Ohne Torchance auf Rang eins

0:0 bei Condor bringt Pinneberg Oberliga-Spitze. Coach Fischer: „Nehmen Schale, wenn keiner will“

Hamburg. „In der ersten Halbzeit sind wir auseinanderzelebriert worden“, sagte Pinnebergs Trainer Michael Fischer. Sein Linksverteidiger Steffen Maaß war bereits deutlich geworden: „Offensiv war das sehr wenig von uns. Wir haben nicht eine Flanke an den Mann gebracht“, analysierte Maaß.

So sprach der VfL Pinneberg nach dem 0:0 beim SC Condor über sich. Wohltuend selbstkritisch – und dennoch hocherfreut. Denn zum ersten Mal diese Saison grüßen Fischers Schützlinge von Rang eins. Victorias 3:0 am Nachmittag in Halstenbek (siehe oben) verschaffte endgültige Gewissheit.

Freilich stellte das, was zuvor am Berner Heerweg abgelaufen war, eines der merkwürdigsten Oberliga-Spiele dieser Spielzeit dar. Im Duell Condor gegen Pinneberg gab es in den gesamten 90 Minuten für keine der beiden Mannschaften eine Torchance. Dafür fühlten sich die Fans des FC St. Pauli unter den 100 Zuschauern fatal an die desolate Leistung von Schiedsrichter Martin Petersen (Stuttgart) beim 0:1 gegen Fürth erinnert. Schiedsrichter Tim Wöllmer (Süderelbe) lieferte samt Gespann einen katastrophalen Auftritt ab, beeinflusste die Partie durch mehr als ein Dutzend Fehlentscheidungen. Größter Fauxpas: Er verweigerte Condor einen klaren Elfmeter nach Foul von Benjamin Brameier an Till Daudert (15.).

Immerhin beantwortete die Partie, in der Condor besser war und im letzten Spieldrittel so gut wie stets die falsche Entscheidung traf, auf simpelste Weise die Frage, die sich viele Konkurrenten stellen: Warum steht Pinneberg eigentlich so weit oben? „Wir wissen, wie weit wir fußballerisch hinten dran sind. Doch durch unsere mannschaftliche Geschlossenheit machen wir das wett“, sagte Maaß. Eine Floskel als gelebte Realität. Pinneberg spielte selbst in halbstündiger Überzahl nach der berechtigten Roten Karte für Condors Thiemo Kieckbusch (63., Nachtreten) schlecht – aber das Team ließ hinten nichts zu, biss sich rein und am Schluss nahm es, wie meist diese Saison, etwas mit. „Wir sind Titelanwärter“, folgerte Maaß. Fischer ging weiter: „Bemerkenswert, dass wir mit dem, was wir fußballerisch ausstrahlen, Erster werden können. Aber da müssen sich andere hinterfragen. Und wie hat Oliver Kahn gesagt? Wenn keiner die Schale will – wir nehmen sie!“