereits die asiatische Konföderation AFC (46 Stimmen) erklärt, Blatter weiter unterstützen zu wollen.

Profis schreiben offenen Brief gegen Fifa

13.17 Uhr: Im Streit um die unwürdigen Menschenrechts- und Arbeitsbedingungen im WM-Gastgeberland Katar haben sich nun auch einige Profifußballer gegen die Fifa gestellt. In einem offenen Brief, den das Nachrichtenmagazin stern am Donnerstag veröffentlichte, fordern unter anderem der ehemalige englische Nationalspieler Sol Campbell und US-Nationalspieler Robbie Rogers ein Ende des umstrittenen "Kafala-Systems".

"Der Ruf dieses schönen Sports soll nicht mit dem Blut, dem Schweiß und den Tränen derer beschmutzt werden, die dieses Spektakel durch ihre Arbeit erst möglich machen", heißt es in dem Brief, der von der Aktivismus-Plattform Avaaz initiiert wurde und laut stern bereits mehr als 800.000-mal unterzeichnet worden ist: "Tausende von Arbeitern opfern sich auf in der Hitze von Katar, um die Infrastruktur für die Weltmeisterschaft zu errichten - es ist ein System der modernen Sklaverei."

Platini nimmt an Sondersitzung teil

12.38 Uhr: An der Sondersitzung, zu der Blatter einlud und die zur Stunde in Zürich abgehalten wird, nimmt für die Uefa nach dpa-Informationen auch Präsident Michel Platini teil. Die europäische Verband hatte eine Verschiebung des Kongresses und der für Freitag anberaumten Präsidentschaftswahlen gefordert. Dies wurde von der Fifa bislang strikt abgelehnt.

Platini wurde erst nach dem Ende des Meetings mit Blatter bei der internen Sitzung der Uefa-Mitglieder erwartet, die um 12.30 Uhr in einem Hotel in Zürich beginnen sollte. Dort traf bereits Prinz Ali bin al-Hussein ein, der von der Uefa unterstützte Herausforderer von Blatter.

Calli warnt vor Aktionismus

12.33 Uhr: Auch Reiner Calmund hofft auf eine schnelle Aufklärung des Fifa-Skandals. "Das erschüttert das ganze System Fußball, das geht ins Mark", sagt der ehemalige Manager von Bayer Leverkusen im Gespräch mit der "Rheinischen Post" (Freitagausgabe). "Aktionismus bringt jetzt aber keinem etwas. Es muss ruhig, besonnen und effektiv im Interesse des Sports alles aufgedeckt werden. Die Fifa braucht vor allem Transparenz, um wieder Vertrauen zurückzugewinnen."

USA beantragen Auslieferung von drei Argentiniern

11.50 Uhr: Die US-Justiz hat offiziell die Festnahme und Auslieferung von drei argentinischen Staatsbürgern beantragt. Wie das argentinische Außenministerium am Mittwochabend (Ortszeit) in Buenos Aires mitteilte, handelt es sich um die Unternehmer Alejandro Burzaco, Hugo Jinkis und Mariano Jinkis. Alle drei sind im Sport-Marketing tätig.

Holland-Zeitung reagiert konsequent

11.49 Uhr: Wegen des Korruptionsskandals d will eine niederländische Zeitung Anzeigen von Fifa-Sponsoren boykottieren. Die Firmen müssten ihre Macht einsetzen, um die Korruption in der Fifa zu beenden, erklärte der Chefredakteur des „Nederlands Dagblad“, Sjirk Kuijper, im niederländischen Radio. Die Zeitung rief auch die Leser zum Boykott von Firmen wie Coca Cola, McDonald's, Adidas, Visa, Hyundai, Kia, Budweiser und Sony auf. „Die einzige Sprache, die diese Organisationen verstehen, ist Geld, und das Geld kommt von uns“, sagte der Chefredakteur. Das streng-protestantische Blatt hat eine Auflage von rund 20.000 Exemplaren.

Funktionär wird verhaftet und liefert sich selbst ein

11.47 Uhr: Die US-Justiz hat auch gegen den früheren Chef des südamerikanischen Fußballverbandes CONMEBOL in Paraguay, Nicolás Leoz, einen internationalen Haftbefehl erwirkt. Der 86-Jährige habe sich daraufhin sofort in eine ihm selbst gehörende Klinik in der Hauptstadt Asunción bringen lassen, berichtete der Radiosender 780 AM. Leoz sei wütend über den Haftbefehl, sagte sein Anwalt Raúl Barriocanal dem Sender ABC. Sein Mandant wisse nicht, wo diese Anschuldigungen herkämen, fügte Barriocanal hinzu.

