Hotel, Promenade, Werft

Spektakuläre maritime Projekte im Binnenhafen

Ingo Mönke und sein Sohn Dominik sowie Bruder Heiko Mönke (r.) möchten die alte Backsteinhalle, aus der die Freiwillige Feuerwehr Harburg auszieht, zum Handwerkerhaus machen. Der weiße Lagerschuppen daneben könnte zum Kreativzentrum werden.

Ingo Mönke und sein Sohn Dominik sowie Bruder Heiko Mönke (r.) möchten die alte Backsteinhalle, aus der die Freiwillige Feuerwehr Harburg auszieht, zum Handwerkerhaus machen. Der weiße Lagerschuppen daneben könnte zum Kreativzentrum werden.

Foto: Angelika Hillmer / HA

Unternehmer-Familie Mönke plant Büros und Hotel mit Wasseraktivitäten, die Ansiedlung einer Bootswerft und ein Handwerkerhaus.

Harburg.  Bislang haben die drei Brüder Ingo, Heiko und Guido Mönke im Harburger Binnenhafen vor allem Paletten gehandelt, aufgearbeitet und gelagert und das väterliche Unternehmen PSH (Paletten-Service Hamburg) zu einem der vier größten Euro-Paletten Anbietern der Welt gemacht. Jetzt wollen sie sich mit drei Projekten im und für den Binnenhafen engagieren. „Wir sind Lokalpatrioten“, sagt Ingo Mönke, „wir machen das für die nächste Generation.“

Die Mönkes möchten ihren Beitrag dazu leisten, dass der Binnenhafen seinen Charme behält. „Wir sind hier seit 1976 aktiv, haben rund 100.000 Quadratmeter Betriebsfläche im Binnenhafen“, sagt Mönke. „Als wir 1993 unser Bürogebäude an der Blohmstraße bauten, war dies hier das erste hochwertige Gebäude“, ergänzt Bruder Heiko Mönke.

Die Harburger Unternehmer kennen den Hafen noch, als dort Tierfelle und Fischmehl umgeschlagen wurden. „Es hat hier so stark gestunken, dass man abends froh war, hier weg zu kommen“, sagen sie. Doch das ist Geschichte, der Hafen hat sich zu einem Vorzeigeprojekt der Stadtentwicklung gemausert. Und da wollen die Mönkes nun mitmischen.

Rund um die Bürogebäude soll eine breite Promenade entstehen

Projekt Nummer eins soll direkt am Firmensitz entstehen. Das Grundstück Blohmstraße 27–31 erstreckt sich bis zum Ziegelwiesenkanal und grenzt an den Lotsekanal – eine ideale Lage, die in zwei Richtungen Ausblicke aufs Wasser bietet. Folgerichtig heißt das Bauprojekt Aqua2Dock. Es umfasst ein mehrflügliges, sechsgeschossiges Bürogebäude auf der Grundstücksecke und ein langgezogenes Hotelgebäude querab zum Kanal, das eine Kapazität von knapp 170 Zimmern haben soll. Ein Betreiber ist bereits gefunden, hier wird ein City-Hotel der Marke „the niu“ entstehen.

„Wir haben einen genehmigten Bauvorbescheid“, sagt Ingo Mönke. Allerdings gebe es noch Diskussionen mit dem Denkmalschutz, der sich mit der geplanten Spundwand nicht anfreunden mag. Zum Lotsekanal (auf dem Bild links) steht eine gut erhaltene Ziegelmauer, die sich sanieren lässt. Aber der Zustand der befestigten Böschung am Ziegelwiesenkanal ist aus Sicht der Investoren weder sanierungsfähig noch erhaltenswert. Mönke: Wir möchten dort eine großzügige öffentliche Promenade haben, mit Zugang zum Wasser. Und auf dem Wasser soll Leben sein. Der Bezirk möchte eine schwimmende Sportfläche haben, für Beachvolleyball. Die könnte hier gut liegen. Und vielleicht können wir das Drachenbootrennen im Binnenhafen wieder aufleben lassen.“ Bruder Heiko Mönke stellt sich Tretboote auf dem Kanal vor: „Die könnten unsere Mitarbeiter kostenlos nutzen und auch Gäste, die bei uns einen Kaffee trinken.“

Im Erdgeschoss des Bürohauses soll ein gehobener Imbiss einziehen, „keine Spitzengastronomie, teurere Restaurants gibt es hier genügend“, sagt Ingo Mönke. Die Brüder möchten auf jeden Fall an der weitläufigen Promenade festhalten und notfalls die Böschung „überdachen“. Aus seinem Bürofenster kann Ingo auf den sanierten Lotsekai schauen und hat beobachtet, dass die dortigen Holzbänke im Sommer gut genutzt werden. So etwas könnte auch am Ziegelkanal entstehen, findet er.

Am Dampfschiffsweg könnte eine Bootswerft angesiedelt werden

Das zweite Projekt liegt einige Meter Richtung Süderelbe am Dampfschiffsweg. Dort, wo die Straße zur Wasserschutzpolizei nach rechts abknickt, liegt ein Gelände, das die PSH AG von der Stadt gepachtet hat. Auf ihm stehen Lagerhallen. Mönke: „Der Bezirk hat uns gefragt, ob dorthin vielleicht eine Bootswerft umgesiedelt werden könnte. Wir finden die Idee, auf dem bisher unter Wert genutzten Grundstück einen maritimen Betrieb anzusiedeln, sehr gut.“

Konkret könnte die Bootswerft Peter Knief, die außerhalb des Binnenhafens neben der Schleuse am Flussufer liegt und voraussichtlich der nächsten Deicherhöhung weichen muss, dort einen neuen Standort bekommen. Aber Werftchef Knief hofft auf eine andere Küstenschutz-Lösung, bei der die seit 1927 betriebene Werft ihre alten Standort behalten kann. Die Mönkes würden am Dampfschiffsweg dennoch investieren. Allerdings müsste dazu der noch 18 Jahre währende Pachtvertrag in einen Erbbauvertrag mit einer Laufzeit von 60 Jahren umgewandelt werden. Hier warten die Mönkes auf eine entsprechende Antwort des Landesbetriebs Immobilienmanagement und Grundvermögen.

Das bald verwaiste Feuerwehrhaus könnte zum Handwerkerhaus werden

Ganz neu ist die Idee eines dritten Projekts: Gegenüber des Firmensitzes jenseits des Lotsekanals steht eine alte Backsteinhalle, die von der Freiwilligen Feuerwehr genutzt wird. Die zieht demnächst aus. Das in den 1920er Jahren errichtete Gebäude namens Lagerschuppen IV soll dann abgerissen werden. Daneben droht dem weiß getünchten Lagerschuppen V dasselbe Schicksal. Ihn will der Musiker und Journalist Werner Pfeifer retten und zu einem Kreativzentrum für Künstler umbauen.

„Dazu passt unsere Idee, aus dem alten Feuerwehrhaus ein Handwerkerhaus zu machen. Die Sprinter der Monteure könnten unten in die Halle fahren und dort Material ein- und ausladen. Darüber könnte eine Büroetage entstehen“, sagt Ingo Mönke. Mindestens vier Betriebe würden dort unterkommen, schließlich hat das Gebäude vier Rolltore. Mönke: „Es sollten Gebrauchshandwerker sein, ein Maler, ein Elektriker und andere Kleinbetriebe. So etwas fehlt hier im Binnenhafen. Wir möchten das Gebäude gern übernehmen, bevor es abgerissen wird und irgendein Investor hier ein großes Bauprojekt entwickelt.“