Hockey kämpft mit neuem Konzept

Agentur Jung von Matt will mit Initiative „Hockey Hauptstadt Hamburg“ Geldgeber für alle Hamburger Clubs gewinnen.

Hamburg. Der Frust saß tief bei Cito Aufenacker. Da hatten die Hockeyherren des Harvestehuder THC in der vergangenen Saison die Europapokale in Halle und Feld sowie den deutschen Feldmeistertitel gewonnen, und trotzdem kassierte der Clubpräsident in Gesprächen mit potenziellen Sponsoren regelmäßig Abfuhren. Die am meisten angeführte Begründung klang so: „Wir würden uns ja gern im Hockey engagieren, aber wenn wir bei Ihnen einsteigen, dann verscherzen wir es uns mit den anderen Clubs.“ Aufenacker konnte es kaum glauben – und redete sich seine Enttäuschung in einem Gespräch mit der Werbe- und Kommunikationsagentur Jung von Matt (JvM) von der Seele.

Aus dieser Unterhaltung entstand eine Idee, die den Hockeysport in Hamburg auf ein neues Niveau heben könnte, wenn sie funktioniert. JvM/sports hat in den vergangenen Monaten ein Konzept entwickelt, das am Mittwochabend in der Agenturzentrale an der Glashüttenstraße erstmals den Vertretern der Clubs präsentiert wurde. Die Diskussionen darüber dauerten bis nach Redaktionsschluss an.

Und darum geht es: Unter dem Slogan „Hockey Hauptstadt Hamburg“ soll eine Marketingplattform entstehen, die es interessierten Unternehmen ermöglicht, nicht nur einzelne Clubs, sondern den gesamten Hockeysport der Stadt zu unterstützen. „Wir wollen damit die Interessen aller Vereine unter einem kommunikativen Dach bündeln mit dem Ziel, Unternehmen, Medien und die sportbegeisterte Öffentlichkeit für den Sport und seine Erfolge zu gewinnen“, sagt Holger Hansen, Account Direktor bei JvM/sports, „Hockey ist seit Jahren die erfolgreichste Sportart in Hamburg, wird aber nicht ausreichend gewürdigt. Das möchten wir ändern.“

Der Hamburger Hockeyverband hält das Konzept für „eine großartige Chance“

Das Ziel der Initiative ist klar umrissen: Die Spitze ebenso wie die Breite zu erhalten, um die Breite in der Spitze zu fördern und so die Zukunft des Hockeys zu sichern. Um eine möglichst breite Unterstützung für die Idee zu generieren und zu unterstreichen, dass sich nicht nur die drei Erstligisten Uhlenhorster HC, Club an der Alster und HTHC angesprochen fühlen sollten, hatte JvM/sports den Hamburger Hockey-Verband (HHV) in Person von Präsident Ingo Heidebrecht vorab in seine Planungen eingeweiht. Heidebrecht zeigte sich begeistert von der Tatsache, dass mit JvM/sports eine „renommierte Agentur mit einem unvorbelasteten Blick auf unseren Sport das neue Konzept verantwortet“.

Und tatsächlich liegt in der Unvoreingenommenheit der Initiatoren die große Chance, die rivalisierende Hamburger Hockeyszene zu vereinen. Versuche, den Sport mit einer gemeinsamen Vermarktungsstrategie nach vorn zu bringen, gab es in der Vergangenheit einige. Unter dem Motto „Hockey Hochburg Hamburg“ kämpft die in Pinneberg ansässige Deutsche Hockey-Agentur (DHA) seit vielen Jahren um mehr Beachtung für die Medaillen- und Titelsammler mit dem Krummstock, verzweifelte jedoch immer wieder an den internen Animositäten. Die DHA-Chefs Christoph Plass und Olaf Schirle wurden von JvM ebenfalls vorab in die Planungen eingeweiht. Beide halten das Konzept „grundsätzlich für eine sehr gute Idee“, warnten aber vor den Streitigkeiten der Clubs untereinander und sehen auch den Begriff Hockey-Hauptstadt kritisch, da dieser seit 2006 von Mönchengladbach als Standort des Deutschen Hockey-Bundes genutzt wird. „Hamburg ist quantitativer und qualitativer Marktführer, wird deshalb dem Begriff Hauptstadt rational und emotional gerecht“, glaubt Hansen.

Warum die „Hockey Hauptstadt Hamburg“ mehr Erfolg haben könnte als ihre Vorgängerprojekte? Die Vereine können nichts verlieren, sondern nur gewinnen, denn niemand muss wegen eines Sponsors, der die Plattform finanziert, seine eigenen Unterstützer aufgeben. Die Vereine dürfen selbst weiter Sponsoren akquirieren. Natürlich muss der Konkurrenzausschluss – dass beispielsweise eine Bank als Großsponsor einstiege, die im Wettbewerb zu den beim UHC und Alster engagierten Finanzhäusern steht – gewährleistet sein. Auch die Verteilung der generierten Gelder an alle Clubs bedarf eines vertraglich festgelegten Schlüssels. „Aber es geht um einen Mehrwert für alle Vereine und nicht um die Umschichtung bereits bestehender Kontakte. Ich erwarte, dass die Vereine diese Chance sehen“, sagt HHV-Präsident Heidebrecht.

Die einzige Leistung, die von den Clubs erwartet wird, ist die konstruktive Mitarbeit an der Versorgung des geplanten Internetauftritts mit Inhalten. Die Präsenz im weltweiten Netz soll den Sponsoren Reichweite einbringen sowie Fans und Medien mit Informationen versorgen. Wesentlicher Bestandteil der neuen Plattform soll zudem ein Bewegtbildkonzept werden. „Wir wollen, dass mehr über den Sport gesprochen und berichtet wird und dass mehr Publikum zu den Spielen kommt, damit sich für die Sponsoren das Engagement lohnt“, sagt Holger Hansen.

Der Anstoß zur Zukunftssicherung des Hamburger Hockeys ist gemacht. Jetzt sind die Vereine und die Unternehmen am Zug.