Die Wintersport-Kolumne

Schweinegrippe-Verdacht bei Friesinger

Eisschnelllauf

Die Gefühlswelten der deutschen Stars lagen beim Weltcup in Hamar so weit auseinander wie nie zuvor. Die weiter gesperrte Olympiasiegerin Claudia Pechstein aus Berlin musste im heimischen Fernsehsessel mit ansehen, wie die Erfurterinnen Stephanie Beckert und Daniela Anschütz-Thoms mit den Podestplätzen zwei und drei sowie tollen Zeiten über 5000 Meter die Olympiatickets buchten. Anni Friesinger-Postma (Inzell) dagegen musste mit Verdacht auf Schweinegrippe vorzeitig den Heimflug antreten. In der Nacht wurde die Weltmeisterin von Fieberkrämpfen und Schweißausbrüchen geschüttelt, nachdem sie schon tags zuvor ihr 1500-m-Rennen hatte absagen müssen. Für ein "Wunder von Hamar", so Teamchef Helge Jasch , sorgte die Berlinerin Katrin Mattscherodt, die in der B-Gruppe in 7:05,01 Minuten schneller war als sieben Läuferinnen der Topgruppe und völlig überraschend den dritten Olympiaplatz für das deutsche Team über 5000 Meter buchte.

Eiskunstlauf

Zweieinhalb Monate vor den Spielen in Vancouver meldeten sich die Paarlaufweltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy mit einer meisterlichen Kür zurück. Beim Grand Prix "Skate Canada" in Kitchener verzauberten die Chemnitzer am Wochenende das Publikum und die Preisrichter mit ihrem Vortrag zur Musik "Jenseits von Afrika". Ein Juror belohnte das Paar mit der erstmals vergebenen Höchstnote 10,0. Bei ihrem ersten Wettkampf in Paris hatten Savchenko/Szolkowy noch einen herben Reinfall erlebt. Ihr Programm "You'll Never Walk Alone" geriet zur Katastrophe. Daraufhin entschlossen sich das Duo und Trainer Ingo Steuer, eine komplett neue Kür einzustudieren.

Ski nordisch

Die deutschen Langläufer verhinderten einen peinlichen Fehlstart in die Olympiasaison mit Platz drei in der 4 x 10-Kilometer-Staffel der Männer. Nachdem der 19 Jahre alte Tim Tscharnke (Biberau) am Sonnabend beim Weltcupauftakt im norwegischen Beitostölen als 21. über 15 Kilometer Freistil noch das beste deutsche Resultat erlaufen hatte, rehabilitierten sich die Routiniers am Sonntag. Jens Filbrich (Frankenhain), Axel Teichmann (Bad Lobenstein ), René Sommerfeldt (Oberwiesenthal) und Tobias Angerer (Vachendorf) kamen hinter Norwegen und Russland ins Ziel. In Erklärungsnot war dagegen der neue Damen-Trainer Janko Neuber. Im Einzel über 10 Kilometer in der freien Technik war Katrin Zeller (Oberstdorf) als 26. mit über zwei Minuten Rückstand auf Siegerin Marit Björgen (Norwegen) beste Deutsche, in der 4 x 5-Kilometer-Staffel kam das Quartett Steffi Böhler (Ibach), Zeller, Evi Sachenbacher-Stehle (Reit im Winkl) und Claudia Nystad (Oberwiesenthal) chancenlos als Fünfter ins Ziel. Bundestrainer Jochen Behle wollte die Ergebnisse nicht zu hoch hängen. "Wir haben auf Vorbereitungsrennen verzichtet und ein hartes Trainingslager gemacht. Da fehlte Wettkampfhärte und Spritzigkeit", sagte der Cheftrainer.

Ski alpin

Maria Rieschs Ärger war schnell verraucht. Schließlich war der "Trostpreis" für die Zweite beim Parallelslalom in Moskau immer noch 13 500 Euro wert. "Ich bin absolut begeistert von dieser tollen Show hier und zufrieden mit dem Ergebnis. Das war ein perfektes Training für die Weltcuprennen in den USA", sagte die Slalom-Weltmeisterin nach ihrem erfolgreichen Kurztrip zum Einladungsrennen in die russische Hauptstadt mit Kreml-Besuch und exklusivem Blick ins Lenin-Mausoleum. Sportlich musste Riesch der Schwedin Therese Borssen knapp den Vortritt lassen. Bei den Männern wurde Marcel Hirscher aus Österreich Nachfolger des nicht gestarteten Felix Neureuther (Partenkirchen), der die erste Auflage am 2. Januar gewonnen hatte.

Bob

Die deutschen Toppilotinnen fahren die Konkurrenz in Grund und Boden - und würdigen sich keines Blickes. Zwischen Cathleen Martini und Sandra Kiriasis herrscht Eiszeit. Grund dafür sind die Wechsel auf der Bremserposition. Die WM-Dritte Martini (Oberbärenburg), die in Lake Placid ihren zweiten Sieg im zweiten Weltcuprennen wieder vor Kiriasis feierte, fährt seit Saisonbeginn mit Romy Logsch, die von der Olympiasiegerin aus Winterberg nach internen Streitereien kurz vor der WM im Februar dieses Jahres gefeuert worden war. Der Wechsel der besten deutschen Anschieberin war auch Auslöser für Janine Tischer, den Job bei Martini zu kündigen und sich eine neue Herausforderung in Winterberg zu suchen. Nach dem "Frauentausch" gewinnt nun die "ewige Zweite" Martini - und Seriensiegerin Kiriasis kocht.