Fünf Fragen an Futouris

Andreas Koch: "Wir wollen Brücken bauen"

Anfang 2009 hat die TUI mit sieben Marken als Branchenvorreiter die Nachhaltigkeitsinitiative Futouris gegründet. Weitere Touristik-Unternehmen haben sich dem gemeinnützigen Verein jetzt angeschlossen. Das Abendblatt sprach mit Andreas Koch, 1. Vorsitzender von Futouris, über Sinn und Aufgaben der Organisation.

Abendblatt: Neben der TUI Gruppe sind seit 1. Juli auch Thomas Cook Reisen und Neckermann Reisen Mitglieder. Weitere Touristikunternehmen haben Interesse signalisiert. Was genau hat sich die deutschsprachige Initiative Futouris aufs Banner geschrieben?

Andreas Koch: Futouris engagiert sich mit den Schwerpunkten auf drei Säulen: soziale Verantwortung, Erhalt der biologischen Vielfalt sowie Klima- und Umweltschutz. Unter den ersten Punkt fallen sowohl die Verbesserung der Lebensverhältnisse in touristischen Zielgebieten als auch die Förderung von Bildungsmaßnahmen. Wir begreifen uns als Schnittstelle zwischen Urlaubern und der lokalen Bevölkerung.

Abendblatt: Viele Hilfsorganisationen verfolgen ähnliche Ziele. Unter dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" leiten sie in Krisengebieten Menschen an, ihre Häuser wieder aufzubauen oder Brunnen zu graben. Setzen Sie da auch an?

Koch: Genau. Ein Beispiel sind arbeitslose Frauen im südafrikanischen Gansbaai. Von der Grootbos Foundation wurde ein Programm für sie entwickelt. Sie lernen biologische Anbaumethoden für Gemüse und Tee und die Weiterverarbeitung der Ernte. Hinzu kommt Unterricht in verschiedenen Fächern. Der Abschluss sichert ihnen anschließend sogar ein Stück Land. Ein weiteres Beispiel ist die Delfin- und Walforschung auf den Kanaren. Die lokale Partnerorganisation Buena Proa bindet Bootsführer und Fischer in die Forschung mit ein. So ermitteln sie anhand der Flossen die Population der Meeressäuger. Unsere Mitarbeiter vor Ort sollen eine Brücke bauen zur lokalen Bevölkerung, die wir im intensiven Austausch auch in die Entscheidungen mit einbinden wollen.

Abendblatt: Sie treten also an bereits bestehende Projekte heran, um mit ihnen gemeinsam die lokale Bevölkerung zu unterstützen. Nach welchen Kriterien suchen Sie diese Projekte aus?

Koch: Wir wollen alle drei Säulen abdecken. Idealerweise möchten wir in jedem Land, in dem wir arbeiten, mindestens mit einem Projekt pro Säule vertreten sein. Als Ziel haben wir uns etwa 400 Projekte weltweit gesteckt. Im Augenblick sind es schon 14 Projekte.

Abendblatt: Sie engagieren sich ja auch stark für den Klimaschutz und arbeiten eng mit der Stiftung "myclimate" zusammen. Außerdem wollen Sie durch besseres Management der Infrastruktur - Energie, Wasser, Abfall, Transport - die Lebenssituation in den Partnerländern verbessern. Wie kann sich da jetzt auch der Urlauber mit einbringen?

Koch: Auf unserer Website www.futouris.org kann sich jeder informieren. Futouris soll erlebbar für die Kunden sein. Bei allen Projekten können sie sich vor Ort selber ein Bild machen. Da wir ein gemeinnütziger Verein sind, kommen alle Spenden zu 100 Prozent den Förderprojekten zugute. Außerdem wird der Erwerb des Spenden-Gütesiegels angestrebt.

Abendblatt: Schirmherr von Futouris ist der Deutsche ReiseVerband (DRV). Außerdem wird IhreArbeit in Zukunft auch wissenschaftlich von der Leuphana Universität Lüneburg begleitet. Wie aber finanzieren Sie - außer mit Spenden - das aufwendige Vorhaben?

Koch: Verwaltungskosten werden gezielt minimiert und vollständig aus den Mitgliedsbeiträgen der beteiligten Unternehmen gedeckt. Mitglieder können Veranstalter sein, Hotels, Mietwagenfirmen usw. Wichtig ist, dass sie sich als Teil unseres Netzwerks verstehen.