Ein Sprecher des paraguayischen Außenministeriums habe den Eingang des internationalen Haftbefehls aus den USA bestätigt, berichtete die Zeitung „Última Hora“ am Mittwoch. Leoz war von 1986 bis 2013 Chef des CONMEBOL.

Leoz gehört zu der Gruppe von 14 Funktionären und Managern des internationalen Fußballs, denen die US-Justiz organisiertes Verbrechen und Korruption vorwerfen. Sie sollen seit Anfang der 1990er Jahre Schmiergelder von mehr als 150 Millionen Dollar von Vermarktern für die Vergabe von Fußballturnieren erhalten haben.

Amnesty International: "Fifa kümmert sich einen Dreck"

11.43 Uhr: Auch Amnesty International und die Gewerkschaft IG Bau fordern eine radikale Erneuerung der Fifa sowie den Rücktritt von Präsident Blatter. Hintergrund sind die ihrer Meinung nach immer noch „menschenunwürdigen und sklavenähnlichen“ Verhältnisse auf den Baustellen des WM-Gastgeberlandes Katar.

„Darum hat sich die Fifa bislang einen Dreck gekümmert. Und ich habe nicht das Zutrauen, dass sich unter Herrn Blatter noch etwas ändern kann“, sagte der stellvertretende IG-Bau-Vorsitzende Dietmar Schäfers bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Frankfurt am Main. „Die Fifa ist gut beraten, sich grundsätzlich zu erneuern. Da gehört ein neuer Kopf, eine neue Führung hin. Das schafft man nicht mit Herrn Blatter und seinen offentlichtlich hochkriminellen Funktionären.“

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International spricht in ihrem neuesten Report von aktuell rund 1,5 Millionen Gastarbeitern in Katar. „Im Schnitt gibt es unter ihnen pro Tag einen Toten, der an Herzversagen oder Erschöpfung stirbt“, sagte die Amnesty-Expertin für die Golfstaaten, Regina Spöttl. „Katar hat seit unserem ersten Bericht 2013 vollmundige Versprechungen gemacht. Bisher ist nichts passiert.“

Blatter beruft Sondersitzung ein

11.40 Uhr: Sepp Blatter hat Vertreter aller sechs Konföderationen zu einer Sondersitzung eingeladen. Wie die Fifa der DPA bestätigte, findet das Treffen zur Stunde in Zürich statt. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Situation vor dem Fifa-Kongress, der am Nachmittag eröffnet werden soll.

Putin sieht US-Verschwörung und stützt Blatter

11.37 Uhr: Russlands Präsident Wladimir Putin stärkt Sepp Blatter den Rücken. Putin sagte in Moskau, Blatter habe seine Unterstützung. Mit der Festnahme von sieben Fifa-Managern in Zürich überschritten die USA ihre rechtliche Zuständigkeit. "Das ist schon wieder ein offenkundiger Versuch der USA, ihr Rechtssystem auf andere Staaten auszuweiten", sagte Putin. Die Festnahmen seien ein Versuch, die Wiederwahl Blatters zu verhindern.

Schweiz dürfte Funkionäre ausliefern

11.27 Uhr: Obwohl die meisten der in Zürich festgenommenen Fifa-Funktionäre Widerspruch gegen eine Auslieferung an die USA erhoben haben, können sie nach Schweizer Recht an die amerikanische Justiz überstellt werden. Allerdings erst, wenn ein Schweizer Gericht einem entsprechenden Ersuchen der USA stattgibt. Grundlage dafür ist der zwischen beiden Ländern geschlossene Auslieferungsvertrag von 1990.

Darin haben sich beide Staaten verpflichtet, „einander Personen auszuliefern, die die zuständigen Behörden des ersuchenden Staates wegen einer auslieferungsfähigen Straftat verfolgen“. Dies gilt für Straftaten, die nach dem Recht beider Länder im Falle einer Verurteilung wahrscheinlich mit Freiheitsentzug von mindestens einem Jahr geahndet werden.

Die Schweiz und die USA haben sich auch verpflichtet, eine Auslieferung nicht mit der Begründung abzulehnen, dass es bei den betreffenden Personen um Bürger ihrer Staaten geht. Die Auslieferung durch die Schweiz kann auch dann erfolgen, wenn die gesuchte Person nicht Staatsangehöriger der USA ist oder die mutmaßliche Straftat außerhalb des US-Hoheitsgebiets begangen wurde, falls sich diese gegen US-Staatsangehörige richtete.

