Schwimmen

Weltcup in Berlin: Der Auftritt eines Traumpaares

Olympiasiegerin Steffen und Weltmeister Biedermann übten ihre Rolle für die Presse. Seit 17 Monaten führen sie eine Beziehung.

Berlin. Hinterherzuschwimmen in den Wellenausläufern der Führenden, das wollte Britta Steffen, 26, unter allen Umständen vermeiden. Sie ist es gewohnt, von der Spitze weg im glatten Wasser die Strömung selbst zu beeinflussen, doch diesmal schwappte ihr eine nasse Ladung mitten ins Gesicht. Sie verschluckte sich kurz vor der Wende des 50-Meter-Freistilrennens, kam aus dem Rhythmus und stellte im Anschluss fest: "Ich verirrte mich danach etwas unter Wasser." Am Ende strandete sie beim Kurzbahn-Weltcup in Berlin als Vierte, aber sie war um eine Erfahrung reicher. "Ich hatte mir die Sache anders vorgestellt", sagte Steffen.

Auf eine Niederlage hatte sich die zweimalige Olympiasiegerin von 2008 eingestellt, immerhin war sie die vergangenen 15 Monate dem Wettkampfgeschehen ferngeblieben. Als Hinkelien Schreuder aus den Niederlanden, die Berlinerin Dorothea Brandt und die Schwedin Therese Alshammar nach 50 Metern vor ihr anschlugen, beschlich sie aber doch "ein beschissenes Gefühl. Wer verliert schon gern?", sagte sie und rang sich ein Lächeln ab. Am Sonntag bestätigte sich ihre Bestandsaufnahme. Auf der letzten Bahn über 100 Meter fingen die Oberschenkel fürchterlich zu brennen an. Ihr blieb als Sechste in 54,27 Sekunden die Erkenntnis, "das Beste versucht" zu haben. Fair gestand sie ein, dass die Zeit der niederländischen Siegerin Femke Heemskerk (51,96) "das Maß aller Dinge" ist. "Es wäre ja auch eine Frechheit gewesen, nach fünf Wochen Training zu glauben, an Femkes Leistung anzuknüpfen." Das Comeback verlieh ihr zwar einen neuen Motivationsschub. "Ich habe das Kribbeln wieder gespürt. Früher war mein erster Gedanke immer: Lass das bloß schnell wieder vorbei sein. Aber genau danach habe ich mich so lange gesehnt." Doch selbst in drei bis vier Monaten, schwante es Steffen, erreiche sie erst 80 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit.

Mit 23,30 Sekunden über 50 Meter hatte sie im Vorlauf die Norm für die Kurzbahn-EM Ende des Monats in Eindhoven deutlich unterboten, im Finale war sie allerdings über eine Sekunde langsamer. Wann sie zuletzt während eines Wettkampfes Wasser schlucken musste, wusste sie nicht mehr. "Das spricht dafür, dass ich nicht so konzentriert wie sonst war", sagte Steffen. "Das hat mich mehrere Zehntel gekostet."

Es gab einen naheliegenden Grund, der Steffen auch neben dem Becken Energie abverlangte. Im Sommer bei den Europameisterschaften in Budapest verfolgte sie die Silber- und Goldmedaillenrennen ihres Freundes Paul Biedermann, 24, als Tribünengast, in Berlin am Wochenende zogen sie nacheinander ihre Bahnen. In den Pausen standen sie Arm in Arm am Aufwärmbecken und amüsierten sich auf der Pressetribüne sitzend über den Aufmarsch der Fotografen, die nach Gesten der Zuneigung gierten. "Ich glaube", entfuhr es Biedermann nach seinem Sieg über 200 Meter Freistil, "dass wir den Auftritt ganz gut gelöst haben. Ein Glamourpaar werden wir aber nie sein."

Auch Steffen wunderte sich, dass sie als Teil eines untrennbaren Gespanns wahrgenommen werde. Die Liaison mit Weltmeister Biedermann aus Halle an der Saale hat die beiden für Sponsoren und für die Hochglanzpresse noch interessanter gemacht. Der "Bunten" etwa gewährte Steffen private Einblicke, gab sich als patente Hausfrau, die ihrem Paul Kassler im Brotteig zubereitet, und ließ sich über ihre Familienplanung aus. Zwei bis drei Jahre traut sie sich noch Spitzenleistungen zu, ehe sie mit Biedermann Kinder bekommen will. "Das ist jetzt die schönste Zeit meines Lebens, und ich bin dankbar, dass ich das erleben darf." Es gehe doch darum, ein gutes und schönes Leben zu führen, sagt Britta Steffen.

Steffen und Biedermann verließen die Schwimmhalle im Gefühl, noch viel Arbeit vor sich zu haben, bevor 2011 und 2012 Weltmeisterschaften und Olympische Spiele anstehen. Biedermann fuchsen seine technischen Fehler, selbst wenn er auch über 400 Meter Freistil reüssierte. "Ich könnte ausrasten, wenn ich meine Fehler bemerke."

Der Aufwand, den Steffen in den kommenden Wochen betreiben muss, dürfte noch größer sein. "Ich habe hier einen Anfang gemacht", bekannte sie.