Fünf Fragen: Katrin Müllenbach-Schlimme vom ADAC

Mietwagen in Spanien knapp und zu teuer

Am Mittelmeer, vor allem auf Mallorca, sind in diesem Sommer die Mietwagen so knapp wie nie zuvor. Wer kurzfristig buchen will, hat kaum eine Chance. Erst ab September wird sich wohl die Situation entspannen.

Abendblatt: Allein auf Mallorca fehlen in diesen Wochen nach Schätzungen von Tourismusexperten bis zu 50 000 Mietwagen. Große Engpässe auch an der Costa del Sol, in Portugal und Griechenland. Woran liegt das?

Katrin Müllenbach-Schlimme: Dem ADAC sind solche großen Engpässe nur in Spanien, speziell auf den Balearen und an der Costa del Sol, bekannt. Auch in der Vergangenheit hat es auf Mallorca und Ibiza kurzfristige Engpässe gegeben. In diesem Jahr aber gleich acht Wochen. Die Vermieter im In- und Ausland hatten überdies im letzten Jahr deutlich mehr Fahrzeuge in der Flotte. Aufgrund der Finanzkrise wurden aber viele Fuhrparks reduziert.

Abendblatt: Wer jetzt kurzfristig buchen will und womöglich Sonderwünsche wie Cabrio oder Kombi hat, hat ganz schlechte Karten. Was empfehlen Sie Urlaubern, die vor Ort mobil sein wollen und wenigstens zwei, drei Wochen Zeit für die Vorbuchung haben?

Müllenbach-Schlimme: Wir haben die Situation auf Mallorca getestet und festgestellt, dass ab September wohl wieder problemlos gebucht werden kann. Für August gibt es noch vereinzelte Angebote, allerdings liegen diese im Preis deutlich höher, weil das Angebot halt so knapp ist.

Abendblatt: Kann die Krise dazu führen, dass die Wagen erheblich länger als früher laufen müssen, also wesentlich mehr strapaziert und deshalb womöglich unsicherer werden?

Müllenbach-Schlimme: Es kommt vor, dass die Mietfahrzeuge nicht, wie früher üblich, nach sechs Monaten ausgetauscht werden, sondern länger in der Vermietung sind. Deshalb müssen sie aber nicht unsicher sein. Bei den großen Vermietern ist davon auszugehen, dass sie ihre Flotte in gutem Zustand halten. Bei kleinen Anbietern an Ort und Stelle empfehlen wir generell, sich das Auto bei der Übernahme noch gründlicher anzusehen, als es ohnehin notwendig ist: Sind die Reifen abgefahren, funktionieren Licht sowie Scheibenwischer?

Abendblatt: Namhafte Vermieter wie beispielsweise Sunny Cars, Europcar, Hertz oder Avis haben einen Namen zu verlieren. Raten Sie zur Vorsicht bei No-Name-Anbietern im Internet?

Müllenbach-Schlimme: Wir führen regelmäßig Mietwagentests in europäischen Urlaubsländern durch. Beim jüngsten Test haben wir 60 Anbieter in sieben europäischen Reiseländern unter die Lupe genommen. Dabei stellte sich auch heraus, dass No-Name-Anbieter keineswegs generell zu verurteilen sind. Auch da gab es gute Fahrzeuge. Wir können nur immer wieder sagen, egal ob bei großem oder kleinem Anbieter: Augen auf und den Wagen vor der Abnahme ganz genau anschauen. Ist ein Auto offensichtlich nicht sicher, muss es abgelehnt werden und der Vermieter muss ein anderes Fahrzeuge zur Verfügung stellen.

Abendblatt: Muss auch im nächsten Jahr zu den Stoßzeiten, also Ostern, Pfingsten, im Sommer und in so beliebten Monaten wie September, mit derselben Misere gerechnet werden?

Müllenbach-Schlimme: Es empfiehlt sich nach den jetzigen Erfahrungen besonders auf den Balearen, dass man rechtzeitig vor den Ferienzeiten bucht. Dann stehen auch die Chancen gut, den Mietwagen zu einem vernünftigen Preis zu erhalten.