Die USA haben geltend gemacht, dass die den Fifa-Funktionären vorgeworfenen Straftaten der Bestechung zumindest teilweise auf dem Territorium der USA begangen wurden. Voraussetzung für die Eröffnung eines formellen Auslieferungsverfahrens ist ein entsprechendes Gesuch der US-Justiz. Unabhängig davon können die Fifa-Funktionäre bis zur erstinstanzlichen Entscheidung über eine reguläre Auslieferung einer sogenannten vereinfachten Auslieferung zustimmen. Dann wäre kein formelles Verfahren nötig.

Blatter erst der achte Fifa-Boss

11.16 Uhr: Sepp Blatter ist übrigens erst der achte Präsident in der 111-jährigen Geschichte des Weltverbandes. Bei einem Sieg bei der Wahl am Freitag könnte der seit 1998 amtierende Blatter bis 2019 Fifa-Chef bleiben. Zwei seiner Vorgänger führten die Fifa sogar noch länger: Jules Rimet von 1921 bis 1954 und João Havelange von 1974-1998.

Südafrika wehrt sich gegen 2010-Anschuldigungen

11.08 Uhr: Die südafrikanische Regierung hat die Anschuldigungen rund um die WM 2010 zurückgewiesen. "Nach Abschluss der WM gab es einen sauberen Prüfungsbericht. Es gab niemals irgendwelche Hinweise, dass etwas dubioses in Südafrika passiert ist", sagte Kanzleramtsminister Jeff Radebe am Vormittag.

Am Mittwoch hatte US-Justizministerin Loretta Lynch erklärt, im Zuge der WM-Vergabe 2010 sei es zu Schmiergeldzahlungen gekommen. Laut US-Anklageschrift zahlten südafrikanische Offizielle mehr als zehn Millionen Dollar und übergaben eine Aktentasche mit Banknoten im Wert von 10.000 Dollar in Paris.

Ein "wesentlicher Teil" dieser Gelder soll an den ehemaligen Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner (Trinidad und Tobago) geflossen sein. Ein Dokument enthüllt, dass Warner Beziehungen zu südafrikanischen Fußball-Offiziellen pflegte. 2011 war er vom Weltverband wegen Korruptionsvorwürfen suspendiert worden.

Hamburgs Olympia-Gegner schauen nach Zürich

10.40 Uhr: Die Initiatoren von NOlympia Hamburg sind von den skandalösen Begleitumständen beim Fifa-Kongress nicht überrascht. "Das zeigt nur, dass große Sportorganisationen wie die Fifa und das Internationale Olympische Komitee sehr anfällig für Korruption sind", sagte Aktivistin Marie Behr dem SID.

Einen direkten Einfluss auf die Olympiabewerbung der Hansestadt sieht Behr allerdings noch nicht: "Aber solche Ereignisse wie in der Schweiz tun unserer Arbeit und unserem Anliegen natürlich gut." Das Aktionsbündnis hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum für den 29. November geplanten Olympia-Referendum die Bevölkerung der Elbmetropole von den Nachteilen der Bewerbung zu überzeugen.

Die Kandidatur Münchens für die Winterspiele 2022 war nach einem negativen Votum der Bewohner gestoppt worden. Zur Abstimmungsniederlage der Olympia-Befürworter, so wurde damals gemutmaßt, könnten auch die Diskussionen über die umstrittene Vergabe der Fußball-WM 2022 nach Katar beigetragen haben.

Doch ein ähnliches Szenario furchtet man bei den Olympiaplanern in der Hansestadt nicht. "Das IOC hat glaubwürdig einen neuen Weg beschritten und ist insofern nicht die Fifa. Wir wollen und werden mit eigenen Argumenten überzeugen. Für den Sport insgesamt sind solche Vorfälle wie bei der Fifa natürlich immer negativ", sagte Frank Reschreiter, Sprecher der für den Sport zuständigen Hamburger Innenbehörde.

Blatter sagt weiteren Termin ab

10.22 Uhr: Nach der Absage seiner Teilnahme am Medizin-Kongress wird Blatter beim Treffen der europäischen Fußball-Verbände am frühen Nachmittag in einem Hotel in Zürich nach dpa-Informationen ebenfalls fehlen. Erster offizieller Termin des Schweizers sei die Kongresseröffnung um 17 Uhr in einem Theater in Zürich, hieß es.

