Der FC Augsburg hat sich zum Auftakt des zehnten Spieltages ein 1:1 gegen Werder Bremen erkämpft. Bellinghausens Führung glich Pizarro aus.

Augsburg. Der Finger war angebrochen. Das aber hielt Simon Jentzsch nicht davon ab, für seinen FC Augsburg einen moralisch ganz wichtigen Punkt gegen Werder Bremen festzuhalten. Der Keeper glänzte beim 1:1 (0:0) am Freitagabend mehrfach. Eine Woche nach dem ersten Bundesligasieg verpasste der Aufsteiger den ersten Sieg im eigenen Stadion.

Axel Bellinghausen brachte Augsburg am 70. Geburtstag von Vereinspräsident Walther Seinsch in der 49. Minute in Führung. Claudio Pizarro verhinderte vor 30 660 Zuschauern in der ausverkauften Augsburger Arena mit seinem siebten Saisontor die dritte Bremer Niederlage in Serie (68.). Anschließend vereitelte Jentzsch mit zwei Glanztaten jeweils gegen Pizarro (75./81.) einen möglichen Bremer Sieg.

„Die vielen Torchancen, die wir heute hatten, irgendein Ding hätte reingemusst. Dann wäre es leichter geworden. Es hat gedauert, bis wir dominiert hatten. Und dann hatten wir genug Chancen, um zu gewinnen“, sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf. „Daran müssen wir arbeiten. Die zweite Halbzeit war dann okay.“ Sein Augsburger Kollege Jos Luhukay gestand: „Das 1:1 war sehr glücklich. Nach der 60. Minute hatten wir nur nach hinten gespielt. Wir sind glücklich, dass Simon uns den Punkt gerettet hat.“

Luhukay hatte das Siegerteam von Mainz aufgeboten – inklusive Jentzsch. Der Routinier hatte sich beim 1:0 vor einer Woche den Ringfinger an der rechten Hand angebrochen. Mit einem Spezialhandschuh wagte er einen Einsatz – und das Risiko machte sich bezahlt. „Es war schmerzhaft. Unser Doc hat den Finger angespritzt, um ihn zu betäuben. Ich wollte unbedingt gespielt“, meinte Jentzsch. Die Ärzte hätten „Sonderschichten geschoben, um mir zu helfen“.

Schon in der 21. Minute konnte er mit der verletzten Hand einen Kopfball von Markus Rosenberg reaktionsschnell an die Torlatte lenken. „Das tut schon weh beim Zugucken“, meinte Augsburgs Manager Andreas Rettig in der Pause. Für die Bremer war es bereits der neunte Aluminiumtreffer in dieser Saison.

Mit einer Systemumstellung auf zwei defensive Dreierketten boten die Augsburger den Bremern wenig Raum für Kombinationen. Werder tat sich schwer, Lücken zu finden. Rosenberg boten sich noch die besten Möglichkeiten, aber auch nach einer Ablage von Claudio Pizarro schoss der Stürmer aus wenigen Metern über das Augsburger Gehäuse (45.).

Die Gastgeber kämpften aufopferungsvoll und starteten aus ihrer massierten Defensive immer wieder schnelle Gegenangriffe, bei denen Sascha Mölders und Bellinghausen im Blickpunkt standen. Dreimal legte Mölders seinem Teamkollegen Großchancen auf. Bei der ersten ließ sich der zögerliche Bellinghausen noch von Naldo stoppen (27.). Dann scheiterte der Mittelfeldspieler mit einem Flachschuss am glänzend reagierenden Nationalspieler Tim Wiese, der nach abgelaufener Rot-Sperre erstmals wieder im Werder-Tor stand (34.).

Kurz nach der Pause machte Bellinghausen dann im dritten Anlauf alles richtig. Nach einem kapitalen Ballverlust von Abwehrspieler Andreas Wolf gegen Mölders zielte Bellinghausen nach dessen Vorlage mit dem linken Fuß unhaltbar für Wiese ins lange Eck. „Ich muss ihm sicher nicht sagen, dass er einen Fehler gemacht hat“, sagte Wolfs Trainer Schaaf. „Es geht jetzt weiter.“

Der Werder-Coach reagierte sofort auf den Rückstand und verstärkte mit der Hereinnahme von Sandro Wagner als drittem Stürmer die Offensive. Nach einer Ecke und Kopfballverlängerung von Rosenberg köpfte Pizarro aus kurzer Distanz ein. Werder drängte jetzt, aber Pizarro fand in Jentzsch seinen Meister.