Karin Rehbein kommt nach Hause

HAMBURG. Jedes Mal, wenn sie beim Derbyturnier in Klein Flottbek startet, denkt sie an ihre Kindheit. Als Tochter von Paul Rediske, Futtermeister im Norddeutschen und Flottbeker Reitverein, voltigierte das kleine Mädchen im Alter von zwei Jahren auf Schulpferden. Aus den Turnübungen zu Pferde wurde eine Dressurkarriere mit Welt- und Europameistertiteln - und an diesem Wochenende soll der Grand Prix-Sieg die Liste ergänzen: Karin Rehbein (58) kommt nach Hause.

Die Ausbilderin auf dem Gestüt und Dressurstall Grönwohldhof nahe des holsteinischen Trittau bringt ihr neues Lieblingspferd mit: Entwickelt sich der neunjährige Westfalenhengst Florianus weiter so gut, könnte er durchaus die Nachfolge des legendären Donnerhall antreten. Mit dem Oldenburger Stempelhengst wurde Karin Rehbein unter anderem 1994 Mannschafts-Weltmeisterin in Den Haag. "Ein Pferd wie Donnerhall gibt es nur einmal", sagt sie. "Aber Florianus ist ebenso gehfreudig, zeigt den gleichen Kampfgeist, verbessert sich von Tag zu Tag." Besonders seine Stärken Piaffe und Passage hatten schon am vergangenen Wochenende die Richter in Lübeck überzeugt: Dort startete das Duo durch, belegte den dritten Platz im Grand Prix, den zweiten in der Kür und gewann schließlich noch den Grand Prix Special.

Seit zwei Jahren reitet sie den braunen Hengst, den ihre Sponsorin Madeleine Winter-Schulze für sie geleast hat, auf der Anlage in Grönwohld. Das 200 Hektar große Anwesen gehört seit 28 Jahren in den Besitz der Familie Schulte-Frohlinde. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Herbert Rehbein baute sie den ehemaligen Gutshof zu einem der führenden Reit- und Zuchtzentren Deutschlands aus.

Auch nach dem Tod ihres Mannes vor zehn Jahren blieb sie dem Grönwohldhof treu, lebt mit ihrer Hündin Paula (8) direkt nebenan. Jeden Morgen steigt sie pünktlich um halb acht Uhr morgens auf das erste von fünf Pferden, die sie täglich reitet und gibt Unterricht. Sie hat keine eigenen Kinder, dafür aber umso mehr Schützlinge wie Kristy Oatley-Nist. Seit 15 Jahren betreut sie die Australierin, die 2006 beim Derby den zweiten Platz belegte, die am Freitag mit Don Bolero im Grand Prix siegte und sich für das Finale mit Pferdewechsel qualifizierte.

Für Karin Rehbein, derzeit auf Rang 97 der Weltrangliste, ist das Turnier eine Chance, sich im großen Sport zurückzumelden - auch wenn der Erfolg für sie mittlerweile nicht mehr das Wichtigste ist. Denn der Krebstod ihres Mannes sowie das eigene Rückenleiden, das durch eine Operation endlich behoben wurde, hätten es ihr deutlich gemacht: "Gesund bleiben, dass ist das Wichtigste."

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