Golf

Neuer Schwung für den deutschen Golfnachwuchs

Am Sonntag gastiert die Golf-Bundesliga erstmals in Hamburg. Der Verband erhofft sich von dem neuen Format einen Schub für Olympia 2016 in Rio. Doch manche wünschen sich den Clubpokal zurück.

Hamburg. Ob er diesmal mitspielen darf, wird Thomas Barth erst am Donnerstag wissen. Bis 15 Uhr muss sein Trainer Roger Brown die verbindliche Mannschaftsaufstellung übermittelt haben. „Und von 16 möglichen Spielern dürfen nur acht plus ein Ersatzmann nominiert werden“, weiß Barth. Dabei sein wird er am Sonntag aber auf jeden Fall. Immerhin schlägt die neue Golf-Bundesliga erstmals beim Hamburger GC ab, und in dem gehört Barth nicht nur zum Kader der ersten Herrenmannschaft, sondern verantwortet als Vorstand auch den Leistungssport.

Der wiederum hat bei den Falkensteinern eine Tradition wie in kaum einem anderen Club. 19-mal gewann man die deutsche Mannschaftsmeisterschaft, viermal den Europapokal. In der Bundesliga aber scheint der HGC noch seinen Platz zu suchen. Nach den ersten zwei Spieltagen sind die Herren wie auch die Damen Vierte der Nordgruppe. Bliebe es bis Saisonende dabei, müssten beide Teams absteigen. Aber nicht deshalb hadert mancher im Club mit dem neuen Format. „Viele finden es schade, dass man vom Wettspiel Mann gegen Mann abgerückt ist und stattdessen nur die Ergebnisse addiert“, sagt Barth, „das geht auf Kosten der Spannung.“

Wurde bisher der deutsche Meister an einem verlängerten Wochenende ermittelt, gibt es jetzt eine ganze Saison, an deren Ende die jeweils besten zwei Teams der Nord- und Südgruppe in einem Finalturnier den Titel ausspielen. Der neue Modus stellt die Clubs nicht nur vor eine finanzielle Herausforderung: „Vor allem für unsere älteren, berufstätigen Amateurspieler ist es nicht einfach, bis zu sechs Wochenenden zu investieren“, sagt Barth. Beim Saisonauftakt musste seine Mannschaft gleich zwei Leistungsträger ersetzen. Zwar darf jede Mannschaft auch pro Spieltag einen Profi aufstellen. Doch darf der nicht älter als 25 Jahre alt sein und muss mindestens drei Jahre am Stück Mitglied gewesen sein.

Beim HGC erfüllt derzeit keiner diese Kriterien. Auf die Dauer, das räumt auch Marion Thannhäuser ein, „wird es schwierig, an jedem Spieltag die besten Spieler an den Abschlag zu bringen“. Ihr Sohn Michael wird auch diesmal wieder die weite Reise von seinem Wohnort Genf auf sich nehmen, um das HGC-Team zu verstärken. Aber etablierte Spieler wie den 35-Jährigen hatte der Deutsche Golfverband (DGV) auch nicht im Sinn, als er die Deutsche Golfliga ersann. „Es geht darum, im Hinblick auf die Aufnahme ins olympische Programm 2016 den Leistungssport zu fördern und Nachwuchsleuten über mehrere Spielklassen hinweg die Chance zu geben, sich zu empfehlen“, sagt DGV-Vizepräsidentin Thannhäuser. So führt die Golfliga eine Einzelrangliste, in der sich die Spieler von der Ersten Bundesliga bis zur fünftklassigen Landesliga miteinander messen können.

Barth allerdings hält den Vergleich für problematisch: „Wenn auf dem einen Platz bei Sonnenschein gespielt wird und auf dem anderen bei Wind und Regen, kann man die Ergebnisse nicht übereinanderlegen.“ Und auch was das Wettkampfprogramm angeht, sei noch einiges zu verbessern. Die abschließenden Vierer interessierten selbst die Spieler kaum, weil die Gesamtergebnisse in der Regel bereits feststünden.

Marion Thannhäuser will sich noch auf kein abschließendes Urteil einlassen: „Wir haben noch nicht einmal Halbzeit und werden am Ende der Saison alles gemeinsam mit den Clubs evaluieren.“ Dabei dürfte auch das Geld zur Sprache kommen. Zwar hat der DGV für die Liga einen Titelsponsor (Kramski) gewinnen können. Doch von der finanziellen Unterstützung, die den Clubs einst in Aussicht gestellt worden war, ist keine Rede mehr. Thannhäuser: „Dafür bräuchten wir andere, größere Sponsoren.“

Immerhin: Dem Leistungsgedanken scheint die Liga neuen Schwung gegeben zu haben. „Der Konkurrenzdruck im Team ist schon gestiegen“, sagt Barth. Und das sei allemal im Sinne seines Hamburger Golf-Clubs, der nun schon seit zehn Jahren auf den Meistertitel wartet: „Wir wollen endlich die Dominanz des GC St. Leon-Rot brechen.“ Der Sonntag könnte ein Anfang sein.

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