Hallenhockey

Nord-Süd-Zwist: Streit um die Damen-Endrunde

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Björn Jensen

Der Ausrichter Berliner HC weigert sich, zum geplanten Termin gegen den Club an der Alster zum Duell um den Hallenhockeytitel anzutreten.

Hamburg. Lea Loitsch war die Erste, die den bei Sportlern, die sich für ein Endspiel in der Hauptstadt qualifiziert haben, so beliebten Gesang anstimmte. "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin", brüllte die Abwehrspielerin des Clubs an der Alster , nachdem der Nordmeister am Sonnabend durch ein 7:3 gegen den Münchner SC die Qualifikation für die Endrunde um die deutsche Hallenhockey-Meisterschaft geschafft hatte. Das Problem ist: Die Reise nach Berlin können sich Alsters Damen möglicherweise trotzdem sparen, denn es sieht danach aus, dass der Titel nicht am dafür vorgesehenen Termin 21./22. Januar ausgespielt wird.

Ausgerechnet Ausrichter Berliner HC, der sein Viertelfinale 12:3 gegen Etuf Essen gewann und Alsters Halbfinalgegner ist, weigert sich, an jenem Wochenende anzutreten. Grund dafür ist die Abstellung von vier Spielerinnen aus der Hallen-Stammfünf für die A-Nationalmannschaft. Diese bereitet sich vom 16. bis 24. Januar in Chile auf die Champions Trophy vor, die am 28. Januar im argentinischen Rosario beginnt. "Für uns ist das eine Wettbewerbsverzerrung, die wir nicht hinnehmen werden. Eine Endrunde komplett ohne Nationalspielerinnen zu absolvieren, das widerspricht jeglichem Sportsgeist und ist auch vor den Zuschauern nicht zu rechtfertigen", sagt Horst Buhr, Hockeyvorstand des BHC.

Man habe den Deutschen Hockey-Bund (DHB) bereits vor Monaten auf die Problematik aufmerksam gemacht, aber erst kurz vor Weihnachten eine Antwort erhalten. Tenor: Die Lage sei bedauerlich, aber nicht zu ändern. "Wir wollen Streit vermeiden, aber das können wir nicht auf uns sitzen lassen", sagt Buhr. Die Spielordnung gibt ihm recht. In Paragraf neun ist unter Absatz eins die Abstellungspflicht festgeschrieben, in Absatz zwei allerdings auch das Recht, im Fall einer Abstellung nicht zu Meisterschaftsspielen antreten zu müssen.

Unverständnis herrscht bei den Trainern der qualifizierten Teams besonders darüber, dass Bundestrainer Michael Behrmann keine Bereitschaft zeigt, die betroffenen Spielerinnen nachreisen zu lassen. Alster-Trainer Jens George, der mit Tina Schütze lediglich einen Ausfall zu verkraften hätte, sagte: "Der DHB ist jetzt gefordert, endlich klar Position zu beziehen und den Bundestrainer in die Schranken zu weisen. Dass das Problem monatelang ausgesessen wird, ist eine Frechheit. Die Nationalmannschaft ist wichtig, keine Frage, aber man muss auch auf die Bedürfnisse der Klubs Rücksicht nehmen." Behrmann verweist darauf, dass im Falle eines Nachreisens die Akklimatisierung zu kurz kommen und dadurch eine erhöhte Verletzungsgefahr bestehen würde. "Ich habe vor Wochen jeder Spielerin freigestellt, die Endrunde zu spielen. Aber ich lasse niemanden nachfliegen", bekräftigte er gestern gegenüber dem Abendblatt.

Als Alternativlösung bot Alster-Präsident Karl Ness bereits an, den BHC, der am 21./22. Januar in jedem Fall die Herren-Endrunde ausrichten wird, zu entlasten und das Final Four der Damen am 11./12. Februar in Hamburg auszutragen. "Wir haben eine Woche danach den Europapokal der Männer und hätten deshalb die nötige Infrastruktur, um so eine Meisterschaft kurzfristig zu stemmen", sagte er. George könnte sich mit dieser Lösung nur sehr schwer anfreunden. "Das würde bedeuten, dass wir vier Wochen länger als geplant in der Halle trainieren müssten. Das wäre eine Katastrophe."

Kais Al Saadi sieht dagegen die Klubs in der Pflicht, ihre Nationalspielerinnen zu schützen. Der Trainer des Uhlenhorster HC, der am Sonnabend 3:4 beim TSV Mannheim unterlag, hätte acht Stammkräfte ersetzen müssen. "Dennoch haben wir uns lange vorher darüber abgestimmt, dass wir mit einem Kindergarten in Berlin angetreten wären. Das ist doch für die, die nachrücken, eine tolle Sache", sagt er. Den jetzt protestierenden Klubverantwortlichen gehe es vorrangig um persönliche Eitelkeiten. Allen sei klar gewesen, dass die Hallensaison unter dem Terminzwang des Weltverbands leiden würde.

Die Herren haben ihre Champions Trophy im Dezember absolviert und können deshalb in Bestbesetzung zum vereinbarten Termin in Berlin antreten. Hamburg ist mit Nordmeister Uhlenhorster HC vertreten, der sich in einem selten hochklassigen, dafür aber sehr spannenden Viertelfinale gegen Süd-Aufsteiger Frankfurt 1880 erst im Siebenmeterschießen durchsetzte. Im Halbfinale trifft der Vorjahresfinalist am 21. Januar auf Uhlenhorst Mülheim. "Das war ein hartes Stück Arbeit, Frankfurt stand sehr tief und hat es uns schwergemacht. Letztlich zählt aber nur das Weiterkommen", sagte UHC-Coach Martin Schultze. Nordvize Harvestehuder THC scheiterte mit 7:11 beim Mannheimer HC.

Viertelfinale, Herren: Uhlenhorster HC - Frankfurt 1880 8:7 i. S., Mannheimer HC - Harvestehuder THC 11:7, RW Köln - Lichterfelde 12:2, Berliner HC - Uhlenhorst Mülheim 7:9 i. S. Damen: Club an der Alster - Münchner SC 7:3, TSV Mannheim - Uhlenhorster HC 4:3, RW Köln - Lichterfelde 4:2 n. V., Berliner HC - Etuf Essen 12:3