Olympia 2012

Hamburger Kandidaten: Auf dem Sprung nach London

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Von Beachvolleyball bis Schwimmen - Das sind die 57 Hamburger Kandidaten für die Olympischen Sommerspiele 2012 und die Paralympics.

Hamburg/London. Am 27. Juli beginnen die Olympischen Sommerspiele in London (bis 12. August), 17 Tage nach deren Ende die Paralympics (29. August bis 9. September). Am 14. Mai nominiert der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die ersten Sportler für seine Olympiamannschaft, am 9. Juli die letzten. 57 Hamburger dürfen sich Hoffnungen machen, an den Spielen teilzunehmen. 2008 in Peking waren 25 Hamburger dabei: 20 bei den Sommerspielen, fünf bei den Paralympics.

Beachvolleyball

Die HSV-Duos Jana Köhler/Julia Sude und David Klemperer/Eric Koreng liegen auf Rang drei der nationalen Ausscheidung. Je zwei Teams dürfen bei Männern und Frauen nach London. Die besten zwölf internationalen Ergebnisse seit April 2011 kommen in die Wertung. Bis zur Nominierung am 17. Juni stehen sechs Turniere der Welttour und die EM in Den Haag aus. Köhler, 26, und Sude, 24, können die an zwei platzierten Katrin Holtwick/Ilka Semmler aus Essen abfangen, wenn sie bei mindestens zwei Turnieren ins Halbfinale kommen, ihre Konkurrentinnen aber nicht. Die Ranglistenersten Sara Goller/Laura Ludwig, die in Hamburg leben und trainieren, aber für Hertha BSC spielen, sind fast sicher qualifiziert. Klemperer 31, und Koreng, 30, fehlt wohl die Form, um an den Berlinern Jonathan Erdmann/Kai Matysik vorbeizuziehen.

Boxen

Vom 13. bis 22. April werden bei der Europa-Qualifikation im türkischen Trabzon die letzten 26 Olympiatickets bei den Männern vergeben. Der deutsche Meister Artem Harutyunyan, 21, TH Eilbeck, gilt in der Klasse bis 64 kg als chancenreich, auch wenn es hier nur noch einen freien Platz für Europa gibt.

Hockey

Die Hockeyteams sind die beiden einzigen Mannschaften, die bereits für London qualifiziert sind. Damen-Bundestrainer Michael Behrmann wird seinen 18er-Kader am 4. Juli dem DOSB melden. Bis dahin stehen mehrere Kurzlehrgänge an. Letzte Aufschlüsse will Behrmann bei einem Sechsnationenturnier in London (5.-10. Juni) sammeln. Mit Kristina Reynolds, Céline Wilde (beide Klipper), Tina Schütze (Alster), Yvonne Frank, Lisa Hahn, Janne Müller-Wieland, Jana Teschke, Kristina Hillmann, Eileen Hoffmann, Jennifer Plass und Marie Mävers (alle Uhlenhorster HC) haben elf Hamburgerinnen gute Olympiachancen. Als sicher gelten Reynolds und Schütze. Herren-Bundestrainer Markus Weise, der wie Behrmann in Hamburg lebt, wird sein Aufgebot ebenfalls am 4. Juli dem DOSB melden. Auch er bittet seinen erweiterten Kader zu einigen Lehrgängen, bis vom 22. bis 24. Juni in Düsseldorf beim Viernationenturnier die Entscheidungen fallen. Torhüter Tim Jessulat (Alster), Tobias Hauke (Harvestehuder THC), Moritz Fürste, Florian Fuchs, Nico Jacobi und Oliver Korn (alle UHC) dürfen sich berechtigte Hoffnungen auf ein London-Ticket machen. UHC-Torjäger Marco Miltkau gilt als Nachrücker-Kandidat.

Judo

Martyna Trajdos, 22, vom ETV muss bei der EM vom 18. bis 21. April in Tscheljabinsk (Russland) in der Klasse bis 63 Kilo eine Topplatzierung erreichen. Die ersten 14 der Weltrangliste sind qualifiziert, Trajdos ist 23.

Leichtathletik

Wer den Sprung nach London schaffen will, muss zwischen 1. Mai und 8. Juli die erste DLV-Norm einmalig erfüllen. Im Weitsprung (8,20 Meter) liegt sie unter den persönlichen Bestleistungen von Nils Winter vom Buxtehuder SV (8,21) und Halleneuropameister Sebastian Bayer (8,49). Mario Kral (7,99) hat nur eine Außenseiterchance. Auch Nadja Käther (6,66) und Anika Leipold (6,67) müssten sich deutlich steigern. Helge Schwarzer (alle HSV) sollte dagegen die Norm über 110 Meter Hürden (13,49 Sekunden) schaffen, wenn er seine Hallenform konserviert. Gute Chancen hat auch Jana Sussmann (LT Haspa-Marathon). Die deutsche Meisterin über 3000 Meter Hindernis muss ihre Bestzeit um vier Sekunden auf 9:39 Minuten verbessern, um in London dabei zu sein. Diskuswerfer Markus Münch (LG Wedel-Pinneberg) gilt als sicherer Olympiakandidat. Die Normweite von 65 Metern hatte er 2011 fünfmal übertroffen.

