NBA-Finale

Dirk Nowitzki vor seinem größten Wurf

Den Dallas Mavericks fehlt nur noch ein Sieg in Miami zum ersten NBA-Titelgewinn. Der deutsche Dirk Nowitzki war erneut bester Werfer.

Dallas. Als Dirk Nowitzki, 32, unten auf dem Parkett die Arme nach oben riss, kochte oben auf den Tribünen die Stimmung endgültig über. Die 20.433 Fans jubelten den Dallas Mavericks von den Rängen zu, schrien inbrünstig "Beat the Heat" und zeigten voller Stolz ihre blauen T-Shirts mit der Aufschrift "The Time is now".

Es ist an der Zeit für das Team um den deutschen Basketballstar, und nach dem 112:103-Sieg im fünften Spiel der der NBA-Finalserie gegen die Miami Heat sind die Mavericks dem Titel so nah wie noch nie. "Am Rande zum Ruhm", titelten die "Dallas Morning News" am Freitag. Schon in der Nacht zum Pfingstmontag (2 Uhr MESZ/Sport1+) könnten die Texaner mit einem Erfolg in Florida den nötigen vierten Sieg holen, damit den ersten Triumph der Vereinsgeschichte perfekt machen - und gleichzeitig Revanche für das verlorene Finale von 2006 nehmen.

Nowitzki hat jetzt eine Hand am Meisterring, doch "Big D" bleibt mit beiden Füßen auf dem Boden: "Gefeiert wird, wenn wir den vierten Sieg holen. Ansonsten war alles umsonst." Mit einer 3:2-Führung im Gepäck sind die Mavericks am Freitagnachmittag Richtung Miami abgehoben, mit der Trophäe an Bord des Flugzeuges soll es möglichst bald zurückgehen.

Zwei Matchbälle, den möglichen zweiten in der Nacht zum Mittwoch (3 Uhr MESZ), haben sich die Mavericks durch den Erfolg im dritten und letzten Heimspiel der Best-of-seven-Serie erarbeitet. Geht es nach Nowitzki, sitzt gleich der erste. "Wir wollen das Momentum nicht wieder hergeben. Du willst denen kein neues Leben geben."

Angetrieben von den Zuschauern im American Airlines Center bot Dallas im letzten Heimspiel der Saison den eigenen Fans seine bislang beste Vorstellung. Mit "Normaltemperatur" lief Nowitzki heiß, nachdem er sich in der Nacht zum Mittwoch von 39 Grad Fieber geschwächt mehr oder weniger durch das vierte Spiel gekämpft hatte. Laute "MVP"-Rufe - MVP ist die traditionelle Auszeichnung der NBA für den wertvollsten Spieler - schallten von den Rängen, wenn der "Blonde" an die Freiwurflinie trat, und Nowitzki verwandelte gewohnt sicher alle zehn Versuche. Mit 29 Punkten war der gebürtige Würzburger bester Werfer auf dem Parkett, auch seine Teamkollegen setzten sich diesmal ausgezeichnet in Szene, selbst in der Schlussphase. Jason Terry verbuchte 21 Zähler, Tyson Chandler (13), Jason Kidd (13) und J.J. Barea (17) zeigten sich ebenfalls treffsicher. Besonders von der Dreipunktelinie, 7,23 Meter vom Korb entfernt, taten die Mavericks dem Gegner weh. 13 von 19 Versuchen (68,4 Prozent) fanden ihr Ziel.

Miami dagegen offenbarte in der viel gerühmten Abwehr Schwächen, außerdem kämpfte Dwyane Wade nach einem Foul fast über die gesamte Spieldauer mit Hüftproblemen und war nicht so effektiv wie in den vorherigen Begegnungen. Dazu ließ LeBron James seinen großen Ankündigungen keine Taten folgen. Der siebenmalige Allstar blieb trotz eines Triple-Double (17 Punkte, 10 Rebounds, 10 Assists) erneut ein Schatten seiner selbst.

