FC Bayern im Champions-League-Achtelfinale

Hans-Jörg Butt: Die Renaissance des Torwart-Torjägers

Es war Hans-Jörg Butts erster Elfmeter für Bayern. Vielleicht der wichtigste seiner Karriere. Sein Klub ist in der Champions League weiter.

In der 30. Minute wurden Erinnerungen wach. An seine Glanzzeit. An Leverkusen, an den HSV. Seine Teamkollegen signalisierten Torwart Hans-Jörg Butt: Komm nach vorne! Schieß Du! Es stand zu diesem Zeitpunkt 1:0 für den Gastgeber Juventus Turin - im wichtigsten Spiel des FC Bayern seit dem Amtsantritt von Trainer Louis van Gaal. Die Führung für Juve erzielte in der 19. Minute David Trezeguet, ein kapitaler Abspielfehler von Martin Demichelis war dem vorausgegangen. Claudio Marchisio fing einen schlampigen Pass des Argentiniers ab und flankte auf den Franzosen, der volley von der Strafraumgrenze traf. Hans-Jörg Butt hatte keine Chance.

Und dann, in Minute 30 im Stadio Olimpico, läuft Butt die 80 Meter nach vorne in den gegnerischen Strafraum und schießt den Elfmeter so abgeklärt, wie man es lange nicht gesehen hat von ihm. Und überhaupt: Es ist eine große Überraschung, dass Butt beim FC Bayern noch einmal als einer der Leistungsträger in den Kader zurückkehrt.

Über Jahre zeigte Jörg Butt diese Leistung beim Hamburger SV und Bayer Leverkusen. Er galt als einer der besten deutschen Torhüter, er war Gesprächsthema mit seinen Elfmeter-Toren. Mit einer roten Karte im Februar 2007 aber kam eine Zeit der sportlichen Niederlagen und Tiefpunkte. Er wurde für zwei Spiele gesperrt und durch den jungen René Adler in Leverkusen ersetzt. Der Nachwuchskeeper zeigte derart spektakuläre Leistungen, dass Trainer Michael Skibbe ihn im Tor beließ und Butt zur Nummer zwei degradierte. Aber der wollte sich damit nicht abfinden. Er kündigte vorzeitig seinen Vertrag und suchte mit seinem Wechsel zum portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon im Juli 2007 einen Neuanfang. Doch auch hier musste er sich unter den Trainern José Antonio Camacho und dessen Nachfolger Fernando Chalana mit der Reservistenrolle begnügen.

Es war ein Platzverweis, der seine Karriere bei Leverkusen beendete - es war ein Platzverweis, der ihn zurück zwischen die Pfosten und ins Geschäft brachte. Ende Oktober 2007 durfte er nach der Roten Karte für Nationaltorhüter Quim während des Matches gegen Maritimo Funchal erstmals zwischen die Pfosten und sicherte Benfica mit einem gehaltenen Elfmeter einen 2:1-Sieg. Doch Hans-Jörg Butt wurde in Lissabon letztlich nicht glücklich. Im Sommer 2008 kam er zu den Bayern. Es dauerte vier Spieltage, bis er Michael Rensing als Nummer eins abgelöst hatte. Seitdem ist der 35-Jährige, der in bisher 344 Bundesligaspielen immerhin 26 Tore erzielt hat, vor Arjen Robben und Bastian Schweinsteiger auch Elfmeterschütze Nummer eins. Bis zum Spiel in Turin hatte es aber noch keinen Strafstoß für die Münchner gegeben.

Juventus und Jörg Butt ist sowieso "eine schöne Geschichte“, wie der Torwart es nach dem Spiel nannte. Zum dritten Mal traf Butt per Elfer gegen Italiens Fußball-Rekordchampion. Schon 2000 beim 4:4 mit dem Hamburger SV gegen Juve erzielte er vom Punkt ein Tor - und ebenso eine Saison später beim 3:1-Sieg mit Bayer Leverkusen. 26 Elfmetertore in der Bundesliga und drei in der Champions League stehen nun für ihn zu Buche.

Es ist bezeichnend, dass einer wie Jörg Butt in dieser Situation die Verantwortung beim FC Bayern übernimmt. In einer Saison, in der die Bayern so schlecht spielten wie lange nicht, ist Butt der Ruhepol. Er hatte sie Nervenstärke und Sicherheit diesen wichtigen Elfmeter gegen Turin zu schießen.

„Wir haben endlich unseren besten Elfmeterschützen kennengelernt“, meinte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge über den abgezockten Keeper. Cool, abgeklärt. So kannten sie bei Bayern schon vorher, im Tor des FCB. Am Saisonende läuft sein Vertrag aus, Bayern will einen neuen Top-Keeper holen. Aber Butt ist damit nicht aus dem Rennen. „Leistung wird beim FC Bayern immer honoriert. Und Jörg bringt hervorragende Leistungen. Er ist eine herausragende Persönlichkeit“, erklärte Sportdirektor Christian Nerlinger – es war mehr als ein Wink für 2010. (dpa/abendblatt.de)

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