Regionalsport

Cordi ist gefangen im grauen Alltag der Oberliga Hamburg

Der ist drin! Oliver Franz und Torschütze Marco Schubring (r.) bejubeln Curslacks zwischenzeitlichen Ausgleich beim 1:3 gegen Barmbek-Uhlenhorst.

Der ist drin! Oliver Franz und Torschütze Marco Schubring (r.) bejubeln Curslacks zwischenzeitlichen Ausgleich beim 1:3 gegen Barmbek-Uhlenhorst.

Foto: Andre Matz und Mirko Schneider / Andre Matz

Amateurfußball: Starke Leistung bei 1:3 gegen BU, Bork cool vom Punkt, Szillat spielt groß auf, Spreitz behält recht.

Brudler schwer verletzt. Die Frage, ob er sich Sorgen um den Klassenerhalt in der Oberliga mache, beantwortete Curslacks Florian Rogge ganz klar: „Nein!“ Im Oberligaduell gegen den HSV Barmbek-Uhlenhorst hatte sein Team eine starke erste Halbzeit gespielt, einen Rückstand ausgeglichen und lag nach Chancen vorne. Doch 20 Minuten nach dem 1:2 wälzte sich Mark Brudler nach einem Zweikampf in der 75. Minute minutenlang am Boden und konnte nicht vom Feld getragen werden.

Curslacks Manager Oliver Schubert hatte um 15.35 Uhr den Krankenwagen gerufen und war stinksauer, als der erst um 15.52 Uhr auftauchte. „Haben die alle Feierabend?“, fragte er alle Umstehenden. Brudler wurde schließlich mit Verdacht auf Kreuzband- oder Innenbandriss abtransportiert. Barmbeks Trainer Marco Stier verteilte Komplimente an die am Ende mit 1:3 unterlegenen Curs­lacker und vermutete: „Die Verletzung war wohl der Genickbruch“ – aber Schubert stellte fest: „So etwas haben wir in letzter Zeit oft gehört, stehen aber am Ende wieder ohne Punkte da.“


Springer springt falsch. Ein Psycho-Duell vor seinem Siegtor vom Elfmeterpunkt gewann Eintracht Norderstedts Rico Bork beim 1:0 im Regionalligaspiel gegen den Lüneburger SK Hansa. „Lüneburgs Torwart Ole Springer hat ein wenig Trash-Talk betrieben. Er hat mich gefragt, wohin ich schieße und mir gesagt, er würde in die rechte Ecke springen“, so Bork hinterher. „Aber“, so der 24-Jährige abgezockt, „was er gesagt hat, war mir egal. Ich war mir ganz sicher, dass ich den Ball auf jeden Fall reinmache.“ Bork schoss dann tatsächlich nach rechts, Springer – früher bei der Eintracht unter Vertrag – hatte im Psychospiel mit den Erwartungen falsch gepokert und flog vergeblich in die linke Ecke. Borks Premierentor bescherte der Eintracht mit 31 Punkten den sechsten Rang. Nun plagen die überzeugend auftretenden Garstedter, die sich gegen Lüneburg 12:2-Torchancen erspielten, aktuell nur noch Luxusprobleme. Trainer Jens Martens. „Ich wünsche mir, dass wir bei unseren vielen Chancen den Sack in solchen Spielen viel früher zumachen.“