Radsport

Nikias Arndt, 21, von der RG Hamburg, der derzeit in Cottbus lebt, kämpft bei der WM in Melbourne gerade um seine Olympiachance im Omnium, einem Vierkampf aus Sprint, Zeitfahren, Punkte- und Ausscheidungsfahren. Sein Konkurrent Roger Kluge (Cottbus) ist bei der WM nicht am Start. Arndt, vom ehemaligen Jan-Ullrich-Manager Wolfgang Strohband (RG Hamburg) beraten, überraschte kürzlich beim Weltcup in Peking als Dritter. Bundestrainer Sven Meyer trifft im Mai die Entscheidung. Sie dürfte für Arndt ausfallen, sollte der gebürtigen Buchholzer in Melbourne eine Medaille gewinnen.

Reiten

Die Mannschafts-Weltmeister Carsten-Otto Nagel, 49, aus Wedel und die gebürtige Hamburgerin Janne Friederike Meyer, 31, aus Schenefeld stehen bei Bundestrainer Otto Becker hoch im Kurs. Nach dem letzten Eindruck beim CHIO in Aachen (29. Juni bis 8. Juli) will Becker seine Equipe dem DOSB zur Nominierung vorschlagen.

Rhythmische Sportgymnastik

Nicole Müller, 17, vom SV Nettelnburg-Allermöhe, die in Fellbach trainiert, gehört zur deutschen Gruppe, die sich bei der WM 2011 in Montpellier mit Platz sechs für Olympia qualifiziert hat. Müller ist aber momentan verletzt.

Rudern

Das erste Etappenziel haben Hamburgs Olympiakandidaten erreicht. Achterweltmeister Eric Johannesen (RC Bergedorf) schaffte beim Zweiertest vor zehn Tagen in Duisburg mit seinem Berliner Partner Andreas Kuffner die zweitbeste Zeit. Bastian Seibt (Hamburger und Germania RC) und Lars Wichert (RC Allemannia) konnten bei den Leichtgewichten die Ausscheidung sogar gewinnen. Sollten sie diese Ergebnisse bei der zweiten Kleinbootüberprüfung am übernächsten Wochenende in Köln bestätigen, hätten sie das Ticket zu den olympischen Wettkämpfen auf dem Dorney Lake des Eton College sicher. Kay Rückbrodt (Hamburger und Germania) kann auf eine Nominierung als Achterersatzmann hoffen.

Segeln

Die meisten Startplätze wurden mit der WM im Dezember in Perth vergeben. Als reines Hamburger Boot ist der 470er von Kathrin Kadelbach/Friederike Belcher nominiert. Allerdings fechten ihre bayerischen Rivalinnen Tina Lutz/Susann Beucke diese Entscheidung an. Für den 18. April ist ein Gütetermin vor dem Landgericht Hamburg angesetzt. Weiter sind vom Norddeutschen Regatta-Verein noch die Starboot-Vizeweltmeister Robert Stanjek/Frithjof Kleen sowie Tobias Schadewaldt/Hannes Baumann im 49er bei den olympischen Regatten vor Weymouth vertreten.

Trampolinturnen

Für Daniel Schmidt, 20, Bramfelder SV, ist der Zug nach London wohl abgefahren. Der Doppeleuropameister im Doppel-Mini-Tramp konnte sich für die EM kommende Woche in St. Petersburg auf dem Großgerät nur für den Synchronwettbewerb qualifizieren. Nur wenn einer der vier im olympischen Einzel gesetzten Deutschen dort ausfallen sollte und Schmidt als Nachrücker eine Topplatzierung gelingt, könnte er Ex-Weltmeister Henrik Stehlik (Salzgitter) noch den Olympiastart streitig machen.

Schwimmen

Steffen Deibler, 24, und sein Bruder Markus, 22, haben zwei Chancen, die Normzeiten für London zu erfüllen: bei den deutschen Meisterschaften vom 10. bis 13. Mai in Berlin und bei der EM im ungarischen Debrecen (21.-27. Mai), für die sich die Hamburger im März qualifizierten. Beide Deiblers sind Kandidaten für die Staffeln und peilen einen Olympiastart über 100 Meter Freistil an, Steffen dazu über 100 Meter Schmetterling, Markus über 200 Meter Lagen. Pro Strecke qualifizieren sich maximal zwei deutsche Schwimmer für London, je vier für die Staffeln. Außenseiterchancen hat Morten Ahme, 21, der sich über 400 Meter Lagen stark verbesserte.

Paralympics

Die Rollstuhlbasketballerinnen Edina Müller, Nadine Bahr und Maya Lindholm vom HSV dürfen mit ihrer Nominierung rechnen und haben in London Medaillenchancen. Segler Heiko Kröger (NRV), Ruderer Kai Kruse (RG Hansa), Schwimmerin Imke Paust und Handbikerin Dorothee Vieth (beide HSV) sollten ebenfalls dabei sein.

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