Klein Flottbek

Bilanz des Derbys: Tolles Publikum, üble Toiletten

Derbychef Volker Wulff freute sich über
den großen Zuschauerzuspruch

Derbychef Volker Wulff freute sich über den großen Zuschauerzuspruch

Foto: Klaus Bodig

Was war gut, was war schlecht? Das Hamburger Abendblatt zieht eine nichtsportliche Bilanz des Derbymeetings.

Hamburg. Das Derby 2015 ist Geschichte. Was war gut, was schlecht? Das Abendblatt zieht Bilanz.

Gut: NFR. Von wegen altbacken: Der Norddeutsche und Flottbeker Reiterverein von 1920 ergreift die Initiative, auch künftig Weltklassesport im Derbypark zu garantieren – unabhängig von Olympia. Unmittelbar nach dem Turnier sollen juristische, finanzielle und architektonische Probleme angepackt werden. Motto: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Gut: Zeltstadt. Abseits des Parcours bot eine bunte Budenwelt Abwechslung. Zumindest für Reiter gab es ein vielfältiges Programm.

Gut: Kinderland. Hüpfburgen, ein Sandkasten, Schminken und ein engagiertes Betreuerteam lockten den Nachwuchs an. Dafür stand ein großes Areal zur Verfügung. Wohl dem Veranstalter, der ein so großes Herz für die Kleinen hat.

Gut: NDR-Fernsehen. Die Mannschaft aus Lokstedt übertrug nicht nur lang, sondern auch gut. Wer nicht nach Flottbek kommen konnte, freute sich über einen außerordentlich sachkundigen Kommentator. Außerdem reagierte der Sender schnell und holte die Reiter unmittelbar am Ausritt ans Mikrofon.

Gut: Organisation. Erstaunlich, mit welch geringem Personalaufwand Veranstalter En Garde alles im Griff hatte. Die Besucher spürten: In einem eingespielten Team waren Profis am Werk.

Gut: Besucherservice. In Klein Flottbek ist der Kunde in der Regel König. Zeitweise waren die Tribünen – ohne Aufpreis – für alle Zuschauer frei benutzbar. Und auch auf dem Sattelplatz sorgte eine Monitorwand für das Gefühl, direkt dabei zu sein.

Gut: Das Hamburger Publikum. Kenntnisreich, begeisterungsfähig, absolut olympiareif. Vor allem beherrschte man die Kunst, auch mal zu schweigen – wenn es auf dem Parcours kritisch zuging.

Schlecht: Die Verpflegung. Die Gastronomie des Hauptcaterers war mäßig, aber teuer. 3,50 Euro für eine Bratwurst oder 2,80 Euro für einen kleinen Pappbecher Wasser sind zu viel. Und die matschigen Bratkartoffeln mit Tiefkühlschnitzeln im großen Zelt waren indiskutabel. Auf der anderen Seite ging’s hochwertiger zu: Im VIP-Zelt bewies das Landhaus Scherrer Klasse.

Schlecht: Sanitäre Anlagen. Lange Schlangen vor den Damentoiletten bewiesen eine Unterversorgung. Und warum Besucher in den Katakomben der maroden Haupttribüne noch Geld für notdürftige Verhältnisse bezahlen müssen, ist schwer nachzuvollziehen. Sie haben doch schon Eintritt bezahlt.

Schlecht: Sportstadt Hamburg. Wirklich nichts gegen einen ehrbaren Staatsrat bei der Siegerehrung des Deutschen Derbys. Ein ernsthafter Bewerber für Olympische Spiele sollte sich allerdings ein oder zwei Nummern hochkarätiger präsentieren.