Harburg
Stadtentwicklung

Harburger Binnenhafen: Alte Gummifabrik bekommt zwei Türme

Die CG Gruppe präsentierte im Stadtplanungsausschuss diesen Baumassen-Entwurf für das Projekt New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie.

Die CG Gruppe präsentierte im Stadtplanungsausschuss diesen Baumassen-Entwurf für das Projekt New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie.

Foto: CG Gruppe/Angelika Hillmer / CG Gruppe

Die Pläne für das Areal der New-York-Hamburger Gummi-Waaren-Compagnie nehmen Gestalt an.

Hamburg.  Die alten Backstein-Fabrikgebäude der New-York Hamburger Gummi-Waaren-Compagnie bilden den markanten östlichen Eingangsbereich zum Harburger Binnenhafen. Seit das Unternehmen vor zehn Jahren seinen Traditionsstandort verließ, war das denkmalgeschützte Ensemble sich selbst überlassen. Zwei Investoren versuchten sich unter den Projektnamen Ecocity und HafenQuartier an den Immobilien, scheiterten jedoch vor allem an der Tatsache, dass das an der Neuländer Straße stehende Hauptgebäude stark mit Nitrosaminen belastet ist – ein Erbe der jahrzehntelangen Gummiverarbeitung.

Der nunmehr dritte Investor, die Berliner CG Gruppe, hatte im Januar das Grundstück erworben. Das Unternehmen entwickelt das gegenüber liegende Neuländer Quarree, wo die Planungen bereits weit fortgeschritten sind. Am Montagabend präsentierte die CG Gruppe dem Stadtentwicklungsausschuss den Stand der Planungen für ihr zweites Harburger Projekt.

Gemischtes Quartier aus Wohnen und Gewerbe

Auf dem rund 30.000 Quadratmeter großen Fabrikareal soll ein gemischtes Quartier aus Wohnen und Gewerbe entstehen. Der Investor rechnet mit einer Bruttogeschossfläche von rund 53.000 Quadratmeter, davon 30.000 m2 Wohnraum. Zwei Hochhäuser sollen den westlichen und der östlichen Endpunkt des Quartiers bilden: ein Wohnturm in der für den Binnenhafen geltenden Maximalhöhe von 65 Metern an der Kreuzung Neuländer Straße und Nartenstraße sowie ein 45 Meter hohes Gebäude zur Hannoverschen Straße hin, in dem Gewerbe untergebracht wird.

Alle drei historischen Fabrikgebäude – der imposante Südflügel sowie die dahinter stehenden Kammfabrik und Kesselhaus – werden in das Projekt einbezogen. Allerdings kann das schadstoffbelastete Hauptgebäude nicht erhalten werden.

Von ihm wird nur die zur Neuländer Straße ausgerichtete repräsentative Schauseite stehen bleiben. Dahinter werden Wohngebäude entstehen. Um deren Bewohner vor austretenden Nitrosaminen zu schützen, wird die alte Fassade innen mit Metall verkleidet. Licht wird durch die Industriehallen-Fenster in die Wohnungen fallen.

Besondere Anforderung an die Architekten

Die CG Gruppe muss hier also ein sehr anspruchsvolles Bauvorhaben umsetzen und ist durch den Denkmalschutz, die Schadstoffbelastung und den von der Bahntrasse verursachten Lärm mehreren Beschränkungen unterworfen. Deshalb hat der Bezirk ein zweites Hochhaus zugelassen und will zudem auf die Forderung verzichten, einen Teil der Wohnungen (Miete und Eigentum) als Sozialwohnungen zu errichten. Letzteres traf im Ausschuss auf Kritik.

„Sozialer Wohnungsbau sollte berücksichtigt werden, auch wenn das Projekt schwierig ist“, forderte Britta Herrmann, Fraktionsvorsitzende der Grünen. „Wir müssen sehen, was Harburg am dringendsten braucht, und das ist bezahlbarer Wohnraum – das wird halt eine besondere Anforderung an die Architekten.“

Diese werden im nächsten Verfahrensschritt gefordert sein: Das Beratungsbüro Konsalt organisiert einen Architektenwettbewerb. „Es werden mindestens acht Büros daran teilnehmen, wir stimmen uns da gerade mit dem Oberbaudirektor ab“, sagte Kristian Dahlgaard von Konsalt. Die CG Gruppe bezeichnet das Projekt als „eines der aktuell spannendsten Hamburger Bauvorhaben“. Innerhalb des „Industriedenkmals erster Güte“ werden mittelfristig rund 400 Wohnungen entstehen.

Im Februar 2020 soll der Wettbewerb starten. Im Mai/Juni könnte dann eine noch zu bildende Jury den besten Entwurf auswählen und wenig später der Öffentlichkeit vorstellen. Im Sommer 2020 könnte die historische Produktionsstätte dann ein neues Gesicht bekommen – zunächst nur digital und auf Papier. Gewünscht sei ein „gestalterisch herausragender Entwurf“, heißt es bei der Vorstellung des Vorhabens. Er wird dem Credo des Binnenhafens folgen, historische Bausubstanz mit modernen Gebäuden zu einem spannungsreichen Mix aus Alt und Neu zu kombinieren.