Nowitzki lobte nach dem Erfolg vor allem das Publikum. "Die Fans waren super. Sie haben uns immer nach vorne gepusht, der Sieg heute war auch für sie", sagte der Topscorer der Mavericks. Miami verkaufte sich auswärts erneut unter Wert, allein deshalb rechnet Nowitzki mit einer Reaktion: "Die werden alles dransetzen vor heimischer Kulisse, sie werden mit viel Energie spielen. Wir müssen es wie ein siebtes Spiel angehen. Wir wollen diesem großen Team keine Hoffnung geben." Die hartnäckige Erkältung ist für Nowitzki auf dem Weg zur Erfüllung seines Traums kein Thema mehr: "Das Fieber ist weg, Husten und Schnupfen werden wohl eine Weile bleiben. Aber das ist nebensächlich, es sind ja schließlich die Finals."

Das Gespött des Gegners registrierte er mit einem milden Lächeln. Miamis LeBron James und Dwyane Wade hatten sich nach dem Morgentraining beim Verlassen der Arena noch über Nowitzkis Grippe lustig gemacht. Der hatte beim 86:83-Sieg in Spiel vier mit 39 Grad Fieber gespielt. "Habt ihr mich husten gehört? Heißt das jetzt, dass ich krank bin?", fragte Wade in eine TV-Kamera, nachdem er in seine rechte Hand keuchte. Als er sich zu James umdrehte, hüstelte auch dieser zweimal los.

Die Mavericks, frei übersetzt: die Rebellen, reisen mit breiter Brust nach Miami. Dass sie unter Druck erfolgreich sein können, bewiesen sie einmal mehr in der Schlussphase. Denn 4:37 Minuten vor dem Ende lagen die Heat mit 99:95 vorn, ehe Dallas unter dem ohrenbetäubenden Lärm der Fans mit einem 17:4-Schlussspurt zum dritten Mal in den Endspielen ein Match drehte. "Da zahlt sich dann aus, dass wir erfahrene Leute haben, die viel in der Liga durchgemacht haben und in solchen Situationen keine Panik kriegen", sagte Nowitzki. Endlich war er in der entscheidenden Phase nicht mehr auf sich allein gestellt, sondern konnte sich auf Jason Kidd und Jason Terry verlassen. Der "Jet" erzielte in den letzten dreieinhalb Minuten acht seiner 21 Zähler und versprach vor dem Trip Richtung South Beach: "Wir werden spielen, als wenn es kein Morgen mehr gibt." Das scheint auch notwendig. Die Heat haben in den laufenden Play-offs erst ein Heimspiel verloren - gegen Dallas. "Daran müssen wir sie schnell erinnern", sagt Nowitzki, "wenn du nicht verlieren darfst, bist du nicht mehr ganz so cool wie sonst."

Für das letzte Saisonspiel mussten die gewöhnlich betuchten Fans der Mavericks übrigens tief ins Portemonnaie greifen. 340 Dollar (235 Euro) kostete das billigste Ticket, das am Donnerstag vier Stunden vor dem Tipp-off des fünften Spiels gegen die Miami Heat über die offizielle Website zu ergattern war. Allerdings gibt es die Karten nur als Paar, dazu kommt eine Bearbeitungsgebühr (170 Dollar/117 Euro) und eine Abholgebühr (10 Dollar, 7 Euro). Das Gesamtpaket schlägt also mit 860 Dollar (594 Euro) zu Buche. Im unteren Rang auf Höhe der Mittellinie gab es zwei Karten inklusive "Nebenkosten" für 7822,50 Dollar (5407 Euro). Doch es geht natürlich noch deutlich teurer. Zwei Sitzplätze in der ersten Reihe auf Höhe der Freiwurflinie waren inklusive aller Gebühren für 45 322,50 Dollar (31 332 Euro) zu haben. Die gute Nachricht: Bei diesem Paket waren Parken, Essen und Trinken gratis.