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Amateurfußball: Victorias Thiessen trifft nach Iran-Trip beim 3:0 in Halstenbek, Buxtehudes Team begnadigt Mitspieler, Comic-Held „Flash“ in Ohe

Ungewöhnlicher Familienbesuch.„Zu Hause lege ich mich erst mal schlafen“ – Victorias Mittelfeldspieler Dennis Thiessen dachte nur an sein Bett. Gerade hatte „Vicky“ zum zweiten Mal innerhalb eines Monats mit 3:0 beim Oberliga-Tabellenführer SV Halstenbek-Rellingen gesiegt und den Herbstmeister damit von der Spitze gestürzt. Erst im Pokal, jetzt in der Liga gewonnen, und die Victoria-Fans sangen „Gegen Vicky kann man mal verlieren“. Entscheidenden Anteil am Sieg hatte Thiessen. Er war erst in der 62. Minute eingewechselt worden, schoss aber wenig später das vorentscheidende 2:0.

Dabei hatte der Mittelfeldtechniker eine Wahnsinnstour hinter sich. Thiessen war erst Sonntag kurz vor der Partie aus dem Iran zurückgekehrt. Sein Flug war um 4 Uhr morgens gestartet, er hatte kaum geschlafen und gab zu: „Ich bin froh, dass ich die 30 Minuten auf dem Feld überlebt habe.“ Im Iran war Thiessen mit seiner langjährigen Freundin bei ihrer Familie zu Besuch: „Ich war das erste Mal da. Wir haben bezüglich der Zukunft etwas gesprochen“, so Victorias Matchwinner. Dass in Zukunft der SC Victoria ein heißer Meisterschaftskandidat ist, sieht auch Thiessen so: „Wenn man unsere Serie sieht, glaube ich, dass mit uns zu rechnen sein muss. Wir wollen es ja auch.“

Kollektive Gnade. Einen wertvollen Punkt im Kampf um den Klassenerhalt in der Oberliga holte der Buxtehuder SV in Niendorf ausgerechnet durch Muzlam Tarkocin. Der 20-jährige Stürmer, erst in der Winterpause aus der zweiten Mannschaft (Bezirksliga) hochgezogen, vergab bei seinem engagierten Debüt gegen Meiendorf in der Vorwoche (1:3) reihenweise beste Gelegenheiten. Am Sachsenweg schraubte sich der kleine Kämpfer nun drei Minuten vor dem Abpfiff in die Höhe und köpfte das 1:1. „Muzlam wird seinen Weg machen. Unser Punkt ist verdient. Doch wir müssen uns bei Niendorf bedanken. Sie ließen uns nach dem 1:0 am Leben“, sagte Buxtehudes Trainer Renè Klawon.

In den nächsten Spielen setzt er weiter auf Tarkocin im Sturm, da Herman Mulweme – gegen Meiendorf wegen eines Ballwurfs an den Kopf seines Gegenspielers Gabriel Subasic mit der Roten Karte bedacht – in Buxtehude nun auf Bewährung spielt. „Ich habe das Thema mit der gesamten Mannschaft besprochen. Wenn nur ein Spieler Zweifel geäußert hätte, hätten wir Herman suspendiert. Alle finden: Er soll seine Chance kriegen. Trainiert er gut und benimmt sich, hat er die Chance, wieder in den Kader zu kommen“, so Klawon. Eine vereinsinterne Geldstrafe für seine dumme Rote Karte gegen Meiendorf sei gegen Mulweme nicht ausgesprochen worden. „Wir in Buxtehude zahlen den Spielern ja kaum was. Da nehme ich dem Jungen jetzt nicht seine letzten Kröten weg“, erklärte Klawon.

Schneppel verkündet Abschied. Eine Aufholjagd mit doppelt besonderer Note zeigte Hansa-Landesligist FC Voran Ohe im Heimspiel gegen Croatia (2:2). Schon vor der Partie wurde das Team über den Abgang des Erfolgstrainers Sven Schneppel zum Saisonende informiert. Schneppel schaffte mit Ohe vergangene Saison den Aufstieg und etablierte die Mannschaft im Mittelfeld der Landesliga Hansa.

Aufgrund des ständigen Streits zwischen dem Gesamtverein und der Fußballabteilung – unter anderem kündigte der Gesamtverein der Fußballabteilung die Marketingrechte, weshalb im Stadion am Amselstieg alle Banden abmontiert werden mussten – sieht Schneppel wohl keine Perspektive mehr. Eine offizielle Pressemitteilung der Fußballabteilung steht noch aus. Während der Partie gab es wenigstens etwas zu lachen. Nach einem 0:2-Rückstand glich Ohe aus. Das 2:2 besorgte Kapitän Daniel Walek, setzte sich danach die Maske des Comic-Superhelden „Flash“ auf und sprintete jubelnd zur Eckfahne. „Er trug die Maske die ganze Zeit in der Unterhose mit sich herum“, sagte Ohes Betreuer Daniel Schmitt. „Die Spieler zogen sich schon seit Monaten auf, wer am Sonnabend nach dem Spiel zur berühmten Kostümparty „LiLaBe“ in Bergedorf mit welcher Maske kommt. Daniel wollte zeigen: Er ist Flash...“

HSV II neben der Spur. Den erstmaligen Verlust der Tabellenführung in der Regionalliga Nord muss der HSV II verkraften. Trotz des Führungstreffers von Ahmet Arslan (25.) kassierten die Rothosen beim Lüneburger SK die fünfte Pleite in Folge. Björn Schlottke (59.), Ali Selishta (80.) und Ali Moslehe (88.) machten den Sieg des Außenseiters mit ihren Treffern perfekt. „Wir wollten unbedingt gewinnen und standen nach dem 1:1 teilweise zu offen. Wir werden gewisse Sachen klar ansprechen und müssen zusehen, wieder in die Erfolgsspur zu kommen“, sagte HSV-II-Trainer Daniel Petrowsky. Die Konkurrenz in braun-weißen Farben verlor 0:2 in Braunschweig. Profi-Leihgabe Tom Trybull sah in der 87. Minute die Gelb-Rote Karte. Besser machte es nur Eintracht Norderstedt. Die Truppe von Thomas Seeliger schlug Goslar mit 2:0.

Neuer Job für Grudzinski. Söhren Grudzinski ist neuer Fußballabteilungsleiter des Oberligisten SC Condor. Sein Stellvertreter wird Björn Reimers. Das Konzept zur Neuausrichtung der Fußballsparte will Condor in den nächsten Wochen bekannt geben.