Die Uefa-Spitze hatte am Mittwoch eine Verschiebung der für Freitag geplanten Präsidentschaftswahlen zwischen Blatter und seinem Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein gefordert und sogar einen Boykott nicht ausgeschlossen. Üblicherweise besucht der Fifa-Chef alle Konföderationssitzungen vor einem Kongress.

Bei dem Uefa-Meeting vor dem Kongress 2014 in Sao Paulo war es dabei erstmals zu einem offen ausgetragenen Disput zwischen Blatter und führenden Uefa-Funktionären gekommen. Blatter hatte dies später als schlimmste Brüskierung seiner Laufbahn bezeichnet.

Am Mittwoch hatte Blatter wegen der aktuellen Enthüllungen der US-Justiz um jahrelange Korruption im nord- und südamerikanischen Fußball unter Beteiligung von Fifa-Funktionären auch die Teilnahme an der Sitzung der südamerikanischen Konföderation CONMEBOL abgesagt.

Frankreichs Außenminister für Wahl-Aufschub

9.25 Uhr: Der französische Außenminister Laurent Fabius plädiert für eine Verschiebung der Präsidentenwahl. Er halte dies für sinnvoll, sagte Fabius dem Radiosender France Inter. Derzeit biete sich ein "desaströses Image". Man sollte sich etwas Zeit nehmen und klären, "was stimmt und was nicht". Fabius' britischer Kollege Philip Hammond sagte der BBC, bei der Fifa laufe etwas "zutiefst verkehrt". Der internationale Fußball brauche eine Reform.

Ex-Mediendirektor sieht Blatter wackeln

9.01 Uhr: Nach den Worten des ehemaligen Fifa-Mediendirektors Guido Tognoni wäre ein Boykott des Fifa-Kongresses durch die Uefa eine Gefahr für Sepp Blatter. Sollte die Europäische Fußball-Union die Drohung wahr machen, „dann wird das für Sepp Blatter eine schwierige Sache“, sagte Tognoni im Deutschlandfunk. Zwar sei eine Wiederwahl trotzdem wahrscheinlich, aber „ein Fifa-Präsident, der von einem Rumpfparlament gewählt wird, der blickt schwierigen Zeiten entgegen.“

Einen Rücktritt Blatters von sich aus schloss der Ex-Fifa-Manager aus: „So wie ich ihn kenne, wird er nicht zurücktreten. Er hat Angst vor dem großen Loch“, sagte Tognoni. „Der einzige Trost ist für mich, dass es wirklich die letzte Wahl von Blatter sein wird, ob ihm das passt oder nicht. “

Blatter sagt Eröffnungsrede ab

8.49 Uhr: Sepp Blatter meidet vorerst die Öffentlichkeit. Der 79-jährige Schweizer sollte eigentlich am Morgen im Züricher Swissôtel die Eröffnungsrede zum zweiten Teil der Fifa-Medizinkonferenz halten. Er sagte diesen Termin jedoch ab.

Südamerika zögert, Asien steht zu Blatter

8.42 Uhr: Eine Mehrheit für Blatter bei der für Freitag geplanten Präsidentschaftswahl scheint zumindest nicht mehr garantiert. Nach dpa-Informationen wollen die Vertreter der südamerikanischen Konföderation CONMEBOL heute bei internen Gesprächen ihr Wahlverhalten ernsthaft überdenken. Zudem sollen Gespräche mit Funktionären der Uefa und der CONCACAF-Zone aus Nord- und Mittelamerika gesucht werden. Die asiatische Konföderation hingegen erneuerte am Morgen ihre Treue zu Blatter.

Nike will bei Aufklärung kooperieren

8.29 Uhr: Auch der US-Sportartikelhersteller Nike ist in den Sog des Fifa-Skandals geraten. "Wir haben und werden weiter mit den Behörden kooperieren", teilte die Firma am Mittwochabend mit. Nike ist in dem Fall weder erwähnt worden, noch wurde ein Tatvorwurf erhoben.

Allerdings gibt es eine belastende Anklageschrift gegen Sportmarketing-Mogul Jose Hawilla und seine "Traffic Group". Diese sollen Schmiergeld an einen hochrangigen brasilianischen Fifa-Funktionär gezahlt haben, nachdem ein namentlich nicht genannter US-Sportartikelhersteller 1996 die Ausrüster-Rechte für die brasilianische Nationalmannschaft sowie den Verband erhalten hatte.

