Boxen

Floyd Mayweather Jr. und der Kampf des Jahrhunderts

WBC/WBA Weltergerwichts-Champion Floyd Mayweather Jr. (l.) und WBO Weltergerwichts-Champion Manny Pacquiao im MGM Grand Hotel & Casino in Las Vegas

WBC/WBA Weltergerwichts-Champion Floyd Mayweather Jr. (l.) und WBO Weltergerwichts-Champion Manny Pacquiao im MGM Grand Hotel & Casino in Las Vegas

Hält der Mega-Fight gegen Manny Pacquiao, was er verspricht? Es gibt letzte Zweifel am Protz-Boxer Floyd Mayweather Jr. Alle Infos und Videos hier.

Las Vegas/Hamburg. Es ist die Rückkehr der goldenen Ära des Profiboxens in den USA – oder doch nur ein Strohfeuer, ein Aufflackern der letzten legendären Kämpfer? Wie in den Jahren, als Mike Tyson und Evander Holyfield oder auch Prince Naseem Hamed in Las Vegas die Kassen der Casinos und der Fernsehsender füllten, schicken sich nun der prollige Protz-Boxer Floyd Mayweather Jr. und Manny Pacquiao an, in die Geschichte des bezahlten Faustkampfes einzugehen. Ihr schon zum Jahrhundertkampf apostrophierter Fight an diesem Sonnabend (Ortszeit) dürfte viele Rekorde sprengen. Vor allem den des höchstdotierten Boxkampfes der Geschichte. 150 Millionen Dollar soll Mayweather erhalten, 100 Millionen Pacquiao. Die Gesamteinnahmen sollen bei über 300 Millionen Dollar liegen.

In Deutschland überträgt Sky den Kampf ab 3.30 Uhr in der Nacht auf Sonntag, die erste Glocke ertönt gegen 5 Uhr morgens. Es wird auch für Sky-Abonnenten eine Extragebühr fällig. Bis Freitag betrug die Bestellgebühr 20 Euro, anschließend 30 Euro. Das Ticket kann online unter sky.de/boxen oder telefonisch unter 0180 6 55 44 33 (0,20 Euro/Anruf aus dem Festnetz, 0,60 Euro/Anruf aus dem Mobilfunknetz) bestellt werden.

Als Tyson und Co. die Massen elektrisierten, gab es Schießereien und Bandenkriege am Rande. Auch der Rapper Tupac Shakur wurde am Rande eines WM-Kampfes auf einem Parkplatz in Las Vegas angeschossen und erlag später seinen Verletzungen.

Nun provozierte sogar der an Parkinson erkrankte, sanftmütige Trainer von Manny Pacquiao, Freddie Roach, den Gegner. Der 55-Jährige behauptete, dass Floyd Mayweather noch vor dem Kampf hinschmeißen und den Mega-Fight damit platzen lassen werde. "Es würde mich sehr wundern, wenn Mayweather in den Ring steigt. Ich glaube es nicht, bevor ich ihn nicht vor uns im Ring gesehen habe", sagte Roach. "Ich glaube, Mayweather wurde in den Kampf getrieben. Er wollte den Fight gar nicht."

Mayweather hat alle seine 47 Profi-Kämpfe gewollt und gewonnen. Lesen Sie hier die Kampfstatistik des Champions. Hier geht's zu den Daten von Pacquiao. Mayweather, derzeit bester Pound-for-Pound-Boxer der Welt, also über alle Klassen hinweg, ist mittlerweile 38. Pacquiao ist 36, hat zuletzt aber boxerisch nicht so gut ausgesehen wie ehedem.

Hier kommen Sie zu einer Themenseite über Mayweather vs. Pacquiao

Ex-Champion Mike Tyson sagte über Mayweather. "Der Junge geht rum und erzählt allen, er sei besser als Muhammad Ali. So etwas möchte ich nicht hören." Früher waren Mayweather und Tyson Freunde, doch irgendwas hat sie auseinander gebracht. "Ich versuche, nicht daran zu denken", sagte Tyson geheimnisvoll und legte nach: "Meine Mutter hat immer gesagt, wenn du nichts Nettes über jemanden sagen kannst, dann sag lieber nichts."

In einer Übersicht von abendblatt.de finden Sie hier die wichtigsten Hintergründe und Fakten zum Kampf Floyd Mayweather Jr. gegen Manny Pacqiao:

"Reden wir über Gott"

Pacquiao wurde mit Blick auf den gewinnträchtigsten Kampf der Boxgeschichte und seinen Gegner Mayweather sogar rührselig. "Ich bin bereit für alles, was er im Ring bringt", sagte der 36-Jährige, der als Außenseiter gilt: "Das Einzige, was ich ändern möchte, ist, dass ich mit ihm nach dem Kampf über Gott sprechen will", sagte der "Pac-Man". Seit vier Jahren ist der Filipino tief gläubig und hat sich unter anderem dadurch aus einer Krise mit Alkohol und Spielsucht befreit.

Tyson: "Bin ich ein Neandertaler?"

Fast eine Minute standen sich die Weltergewichtler Nase an Nase gegenüber, bevor sie sich lächelnd lösten. Mike Tyson hatte für diese Art von Zuneigung kein Verständnis. "Vielleicht bin ich ein Neandertaler, aber ich wollte meinen Gegner immer killen."

