Lotto-Pokalfinale

Sasels Trainer Zankl kann sein Werk krönen

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Danny Zankl (32) trainiert den Hamburger Oberligaclub TSV Sasel seit 2014.

Danny Zankl (32) trainiert den Hamburger Oberligaclub TSV Sasel seit 2014.

Foto: Nina Ruck

Oberligist geht als Außenseiter in Lotto-Pokalfinale gegen Regionalligist Norderstedt – Eintracht-Kampfansage als Motivationshilfe.

Hamburg. Sasels Trainer Danny Zankl (32) ist ein Tüftler. Doch einen Teil seiner Arbeit vor dem Hamburger Lotto-Pokalfinale gegen Eintracht Norderstedt (Sonnabend, 14.45 Uhr, Wolfgang-Meyer-Stadion, Hagenbeckstraße 124/ARD) hat ihm der Gegner abgenommen. In einer für den NDR gedrehten Videobotschaft zeigen die Spieler der Eintracht eine hübsche Kopfballstafette, an deren Ende Außenbahnspieler Nick Gutmann selbstbewusst verkündet: „Wir schlagen den TSV Sasel! Wenn ihr mal ein Spiel gewinnen wollt, dann geht lieber zu ,Takeshi’s Castle!‘“ Ohrenbetäubender Jubel der Norderstedter Spieler folgt. Zankl ist das recht. „Jetzt“, sagt er zur Motivationslage seiner Mannschaft, „brauche ich nichts mehr zu machen.“

Trotz allem Ansporn bleibt Oberligist Sasel, der übrigens anders als die Eintracht die NDR-Anfrage nach einer Kampfansage ablehnte, im Endspiel gegen den Regionalligisten am Sonnabend der klare Außenseiter. Der Sieger trifft in Runde eins des DFB-Pokals (11. bis 14. September) auf den Bundesligaspitzenclub Bayer 04 Leverkusen.

Seit seiner Amtsübernahme in der Landesliga ging es bergauf

„Wir treffen auf einen sehr präsenten, gerade gegen den Ball sehr fleißigen Gegner mit viel Power und viel Athletik. Norderstedt ist ein mächtiger Gegner“, sagt Zankl. Allerdings kann auch der TSV verdammt gut Fußball spielen. Meist flach, mit schnellen Kombinationen, gerne durchs Zentrum, mit viel Ballbesitz, offensiv ausgerichtet und technisch spektakulär. Was wiederum sehr viel mit Zankl zu tun hat. Der 32-Jährige ist seit dem 1. Juli 2014 Chef auf der Trainerbank am Parkweg und der jüngste und zugleich dienstälteste Coach aller 18 Oberligaclubs. In diesem Finale, dem ersten in der Vereinsgeschichte, kann Zankl sein bisheriges Werk krönen.

Seit seiner Amtsübernahme in der Landesliga ging es bergauf. Nach den Rängen sechs (2014/15) und drei (2015/16) folgte der Oberligaaufstieg als Meister (2016/2017), in Hamburgs Eliteklasse war Abstiegskampf ein Fremdwort. Sechster (2017/18), Siebter (2018/19) und Fünfter beim Corona-Abbruch (2019/20) wurde sein Team. „Ich habe selten einen so akribischen Trainer gesehen. Mit Danny kannst du kaum ein Fußballspiel in Ruhe gucken, weil er dir das komplette Spiel taktisch zerlegt“, sagt Sasels Fußball-Abteilungsleiter Söhren Grudzinski (45) anerkennend. „Er kann noch viel erreichen, auch viel weiter oben in höheren Ligen“, findet Mittelfeldspieler Timo Adomat (32).

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Zankl selbst, von Beruf Schifffahrtskaufmann, will den Kurs nicht zwingend so setzen. „Um Profitrainer zu werden, musst du zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Ich mache einfach nur meine Arbeit gut und schaue, was sich entwickelt.“ Ein Vorbild für seine Spielphilosophie hat Zankl, der als Kind wegen der Geschmeidigkeit von Innenverteidiger Julio Cesar Fan von Borussia Dortmund wurde, nicht. Dennoch: „Ein paar Elemente von Thomas Tuchel, die Arbeit und Medienpräsenz von Jürgen Klopp und die dominante Phase der Bayern unter Pep Guardiola haben mich beeindruckt. Wie jeder Trainer schaue ich mir überall etwas ab.“ Sein Verhältnis zu den Schiedsrichtern beschreibt Zankl als „sehr gut“. Obwohl er an der Seitenlinie ab und an deutlich wird. „Ich schätze die Arbeit der Schiedsrichter sehr und bin ruhiger geworden“, findet Zankl.

Vom eigenen Ballbesitzfußball will der selbst ernannte „Ur-Saseler“, der in den Alten Herren des Clubs noch als „lautstarker, cleverer Innenverteidiger“ kickt, gegen Norderstedt nicht abgehen. Betrachtet auch er dieses Finale als seinen Karrierehöhepunkt? „Nach aktuellem Stand nicht“, so Zankl schmunzelnd. „Aber die Frage kann ich nach dem Spiel gerne noch einmal beantworten.“

( misch )

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