Cordi im Mittelmaß. Gefangen im grauen Alltag der Oberliga Hamburg ist der WTSV Concordia. Zu schwach fürs obere Drittel, zu stark für den Abstiegskampf – und in den vergangenen zehn Spielen nur mit einer Ausbeute von sieben Zählern. Beim FC Süderelbe war eine Auffrischung des Punktekontos möglich, aber beim Spielstand von 2:2 flog erst Umut Kocin vom Platz, der erst meckerte und dem Schiedsrichter dann für seine Gelbe Karte applaudierte (64.), dann sah Philipp Pettersson die zweite Gelb-Rote Karte (78.), als er den Schiedsrichter anschrie. „Umut darf das nie und nimmer passieren. Philipp hat nur „Ey“ gerufen, da hätte man nicht zwingend Gelb-Rot ziehen müssen“, sagte Trainer Frank Pieper. Seine neun Concorden verteidigten tapfer das 2:2 - bis ausgerechnet der erst in der 81. Minute eingewechselte Gideon Baur Marcel Rodrigues im Sechzehner foulte. Der schnappte sich den Ball und verwandelte den Strafstoß zum 3:2 (90.). „Gideon hätte Rodrigues laufen lassen sollen“, sagte Pieper. Schwarz sieht er nicht: „Wir haben mit Verletzungspech zu kämpfen. Diese Saison war sowieso als Übergangsjahr geplant. Nächste Saison wollen wir oben angreifen.“
„Effektivität schlägt Dominanz“. Zehn Tage nach seiner Ernennung zum Manager beim Rahlstedter SC durfte Alexander Schäfke einen Sieg an alter Wirkungsstätte bejubeln. Beim zuvor elf Spiele lang ungeschlagenen Tabellendritten der Landesliga Hansa SC V/W Billstedt, den Schäfke von 2005 bis 2011 trainierte, siegte der RSC 5:2. „Mein Trainerposten hier ist verjährt“, spielte Schäfke seine Rolle locker herunter. Den Sieg selbst ordnete Rahlstedts Trainer Mo Wadhwa treffend ein: „Effektivität schlägt Dominanz“. Zur Pause stand es 0:0, in Hälfte zwei nutzten die zielstrebigen Rahlstedter fünf ihrer sechs Torchancen, während Billstedt schick kickte und in Schönheit starb. Erstaunlich gut war der Auftritt des Rahlstedters Joel Szillat. Der flinke 18-Jährige traf zum 3:1, holte den Elfer zum 4:1 heraus, bereitete das 5:2 vor. „Diese Saison bleibt er auf jeden Fall bei uns. Wenn sich für ihn die Tür in die Regionalliga im Sommer 2020 öffnet, stehen wir ihm nicht im Weg. Er sollte aber nicht bei einem Oberligisten auf der Bank versauern. Dafür ist Joel zu gut“, so Wadhwa.


Ankündigung wahr gemacht. Der SC Victoria hat den zweiten Auswärtssieg in dieser Saison geschafft. Mit 2:1 siegte Vicky im Oberliga-Topspiel beim TSV Sasel – und machte dabei eine Ankündigung des eigenen Co-Trainers Martin Spreitz wahr: „Wir können auch auswärts Fußball spielen – und das wollen wir bei der Partie in Sasel beweisen“, hatte Seitz nach dem 5:0 gegen Bramfeld gesagt. Spreitz’ Kommentar nach dem Sieg in Sasel: „Ein großartiges Spiel, ein verdienter Sieg, ich bin glücklich.“

FC Teutonia 05 holt wackeliges 3:2 beim Hamburger SV III

Als Pascal Eggert erklären sollte, ob der Sieg von Oberliga-Titelkandidat FC Teutonia 05 beim HSV III verdient war, nahm er einen langen Anlauf. Statt eines einfachen „Ja“ oder „Nein“ gab es von Eggert unter anderem folgenden Satz zu hören: „Yannick hat uns heute den Arsch gerettet.“

Eine treffende Beschreibung. Teutonias Keeper Yannick Zummack war einer der drei Väter des nicht unverdienten, aber doch hauchdünnen 3:2-Erfolgs beim HSV III. Zwei Großtaten im Eins-gegen-Eins in der ersten Hälfte krönte er in der 47. Spielminute, als er die linke Ecke beim Elfmeter von Artur Krüger ahnte und das 1:1 sinnigerweise auch mit Hilfe seines Allerwertesten verhinderte.

Wie schon gewohnt effektiv vor dem gegnerischen Kasten trat Nick Gutmann auf. Deran Toksöz legte er das 1:0 trotz bester Schussposition uneigennützig auf (27.) und nach Eggerts wunderbarem Schlenzer zum 2:0 (64.), welches dieser selbst als „ein Sahnetor von mir“ einstufte, erzielte Gutmann abgezockt das 3:0 (77.) auf Pass des besten Spielers auf dem Platz: Deran Toksöz.

Teutonias Wintereinkauf findet das Glück

Teutonias Wintereinkauf der letzten Saison scheint endlich sein Glück an der Kreuzkirche zu finden, wie nicht nur sein Führungstreffer und die Vorbereitung zum 3:0 bewiesen. Toksöz gab den Dirigenten im Mittelfeld, gewann wichtige Zweikämpfe, spielte saubere Pässe.