100 Dollar für den Kampf am Fernseher

Im US-Fernsehen reden die Moderatoren und Reporter seit Tagen nur in Superlativen: „Kampf des Jahrhunderts“, „Mega-Event“, „größter Fight der Box-Geschichte“. Ein Bezahl-Abo bei Showtime kostet knapp 100 Dollar. Hotelpreise, Wetteinsätze, Tickets – alles ist an diesem Wochenende überdimensional. Im MGM Grand Hotel & Casino, wo der Kampf stattfindet, kostete ein Zimmer am Mittwoch noch 76 Dollar pro Nacht, am Sonnabend liegt der Durchschnittspreis für die selbe Räumlichkeit bei 1520 Dollar. „Die Nachfrage ist so groß wie nie zuvor. Die Leute wollen einfach Teil dieses Rummels sein“, sagt Scott Sibella. Der Präsident des Hotelkomplexes erwartet einen Gewinnanstieg um 35 Prozent.

Höhere Ticketeinnahmen als beim Super Bowl

Julian Douglas von der örtlichen Besucher-Behörde ist überzeugt, dass „94 bis 98 Prozent“ der mehr als 150.000 Hotelbetten belegt sein werden. Er rechnet mit rund 325.000 Touristen – so viele kommen sonst nur zu Silvester. Die Einnahmen aus dem Verkauf der 16.500 Tickets betragen 74 Millionen Dollar und sind größer als die des Super Bowl (60 Mio.), obwohl die Kapazität beim Finale der National Football League viermal größer war. Die Wetteinsätze schätzt Jay Kornegay von Westgate Las Vegas Superbook auf „80 bis 100 Millionen Dollar“.

Pacquiao wohnt im Mandalay Bay Hotel

Pacquiao wohnt 500 Meter vom Ring entfernt im Mandalay Bay. Bei seiner Ankunft machten rund 2000 Landsleute das Luxus-Resort zu einem Mini-Manila. „Pac-Man“ ist bekannt für exzellente Beinarbeit und schnelle Kombinationen. Vor einigen Jahren noch galt er als gefürchteter Puncher – der letzte seiner 38 K.o. stammt jedoch aus dem Jahr 2009. „Mein Killerinstinkt ist zurück, und den brauchst du für einen solchen Kampf“, meinte er. Solche Muskelspiele gehören zum Geschäft. Mayweather tritt im Ring eher defensiv auf, kontrolliert aber dennoch oft den Gegner.

Strip-Club lobt Sonderprämie aus

Der Strip Club „Deja Vu“ bietet dem Sieger nicht nur auf Lebenszeit kostenlose Tanzeinlagen, sondern auch eine Champagner-Flasche im Wert von 500.000 Dollar, einen Oben-ohne-Kampf zu seinen Ehren sowie vier Stripperinnen, die sich seinen Namen eintätowieren lassen. Zudem wird ein Cocktail nach ihm kreiert – entweder der „Mayweather Mayhem“ oder der „Pacquiao Punch-Out“.

Darum geht es eigentlich

Die sportliche Ausgangslage. Mayweather ist in 47 Kämpfen unbesiegt und wurde in fünf Gewichtsklassen Weltmeister. Er ist der über alle Gewichtsklassen hinweg beste Boxer (Pound-for-Pound-Champion). In dem Ranking liegt Pacquiao auf Rang drei. Der Filipino wurde als erster Boxer der Welt in sieben Gewichtsklassen Weltmeister. Der Sieger bleibt für lange Zeit Pound-for-Pound-Champion und gilt als bester Boxer seiner Ära. Es geht um drei Titel im Weltergewicht (bis 66,67 kg). Mayweather bringt die Gürtel der WBC und WBA ein, Pacquaio den der WBO. Der WBC-Gürtel wurde extra für diesen Kampf mit Smaragden besetzt und hat einen Wert von einer Million Dollar.

Mayweather Jr. der bestbezahlte Sportler der Welt

Mayweather, Spitzname "Money", war 2014 mit 105 Millionen Dollar der bestverdienende Sportler der Welt, er soll 100 Luxusautos besitzen und inszeniert sich und seinen Reichtum gerne bei Instagram und Facebook. Pacquiao gilt als Gutmensch, lässt von seinem Geld auf den Philippinen Straßen und Schulen bauen. Die Kriminalitätsrate sinkt in seiner Heimat, wenn Pacquiao boxt.

Er wurde als Kind angeschossen

Mayweathers gejagtes Wesen hat viel mit seiner Kindheit und Jugend zu tun. Der am 24. Februar 1977 in Grand Rapids, Michigan geborene Draufgänger wuchs in einem von Gewalt und Drogen geprägten Umfeld auf. Sein Vater, auch ein Boxer und heute zeitweise sein Trainer, wurde mit dem kleinen Floyd auf dem Arm angeschossen, seine Mutter war heroinabhängig, die Tante starb an Aids. Er wurde mehrfach wegen Körperverletzung und häuslicher Gewalt verurteilt. Am 1. Juni 2012 musste er für 90 Tage hinter Gitter. Er hatte seine Freundin geschlagen.

Kühlschränke ausschalten

Vertreter von Energieversorgern im Westen der Philippinen riefen die Bevölkerung auf, für die Zeit des Kampfes ihre Elektrogeräte wie den Kühlschrank auszuschalten, damit alle den Fight verfolgen können. "Gemeinsam können wir etwas unternehmen. Lasst uns am 3. Mai freiwillig so viele Geräte abschalten, wie wir können", so Rante Ramos, Sekretär der Energie-Kooperative der Insel Palawan. Ramos forderte direkt 15.000 Haushalte auf, Geräte wie den Kühlschrank, Klimaanlagen oder Bügeleisen auszuschalten. Aufgrund einer Versorgungslücke leidet die Region täglich unter Stromausfällen von mehreren Stunden. Pacquiao sitzt seit 2010 im Kongress der Provinz Sarangani. (HA/dpa/sid)