Stormarn
Kreisliga

Jubel in Bargfeld, Trauer beim VfL Oldesloe

Dennis Dabelstein vom VfL Oldesloe sitzt nach dem verpassten Aufstieg in die Verbandsliga enttäuscht auf dem Boden

Dennis Dabelstein vom VfL Oldesloe sitzt nach dem verpassten Aufstieg in die Verbandsliga enttäuscht auf dem Boden

Foto: Thomas Jaklitsch

Die Fußballer aus der Kreisstadt verspielten am letzten Spieltag den Aufstieg. Hamberge und Großensee/Brunsbek sind abgestiegen.

Bad Oldesloe/Bargfeld.  Bad Oldesloe, 17.51 Uhr: Fast alle Spieler des VfL sinken erschöpft und enttäuscht zu Boden. Marius Kuhlke verharrt mit starrem Blick vor seiner Trainerbank, Spartenleiter Jens Schenk trottet auf den Platz. Und als hätte es noch ein plakativ-symptomatisches Bild von oben gebraucht, setzt genau in diesem Moment ein heftiger Regen- und Hagelschauer ein.

Bargfeld-Stegen, selbe Zeit: Hier steht es 4:2, doch für das Spiel interessiert sich schon längst niemand mehr. Selbst die Mannschaft tut nur noch das Allernötigste. Als die Kunde vom Oldesloer 0:0 die Runde macht, kreischt ein Ersatzspieler auf der Bank vor Freude. Dann ist endlich Schluss.

Die Fußballer des Bargfelder SV haben Platz zwei in der Kreisliga Stormarn/Lauenburg erreicht und sind damit in die Verbandsliga Süd-Ost aufgestiegen. Auf der Zielgeraden hat die Mannschaft von Trainer Martin Nickel den favorisierten VfL Oldesloe noch abgefangen. Lange waren die Bargfelder von vielen Beobachtern eher belächelt worden, weil sie viele Spiele nur knapp für sich entschieden und im März und April dann auch reihenweise Punkte liegen ließen. Doch nun ist die junge und eigentlich zu dünn besetzte Mannschaft endgültig zum Überraschungsteam der Saison mutiert – und der bis zuletzt ärgste Konkurrent bewies Größe. Oldesloes Trainer Kuhlke sagte: „Großen Glückwunsch an Bargfeld. Wer am Ende Zweiter ist, hat es auch verdient.“

Mit Spannung darf erwartet werden, wie sich die Mannschaft, die vor einem Jahr nur knapp den Abstieg verhindert hatte (bei allerdings verschärfter Tabellenkonstellation), nun in der sechsten Liga schlägt. Anders als Meister Preußen Reinfeld, der zum Abschluss einen 8:0-Kantersieg gegen die SG Großensee/Brunsbek feierte und einen Platz im Tabellenmittelfeld anstreben wird, kann es für den BSV nur darum gehen, irgendwie den Klassenerhalt zu schaffen. Eines aber ist sicher: Auf dem engen Platz am Waldweg wird der BSV in punkto Atmosphäre auch in der Verbandsliga zu den Spitzenclubs gehören.

Die Bargfelder Leonhardt und Janelt versteckten sich im Unterholz

Nach dem Abpfiff, als der 4:2-Erfolg gegen die Möllner SV feststand, begann für Spieler und Fans eine auch für Bargfelder Verhältnisse außergewöhnliche Sause auf dem Platz. „Ich hoffe, dass die zweite Mannschaft hier noch spielen kann“, sagte ein völlig gelöster Co-Trainer und Spartenleiter Thorben Knuth in der gespielten Sorge, der Rasen könne die Feier nicht überstehen. Nach Rückstand hatte Carsten Rüder mit einem Hattrick binnen 14 Minuten den Sieg eingeleitet.