„Deran ist in einem vernünftigen Fitnesszustand. Er trainiert gut. So kann er Akzente setzten, das war heute eine gute Leistung von ihm. Am Saisonanfang waren ein paar andere Spieler einen Tick vor ihm“, sagte Trainer Sören Titze. „Und wenn man unsere Punktzahl sieht, waren die anderen Aufstellungen, die ich gewählt habe, ja auch nicht so schlecht.“

Was Titze ärgerte: Im Defensivverhalten präsentierte sich seine Mannschaft phasenweise so löchrig wie der berühmte Schweizer Käse. Nach der Drei-Tore-Führung kam der zuvor verschwenderisch mit seinen Großchancen umgehende HSV III durch Tarek Abdalla (81.) und Marcell Jansen (83.) noch auf 3:2 heran, musste um den Sieg zittern. „Was uns am Schluss passiert ist, darf uns nicht passieren. Wir haben viel zu wild verteidigt“, sagte Titze. Der Sieg sei „aufgrund der zweiten Halbzeit verdient, aber ein 3:0 wäre zu hoch gewesen“.

Im Titelkampf sieht Titze Möglichkeiten, Dassendorf abzufangen. Gewänne Teutonia sein Nachholspiel in Buchholz, wären sechs Punkte Rückstand aufzuholen. „Lässt man unseren Auftakt außen vor, so halten wir seit dem dritten Spieltag mit. Wenn wir in der Rückrunde weniger Verletzte haben, sind wir in der Breite so aufgestellt, dass wir eine Chance haben.“ Dem Rivalen zollte er Respekt: „In fast jeder Liga wären wir mit unserer Punktzahl Erster. Dassendorf spielt eine überragende Runde.“

Statistik Regionalliga Nord, Oberliga Hamburg

Regionalliga: Norderstedt – Lüneburger SK 1:0. Tor: 1:0 Bork (57., Foulelfmeter). – Schiedsrichter: Kohn (Husumer SV). – Zuschauer: 460.


Oberliga: Bramfelder SV – USC Paloma 2:1. Tore: 1:0 Oelrich (53.), 1:1 Schiemann (69.), 2:1 Mohr (78.). – SR: Ghafury (Barmbek). – Z.: 150.

Hamm United – Buchholz 08 1:1. Tore: 1:0 Klein (43.), 1:1 Fritz (51.) – SR: Holst (Türkiye). – Z.: 170.

TuS Osdorf – Meiendorfer SV 5:1. Tore: 1:0, 2:0, 4:0 Wachter (11., Foulelfmeter, 17., 67.), 3:0 Kukuk (56.), 4:1 Williams (74.), 5:1 Rohrbach (89.). – Rot: Bulut (63., Meiendorf, Unsportlichkeit). – SR: Schwarze (MSV Hamburg). – Z.: 200.

TuS Dassendorf – Rugenbergen 1:0. Tor: 1:0 von Walsleben-Schied (3.). – SR: Möller (Lieth). – Z.: 103.

FC Süderelbe – WTSV Concordia 3:2. Tore: 1:0 Branco (2.), 1:1 Omar (12.), 1:2 Aydin (15.), 2:2 Sekac (60.), 3:2 Rodrigues (90., FE). – Gelb-Rot: Kocin (64., Meckern/Unsportlichkeit), Pettersson (78., Foul/Meckern/beide Concordia). – SR: Rosin (Lieth). – Z.: 300.

SV Curslack-Neuengamme – HSV Barmbek-Uhlenhorst 1:3. Tore: 0:1 Hathat (15.), 1:1 Schubring (27.), 1:2 Abrahamyan (55.), 1:3 Hathat (81.) – SR: Bauer (Rahlstedt). – Z.: 114.

HSV III – Teutonia 05 2:3. Tore: 0:1 Toksöz (27.), 0:2 Eggert (64.), 0:3 Gutmann (77.), 1:3 Abdalla (81.), 2:3 Jansen (83.). – Bes. V.: Zummack (Teutonia) hält FE von Krüger (47.). – SR: Beyer (SCVM). – Z.: 134.

Union Tornesch – Niendorfer TSV 1:1. Tore: 1:0 von Winckelmann (48.), 1:1 Ellerbrock (55., ET). – SR: Voß (Dassendorf). – Z.: 120.

TSV Sasel – SC Victoria 1:2. Tore: 0:1 Stegmann (5.), 1:1 Adomat (57.), 1:2 Kohpeiß (85.). – SR: Oldhafer (Poppenbüttel). – Z.: 228.