Handball-Bundesliga

Nur der Schluss versöhnte - HSV besiegt Füchse knapp

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Saskia Aleythe und Rainer Grünberg

Foto: WITTERS / Witters Sport-Presse-Fotos

Mit dem 20. Saisonsieg behaupten die Hamburger ihre Tabellenführung. HSV-Konkurrent THW Kiel gewinnt in Gummersbach.

Hamburg. Aufatmen und Erleichterung waren die Gefühle am Ende eines Handball-Dramas. 9165 Zuschauer in der Color-Line-Arena spendeten stehenden Applaus für den 34:32-(14:15)-Erfolg des HSV über die Füchse Berlin und klatschten die schwache Vorstellung der Hamburger schön. "Wir hatten heute weder Ostern noch Weihnachten, sondern Mittwoch, Alltag also. Das war ein Arbeitssieg. Das kommt in dieser Phase der Saison öfter vor, bei uns, aber auch beim THW Kiel", meinte HSV-Trainer Martin Schwalb hörbar genervt.

Wer nach der Champions-League-Gala in Zagreb (33:29) gestern auf eine weitere gehofft hatte, wurde enttäuscht. Der HSV setzte dort fort, wo er vor acht Tagen bei der 31:39-Pleite gegen Gummersbach aufgehört hatte. Rumpel-Handball nannten es die Spötter, und auch gegen die Berliner stotterten sich die Hamburger ins Spiel. Ein durchschlagendes Angriffskonzept war erneut nicht zu erkennen, mit technischen Fehlern gaben sie anfangs die Spielführung immer wieder aus der Hand. 4:1 führten die Füchse nach fünf Minuten, und es war fortan am HSV, Jagd auf sie zu machen.

Krzysztof Lijewski (26) zeichnete sich dabei besonders aus. Der Pole eroberte in der Abwehr die Bälle und netzte sie auf der Gegenseite bei Berlins Nationaltorhüter Silvio Heinevetter ein. Lijewski traf in der ersten Halbzeit fünfmal (insgesamt neunmal), trotzdem gelang es den Hamburgern in den ersten 30 Minuten nur einmal, in Führung zu gehen. Pascal Hens erzielte sie in der 24. Minute zum 13:12.

Der Treffer leitete keinesfalls die Wende ein. Lindberg warf einen Siebenmeter übers Tor (28.), die Berliner zielten weit besser. Mit 15:14 stolzierten sie in die Kabine. "Ich bin überrascht", sagte Bob Hanning, der Geschäftsführer der Füchse. Was den ehemaligen HSV-Trainer (2002 bis 2005) verwunderte war die eigene starke Leistung und die schwache des HSV. "So wird es nach der Pause kaum weitergehen", glaubte Hanning.

Ging es doch. Berlin, der Tabellenneunte, legte vor, der HSV, der Tabellenführer, hechelte hinterher. Verkehrte Handball-Welt. Es bedurfte schon der Wurfkraft eines Blazenko Lackovic, dass die Hamburger nicht den Anschluss verloren. Der Kroate war zur zweiten Hälfte wie vorher abgesprochen für Hens eingewechselt worden, stieg dreimal im Rückraum hoch und traf dreimal. Sein 19:18 in der 38. Minute ließ HSV-Sportchef Christian Fitzek hinter der Werbebande die Faust ballen und ein kräftiges "Ja" ausstoßen. Der HSV übernahm nun zeitweilig das Kommando, lag 28:24 (48.) vorn, dank der individuellen Klasse seiner Weltauswahl. Ein überzeugender Auftritt wurde es dennoch nicht mehr. In der 54. Minute führten plötzlich die Berliner nach fünf Toren in Folge 29:28. Es blieb eine Zitterpartie, in der die Hamburger die Nerven behielten. Igor Vori erzielte 50 Sekunden vor Schluss das 34:32. "Ich hätte nie gedacht, dass wir das Spiel bis zum Ende offen halten können", sagte Hanning.

Tore : HSV Hamburg : K. Lijewski 9, Lindberg 9 (6 Siebenmeter), Lackovic 5, Hens 3, Jansen 2, Duvnjak 2, Vori 2, B. Gille 1, G. Gille 1; Füchse Berlin : Laen 7, Nincevic 7 (4), Kubisztal 6, Richwien 6, Bult 3, Strand 2, Göde 1. Schiedsrichter : Prang/Reichl (Bergheim/Köln). Zuschauer: 9165. Zeitstrafen : 4; 5.