Mit einer besonderen Überraschung hatte das Trainergespann schon in der Halbzeit die Feierlichkeiten eingeleitet. Plötzlich standen Janek Leonhardt und Victor Janelt einsatzbereit auf dem Platz. Beide hatten die letzten Monate in Australien verbracht und stets behauptet, erst nach Saisonende zurückzukehren. Leonhardt erzählte dem Abendblatt: „Die erste Halbzeit haben wir uns in einem Busch versteckt und von dort das Spiel gesehen. Meine Mutter wohnt direkt am Platz, da konnten wir uns im Garten etwas aufwärmen. Die Überraschung haben wir seit Monaten geplant. Dass es jetzt sogar mit dem Aufstieg geklappt hat, ist natürlich ein Knaller, da hätte keiner mit gerechnet. In den letzten drei Minuten wurde kaum mehr gespielt, als das Gekreische von der Bank kam.“

VfL Oldesloe ruft zur neuen Saison den Aufstieg als Ziel aus

In Bad Oldesloe stellte Abteilungsleiter Schenk noch im Gefühl der Enttäuschung klar: „Wir lassen uns die Saison nicht kaputtreden.“ Tatsächlich hatten nur Zentimeter zum großen Erfolg gefehlt. In der ersten Halbzeit gegen eine beherzt auftretende Ratzeburger Mannschaft traf Patrick Schönfeldt die Latte, im zweiten Durchgang Lukas Schacht den Pfosten. Zweimal retteten die Gäste auf oder kurz vor der Torlinie. „Wir können uns heute nichts vorwerfen. Mit der angespannten Personalsituation haben wir das Optimum rausgeholt“, sagte Kuhlke. Für kommende Saison kündigte der VfL sogleich den Angriff an. „Ziel ist definitiv der Aufstieg“, sagte Kuhlke, der die Mannschaft im vergangenen Sommer übernommen und völlig umgekrempelt hatte. „Wir hatten elf Leute und waren nicht konkurrenzfähig. Keiner hätte uns etwas zugetraut“, so der Coach. „Wir haben die Mannschaft mit A-Jugendlichen und reaktivierten Spielern aufgefüllt. Die Stimmung war gleich positiv, die Trainingsbeteiligung auch in schwierigen Phasen immer gut. Das war in Oldesloe nicht immer so.“

Aufstiegsrunden bleiben wohl wertlos. Hamberge steigt wegen Punktabzug ab

Zunächst spielen die Kreisstädter noch wie auch der WSV Tangstedt, der kampflos gegen GW Siebenbäumen II gewann, in einer prophylaktischen Aufstiegsrunde. Doch nur, wenn noch ein Team auf sein Startrecht in der Liga verzichtet, würde der Sieg in der Vierergruppe den Aufstieg bedeuten.

Spannend bis zuletzt war es auch im Abstiegskampf. Am Ende erwischte es beide Stormarner Teams, die noch hatten hoffen dürfen. Der SV Hamberge und die SG Großensee/Brunsbek sind abgestiegen, der Krummesser SV hat sich durch das 2:1 im direkten Duell mit Hamberge gerettet. Besonders bitter für den SVH: Zum Klassenerhalt fehlen jene Zähler, die der Mannschaft von Trainer Matthias Beeck vor der Saison wegen mangelnder Schiedsrichter-Meldungen abgezogen wurden. „Das ist jammerschade. Ich halte diese Regel für sowas von schwachsinnig“, sagte Beeck, sparte aber auch nicht an Selbstkritik. „Wir haben es über die gesamte Saison vergeigt.“ Auf die Frage nach seiner Trainerzukunft sagte er: „Im Moment bin ich einfach leer. Aber auch ich habe es mit in den Sand gesetzt und bin in der Pflicht, das wieder geradezubiegen. Wir setzen uns Donnerstag zusammen.“

Den Aufstieg aus der Kreisklasse A hat der TuS Hoisdorf auf den letzten Drücker perfekt gemacht. Bei der FSG Südstormarn gewann die Mannschaft von Trainer Yilmaz Ince nach 0:2-Pausenrückstand noch 4:2. Die beiden entscheidenden Treffer fielen erst in den Schlussminuten. Ince: „Die konditionelle Überlegenheit war in der gesamten Rückrunde unsere Stärke.“

SG Union/Grabau verliert den Titel in der Kreisklasse A in den letzten Minuten

Der SG Union/Grabau bleibt damit nur Rang zwei. „Bis zur 87. Minute waren wir Meister. Das ist sehr schmerzhaft“, sagte Coach Karsten Drube, der Dienstag und Freitag in der ebenfalls wohl bedeutungslosen Relegation gegen die SIG Elmenhorst antreten muss. „Es geht wohl nur um die goldene Ananas, aber die Hoffnung stirbt zuletzt“, so Drube.