Sponsoren höchst besorgt - Visa droht mit Rückzug

8.11 Uhr: Angesichts des neuerlichen Fifa-Skandals drohen wichtige Geldgeber mit dem Ausstieg. Ohne einen Wandel werde es "sein Engagement überdenken", teilte das Kreditkarten-Unternehmen Visa mit und drückte seine "tiefe Enttäuschung und große Sorge" aus.

Seine Besorgnis hinterlegte wiederholt auch Coca-Cola im Fifa-Hauptquartier in Zürich. "Diese lange Kontroverse befleckt die Mission und die Ideale der Fifa", schrieb der Getränke-Riese laut der Nachrichtenagentur AFP. Auch der US-Fastfood-Gigant McDonald's nimmt die Vorgänge, die am Mittwoch den Weltverband schwer erschüttert hatten, "sehr ernst".

Der deutsche Sportartikelhersteller adidas betonte, sein Engagement fortsetzen zu wollen. Die Firma aus Herzogenaurach hielt die Fifa aber an, weiter konsequent "Standards für Transparenz" einzuführen.

Dilma fordert Untersuchung "aller WM-Endrunden"

7.14 Uhr: Die brasilianische Staatspräsidentin Dilma Rousseff hat die Untersuchung der Vergabe sämtlicher Endrunden von Fußball-Weltmeisterschaften gefordert, darunter auch jener in ihrem Heimatland im vergangenen Jahr. "Jede Aufklärung in diesen Fragen ist sehr wichtig", sagte die 67-Jährige am Mittwochabend in Mexiko-Stadt.

"Untersucht alle Weltmeisterschaften, den gesamten Fußball", forderte Dilma. Dies könne nur zu einer Professionalisierung führen, auch Brasilien könne von einer solchen Untersuchung "nur profitieren".

Englischer Verbandschef fordert Rücktritt von Blatter

7.04 Uhr: Der Präsident des englischen Fußballverbands, Greg Dyke, hat nach den Festnahmen mehrerer Topfunktionäre und Durchsuchungen in der Zentrale der Fifa den Rücktritt von Fifa-Chef Joseph Blatter gefordert. Dyke sagte der britischen Nachrichtenagentur Press Association in der Nacht zum Donnerstag in Zürich: „Sepp Blatter muss als Fifa-Präsident gehen.“ Blatter habe eine Erklärung veröffentlicht, in der es heiße, es sei Zeit, das Vertrauen in die Fifa wiederherzustellen. Solange Blatter da sei, gebe es keinen Weg, das Vertrauen in die Fifa wiederherzustellen, betonte Dyke.

Blüm ruft live bei stern TV zum Boykott der WM in Katar auf

6.44 Uhr: Live bei stern TV zeigte sich der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm entsetzt über den aktuellen Fifa-Skandal: "Die Fußballwelt muss sich dagegen wehren. Wenn jetzt der Stall nicht ausgemistet wird, ja wann soll er denn ausgemistet werden?" Blüm rief zum Boykott der WM in Katar auf. "Wenn eine Handvoll Fußballer sagt: Wir fahren nicht zur Weltmeisterschaft. Wenn der Europäische Verband sagt: Macht eure Weltmeisterschaft mit Blatter, aber wir gehen nicht hin, ist das Ding zu Ende! Man muss nicht so lange rumeiern. Entweder wird jetzt Sauberkeit geschaffen oder der Fußball geht vor die Hunde", erklärte er.

Ex-Vize Warner stellt sich der Polizei

6 Uhr: Der frühere Fifa-Vizepräsident Jack Warner hat sich in seiner Heimat Trinidad und Tobago der Polizei gestellt. Das berichten lokale Medien. Der per Haftbefehl gesuchte 72-Jährige sei bereits vor Gericht in der Hauptstadt Port of Spain erschienen, die Kaution auf rund 360.000 Euro festgesetzt worden.

Warner, ehemaliger Präsident des Fußball-Kontinentalverbands Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF), ist eine von 14 Personen, die im US-Verfahren angeklagt worden sind. Er soll im Zuge der Vergabe der Weltmeisterschaften 1998 an Frankreich und 2010 an Südafrika in Korruption verwickelt gewesen sein und sich bereichert haben. Vom Weltverband Fifa wurde Warner vorläufig für alle Aktivitäten im Fußball gesperrt.

(sid/dpa/HA)