Leichtathletik-EM

Gold: Sailer schnellste Frau Europas - auch Stahl gewinnt

| Lesedauer: 4 Minuten
Gerd Holzbach und Oliver Görz

Verena Sailer gewinnt Gold über 100 Meter, auch im Speerwerfen holen Linda Stahl und Christina Obergföll einen Doppelsieg.

Barcelona. Medaillenregen am Donnerstag: Mit zwei Sensationssiegen und drei Medaillen binnen fünf Minuten haben Deutschlands Leichtathleten ihre Pleitenserie am 3. EM-Tag von Barcelona gestoppt. Erst gewann Verena Sailer (Mannheim) in 11,10 Sekunden trotz Gegenwind das erste deutsche 100-m-Gold seit Katrin Krabbe 1990. Dann siegte Linda Stahl, die wie ihre Vorgängerin Steffi Nerius in Leverkusen bei Helge Zöllkau trainiert, mit 66,81 m sensationell mit dem Speer. Den Triumph komplettierte Christina Obergföll (Offenburg) durch Silber mit 65,58 m.

«Sowas ist unglaublich. Dass ich Europameisterin bin, ist so ein Wahnsinn. Ich freue mich schon so sehr, die Hymne zu hören», meinte Verena Sailer, die schon 2009 als WM-Halbfinalistin in Berlin schnellste Europäerin und Weiße gewesen war. Im Finale von Barcelona schlug die Dritte der Hallen-EM ein französisches Duo: In 11,11 wurde Veronique Mang Zweite, in 11,18 gab es Bronze für Myriam Soumare.

Verena Sailer, U20-Weltmeisterin von 2007, gewann damit die erste deutsche Sprint-Medaille einer deutschen Frau seit Melanie Paschkes Bronze 1994 in Helsinki. Auch die schwarzen Rivalinnen im Finale schreckten die gebürtige Allgäuerin nicht. Die frühere Turnerin, Schützling von Valerij Bauer, sagt ohnehin: «Ich glaube nicht, dass ich weniger Talent habe, nur weil ich weiß bin.»

«Unglaublich, dass Linda jetzt die Nachfolgerin von Steffi ist», meinte Helge Zöllkau freudestrahlend, während die im Vorjahr zurückgetretene Weltmeisterin den Triumph der Klubkameradin als Co-Kommentatorin im Fernsehen erlebte.

Medizinstudentin Linda Stahl (24) galt schon seit Jahren als große Hoffnung, doch eine Medaille hatte die bisher mit einer Bestleistung von 66,06 m verzeichnete WM-Sechste aus Leverkusen bisher noch nie gewonnen. Selbst bei den deutschen Meisterschaften war sie nur Dritte gewesen beim Sieg ihrer Klubkameradin Katharina Molitor, die mit 63,81 m EM-Vierte wurde hinter Tschechiens Olympiasiegerin und Weltrekordlerin Barbora Spotakova (65,36).

Christina Obergföll, die Deutschlands Leichtathleten 2008 mit ihrem Speerwurf-Bronze in Peking vor der totalen Medaillenpleite gerettet hatte, blieb dagegen erneut der erste große Titel versagt. Schon zweimal war sie Vize-Weltmeisterin. «Endlich die erste EM-Medaille. Auch wenn ich von der Weite her meine Erwartungen nicht erreichen konnte», meinte Christina Obergföll, die 2006 beim Speertriumph von Steffi Nerius in Göteborg Vierte geworden war.

Im Hochsprung gewann Alexander Schustow mit 2,33 m das dritte russische Gold, im Dreisprung Weltmeister Phillips Idowu mit 17,81 m den zweiten britischen, im Zehnkampf Romain Barras (8453) den zweiten französischen Titel. Dabei war erstmals bei einer internationalen Meisterschaft kein Deutscher am Start.

Stunden zuvor hatte Hallen-Vizeweltmeister Malte Mohr im Stabhochsprung die Zahl der deutschen Erstrundenausfälle auf zehn erhölt. Er meinte zu seinem Scheitern: «Ich habe beim letzten Versuch auf einen härteren Stab gewechselt, aber dann hat mich eine Bö erwischt.» Raphael Holzdeppe (Zweibrücken), der mit ihm zusammen an Position zwei der Europarangliste steht (5,80 m), schaffte ebenso Fabian Schulze (München) mit 5,65 m den Finaleinzug.

Auf der Strecke blieben Dreispringerin Katja Demut (Jena) mit drei ungültigen Versuchen in der Qualifikation sowie Daniel Schnelting (Rhede) im 200-m-Vorlauf als Vierter in 20,98 Sekunden. Ähnlich schwach scheiterte am Abend im Halbfinale Sebastian Ernst (Wattenscheid) als Letzter in 20,95 und meinte: «Ein Albtraum. Peinlich.» Den anderen Lauf gewann Frankreichs neuer Star Christoph Lemaitre 22 Stunden nach dem 100-m-Triumph in 20,39.

PLEITENSERIE DER DSV-ATHLETEN

18 Jahre nach dem 5000-m-Olympiasieg von Dieter Baumann an gleicher Stelle schaffte dessen Schützling Arne Gabius auf der dieser Distanz in 13:39,78 als Vorlaufsiebter den Einzug ins Finale am Samstag. Ins 110-m-Hürden-Halbfinale am Freitag zogen der deutsche Meister Martin Bühler (Offenburg) in 13,62 Sekunden und Alexander John (Leipzig) ebenfalls als Vierter seines Laufes in 13, 61 ein.

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