Boxen

Eine Eintrittskarte für schlappe 141.000 Dollar

Bereit für das Duell: Floyd Mayweather Jr. (l.) und Manny Pacquiao

Bereit für das Duell: Floyd Mayweather Jr. (l.) und Manny Pacquiao

Foto: Jae C. Hong / AP

Der Kampf zwischen Floyd Mayweather jr. und Manny Pacquiao sprengt alle Rekorde. In Deutschland verlangt Sky eine Extragebühr

Hamburg. Floyd Mayweather jr. misst 1,73 Meter, Manny Pacquiao ist noch vier Zentimeter kleiner, gemeinsam bringen sie gerade 25 Kilogramm mehr auf die Waage als Wladimir Klitschko. Und trotzdem ist in den Vereinigten Staaten seit Wochen kein Vorbeikommen an den beiden Weltergewichts-Boxprofis, die an diesem Sonnabend in Las Vegas in der Klasse bis 66,7 kg zum „Kampf des Jahrhunderts“ aufeinandertreffen. Plakate hängen in allen Sportsbars, nicht nur die Pay-TV-Giganten HBO und Showtime, die gemeinsam übertragen, sondern alle Sportsender werben in Dauerschleife.

Die Rekordzahlen sind eindrucksvoller Beweis für den Hype, der um das Duell der beiden Superstars ausgebrochen ist. Die teuerste Eintrittskarte für einen Platz am Ring wird auf dem Schwarzmarkt mit 141.000 Dollar gehandelt. Die rund 17.000 Tickets für die MGM Grand Garden Arena, die zwischen 1500 und 10.000 Dollar kosteten, waren innerhalb von Minuten vergriffen. Wer noch auf Einlass hofft, muss im Schnitt 10.895,55 Dollar zahlen.

Allein 99 Dollar muss zahlen, wer auf dem heimischen Sofa dabei sein will. Weil dennoch mehr als die 2,4 Millionen Käufer erwartet werden, die 2007 bei Mayweathers Sieg über Latino-Superstar Oscar de la Hoya für die aktuelle Rekordmarke sorgten, wird erwartet, dass der Kampf rund 400 Millionen Dollar einspielt. 180 davon soll Mayweather einstreichen, seine Führung in der Forbes-Liste der reichsten Sportler der Welt wird er damit um Längen ausbauen. Pacquiao wird über seine rund 120 Millionen schwere Börse auch nicht greinen.

Summen sind dies, die bei deutschen Boxfans Schnappatmung einsetzen lassen. Pay-per-view, also zahlen pro Event und nicht im Gesamtpaket, ist hierzulande im Vergleich zu den USA und auch England wenig verbreitet. Sky, das den Kampf in der Nacht zu Sonntag überträgt und dafür bis zum 1. Mai 20 und danach 30 Euro Extragebühr verlangt, hofft dennoch auf bis zu 50.000 Käufer. Udo Ludwig, der bei Sky den etwas sperrigen Titel „Head of Motorsports and other Sports“ trägt, hat für die Pay-per-view-Schwäche in Deutschland zwei Hauptgründe ausgemacht: „Erstens sind die USA viel offener für Spektakel, und englische Sportfans sind breiter aufgestellt. Der Deutsche interessiert sich hauptsächlich für Fußball. Und zweitens bieten hier die öffentlich-rechtlichen Sender sehr viel Sport frei empfangbar an, weil sie dank der Gebühren in der Lage sind, hohe Lizenzsummen zu zahlen.“

Amerikaner hoffen auf einen Sieg von Pacquiao

Bleibt die Frage, ob das Duell die hohen Erwartungen erfüllen wird, die sich angesichts der Rekordzahlen angestaut haben. Sportlich mag es fünf Jahre zu spät kommen, immerhin haben Mayweather, 38, und sein zwei Jahre jüngerer Rivale ihren Leistungszenit überschritten. Dass es allerdings überhaupt gelungen ist, das seit Jahren diskutierte Duell überhaupt anzusetzen, ist für Boxfans weltweit ein Geschenk.

Die Protagonisten könnten unterschiedlicher kaum sein. Da ist auf der einen Seite der in 47 Kämpfen unbesiegte US-Amerikaner, der sich früher „Pretty Boy“ nannte und heute „Money“, weil er erkannte, dass er mit der Fixierung auf das, was er am meisten hat, noch mehr polarisieren – und damit noch reicher werden kann. Selbst im patriotischen Amerika drückt eine Mehrheit der Fans Pacquiao die Daumen. Sie wollen den großspurigen WBA- und WBC-Champion, der gern mit Haufen von Dollarscheinen posiert, Luxusautos sammelt wie andere Briefmarken, Schuhe grundsätzlich nur ein einziges Mal trägt und seiner extra für die Kampfvorbereitung engagierten Köchin 1000 Dollar pro Mahlzeit zahlte, verlieren sehen. Doch mit seiner Eleganz und Geschmeidigkeit im Ring ist Mayweather eine Augenweide für Boxästheten und so schwer zu treffen, dass er auch gegen Pacquiao als Favorit in den Ring geht.

Der WBO-Weltmeister von den Philippinen dagegen ist eine Kampfmaschine, er attackiert dauerhaft, kassiert allerdings auch so viele Treffer, dass er in 64 Kämpfen bereits fünfmal verlor, dreimal davon vorzeitig. In seiner Heimat ist er ein Volksheld, der mit seinem Vermögen so viel Gutes tut. Nach seiner Karriere will er für das Präsidentenamt kandidieren, Erfahrung als Parlamentsabgeordneter hat er bereits. Während Mayweather wegen häuslicher Gewalt im Gefängnis saß, kämpft Pacquiao gegen den Verkauf philippinischer Frauen als Sexsklavinnen. So einen liebt das Volk. Ob es ihn siegen sieht, und ob auch sportlich ein „Jahrhundertkampf“ ansteht, bleibt abzuwarten. Angesichts der Rekordzahlen wäre es traurig, wenn ausgerechnet die Fans die Verlierer wären. (bj)